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Baumberg
Baumberger wirbt für einen Veggietag

Baumberg. Bis vor etwas mehr als einem Jahr gehörte Fleisch zum täglichen Speiseplan von Oliver Streuer. Der 21-Jährige hatte sich bis dahin kaum Gedanken über die ethische Seite des Verzehrs von Wurst, Steaks oder Frikadellen gemacht. Doch dann liest er das Buch "Praktische Ethik". Der Autor argumentiert auf einer moralischen Ebene gegen das massenhafte Töten und Verzehren von Tieren. Die nicht unumstrittenen Worte des australischen Philosophen Peter Singer verändern seine Sicht der Dinge nachhaltig. Seitdem verzichtet der Student konsequent auf Fleisch und Fisch. Das neue Bewusstsein für seine Ernährung will er gerne weitergeben, indem er den "Veggietag" in Monheim etabliert. Von Dorian Audersch

Dabei handelt es sich um eine Initiative, die bereits bundesweit in 30 Städten läuft. Ein Beispiel ist Münster, wo Oliver Streuer momentan Jura studiert. In Kantinen, Mensen und auch Restaurants stehen donnerstags vor allem vegetarische Gerichte auf dem Speiseplan. Mit Umerziehung oder gar Zwang habe die Aktion allerdings nichts zu tun, wie der 21-Jährige betont. "Wir wollen dafür werben, einen Tag in der Woche auf Fleisch zu verzichten", unterstreicht Streuer. "Es geht nicht darum, die Monheimer zu Vegetariern zu erziehen, sondern die Auswirkungen des eigenen Konsumverhaltens deutlich zu machen." Informationsveranstaltungen sollen den vegetarischen Tag einrahmen.

Oliver Streuer hat jede Menge Daten parat, die belegen, dass der derzeitige Fleischkonsum in Deutschland nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Umwelt schadet. So empfehle t die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), maximal 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche zu konsumieren. Tatsächlich essen die Deutschen aber mehr als 1,2 Kilogramm, wie verschiedene Untersuchungen ergeben haben. "Das wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus", meint der Baumberger. "Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Bluthochdruck, Fettleibigkeit und verschiedene Krebsarten können die Folge sein."

Auch aus ökologischer Sicht gebe es kaum ein Argument für die Massentierhaltung. Die Fleischproduktion verursacht laut des Klimareports der Vereinten Nationen 18 Prozent der weltweiten Emissionen von Treibhausgasen. "Das ist mehr als beim weltweiten Automobilverkehr anfällt", unterstreicht Streuer, der sich durchaus bewusst ist, dass ein "Veggietag" in Monheim nur ein verschwindend geringer Beitrag zum Klimaschutz wäre. Immerhin: Der freiwillige Fleischverzicht für einen Tag pro Woche entspräche der Einsparung des CO2-Ausstoßes von rund 3000 Autos.

Auch der Wasser und Energieverbrauch, der für die Produktion von Rind-, Hühner- und Schweinefleisch anfällt sei im Grunde unverantwortlich, wie der Student meint: "Das ist eine Ressourcenverschwendung sondergleichen." Zudem müsse man sich einfach einmal vorstellen, das weltweit pro Minute 115 000 Tiere in der Lebensmittelindustrie getötet werden. "Natürlich sind diese Zahlen erst einmal abstrakt", sagt der angehende Jurist, "aber ich hoffe, es gibt einige Bürger in Monheim, die sich der Initiative anschließen wollen."

Im September ist eine Gründungsveranstaltung geplant, um das weitere Vorgehen zu koordinieren. Eine Vorlage für den Stadtrat ist schon formuliert, um die Einführung eines vegetarischen Tages voran zu treiben. "Ich will niemanden erziehen", unterstreicht Streuer. "Wichtig ist, Zusammenhänge in das Bewusstsein zu rücken."

Quelle: RP
 
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