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Monheim/Düsseldorf
Bei Hochwasser durch die Kämpe

Monheim/Düsseldorf: Bei Hochwasser durch die Kämpe
Auen-Erlebnisbegleiter Otto Bremm erläutert die genaue Lage der in Teilen überfluteten Urdenbacher Kämpe. Gegen Ende übergab er den Teilnehmern eine Wanderkarte der Kämpe - für eigene Exkursionen. FOTO: Andreas Endermann
Monheim/Düsseldorf. Auen-Erlebnisbegleiter Otto Bremm führte interessierte Bürger durch Schlamm und überflutete Wiesen. Von Sandra Grünwald

Eigentlich hätte die Führung in der Urdenbacher Kämpe an diesem Sonntag zum Totholz gehen sollen. "Doch hier hat mir die Natur ein Schnippchen geschlagen", sagt Auen-Erlebnisbegleiter Otto Bremm. Das letzte Sturmtief hat so viele Bäume umgeworfen, dass die Wege nicht begehbar sind. Also suchte sich Bremm ein neues Thema und wurde schnell fündig, denn in den letzten Wochen stand die Kämpe unter Wasser, und noch immer sind viele Wiesen, Wege und Waldflächen überflutet.

So startete auf dem Wanderparkplatz "Piels Loch" die Führung "Am Rande des Hochwassers - Veränderung erleben" mit zehn interessierten Teilnehmern. "Ich habe am Tag zuvor schon sicherheitshalber eine Tour gemacht und auch heute bin ich noch einmal durch die Wiesen gegangen", verrät der Auen-Erlebnisbegleiter, der zunächst einmal auf die Wasserstandsmarken hinweist, die an den Schildern im ganzen Gebiet angebracht sind. "Sie zeigen den in der Düsseldorfer Altstadt gemessenen Pegel an."

Noch vor zwei Wochen wäre diese Wandertour überhaupt nicht durchführbar gewesen, wie Bremm anhand einiger Fotos anschaulich macht. Die Straße mitsamt der Brücke stand völlig unter Wasser, nur noch das Geländer war zu sehen. Auch "Piels Loch" war überflutet. Doch jetzt ist es möglich. Zuerst geht es auf die Brücke, wo Bremm erklärt, das Hochwasser sorge dafür, dass hier der Fluss sogar die Fließrichtung wechsele. Auf dem ersten Weg - dem "Sommerdamm" nach Hellerhof - wird die Truppe bereits nach wenigen hundert Metern gestoppt und steht vor einem überfluteten Weg. Zwar hätte man mit Gummistiefeln weitergehen können, doch Bremm warnt: "Bei Hochwasser ins Gelände zu gehen, kann gefährlich sein. Man übersieht schnell die Löcher." So geht es wieder zurück, wobei der Erlebnisbegleiter viel Interessantes erzählt: "Die Urdenbacher Kämpe wurde noch nie eingedeicht." Zwar bestanden bereits vor dem Zweiten Weltkrieg Pläne dafür, doch die Pläne wurden immer wieder hinausgeschoben. Nach Kriegsende wurden sie schließlich aufgegeben. Am Wegesrand zupft Bremm ein Brennnesselblättchen ab und zeigt es herum. "Unten ist es grün und oben ist es braun-grau. Das ist das Sediment, das das Hochwasser mitbringt." Dieses Sediment wurde von Bauern sehr geschätzt. "Es ist eine natürliche Düngung."

Durch die Streuobstwiesen - hier wachsen nur Birnen und Apfelbäume - geht es weiter auf matschigen, aufgeweichten Wegen, im Slalom durch die Pfützen. Links und rechts breiten sich Tümpel und Seen aus auf den Wiesenflächen. "Hier stehen vor allem Pappeln, Weiden und Erlen", erklärt der Erlebnisbegleiter. "Hartholz, wie Buchen, würden bei dem Hochwasser ertrinken", ergänzt er.

Renate Fuhrmann ist öfter mit Otto Bremm unterwegs. "Das Hochwasser-Thema fand ich sehr interessant", sagt sie. Sie sei öfter zum Walken in der Kämpe. "Aber, dass es so extrem ist, das hätte ich nicht gedacht." Anschaulich macht das eine Stele, auf der ein Pegel von 7,8 Meter in einer ungefähren Höhe von 1,5 Meter über dem Boden markiert ist. "Vor zwei Wochen war der Pegel bei über acht Metern", erzählt Bremm, "man hätte also von dem Pfosten nichts mehr gesehen."

Manuela und Edgar Jäkel waren schon oft bei Hochwasser unterwegs. "Es ist spannend zu erleben, wie mächtig der Rhein wird", meint Edgar. Von der Führung haben sie zufällig erfahren und sind froh, dass sie sie mitgemacht haben. "Man wird auf Dinge aufmerksam, an denen man sonst vorbeigelaufen wäre", sagt Manuela Jäkel. Der ausgeuferte Rhein hinterlässt gleichwohl bleibende Eindrücke.

Die naturbegeisterte Truppe nutzt die Gelegenheit, an einer sicheren Stelle zum Wasser zu steigen und mit der eigens von Bremm mitgebrachten Bürste den Schlamm von den Schuhen zu waschen. Dann geht es auf befestigten Wegen zurück in die Zivilisation.

Quelle: RP
 
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