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Rp-Serie Schätze Des Archivs (3)
Bilder zeigen die Frömmigkeit von einst

Rp-Serie Schätze Des Archivs (3): Bilder zeigen die Frömmigkeit von einst
Heinz Langenbusch zeigt Glastäfelchen mit Kommunionbildern aus dem Jahr 1910. Sie zählen eher zu den "Archiv-Schätzchen". FOTO: Ralph Matzerath
Langenfeld. Für die Archive von St. Gereon und St. Dionysius wird derzeit ein neues Haus gebaut, in das sie umziehen werden. Von Daniel Gehrmann

BAUMBERG "Wir haben hier fast nur Kopien", sagt Heinz Langenbusch. Der 74-Jährige betreut das Pfarrarchiv der Gemeinde St. Dionysius in Baumberg. Nach den größten Schätzen seines Archivs gefragt, blättert er im Findbuch, das die einzelnen Objekte auflistet. Aus den Archivkartons fördert er zwei Urkunden zu Tage, die eine von 1689, die andere sogar von 1361 - jedoch nur in schmucklosen Schwarz-Weiß-Kopien; die Originale der hier aufbewahrten Fotokopien liegen in anderen Archiven, meist in Monheim oder Köln.

Das schöne, wenn auch stark beschädigte Messbuch aus dem 18. Jahrhundert, das der Vorstellung von einem "Schatz" im Archiv noch am nächsten kommt, scheidet gleich aus zwei Gründen aus: Zum einen sind solche Bücher nicht selten (man bekommt sie im Antiquitätenhandel), zum anderen genügen alte Messbücher nicht den strengen Vorgaben des Kölner Diözesanarchivs, was "archivwürdig" ist und was nicht - ganz abgesehen davon, dass dieses Messbuch nicht einmal aus Baumberg stammt, sondern einmal von einem Pfarrer mitgebracht wurde...

Schätze, wie sie St. Martinus in Richrath oder St. Gereon in Monheim zu bieten haben, wird man in St. Dionysius also vergeblich suchen. Eher findet man "alte Schätzchen", darunter Kuriositäten wie die drei Glastäfelchen mit Kommunionbildern von 1910. Die Vorderseite, hinter Glas, zeigt eine weiß gekleidete junge Frau, die andächtig betend vor einem Altar mit einem goldenen Kelch kniet. Über dem Kelch schwebt eine Hostie mit Heiligenschein. Hinter der jungen Frau schwebt ein Engel, der auf die Hostie weist, und oben (als hätte der Maler um jeden Preis das ganze Bild füllen wollen) schweben noch einmal drei Engelchen... Auf der Rückseite steht in alter Handschrift: "Zum Andenken an den schönsten Tag des Lebens."

Der heutige Betrachter kann ein Lächeln über das religiöse Pathos kaum unterdrücken, und doch veranschaulichen die drei Glastäfelchen ein Stück katholische Frömmigkeit, wie sie vor gut einem Jahrhundert im dörflichen Umfeld gepflegt wurde. Die Bildchen inszenieren ein Stück "heile Welt"; heute wissen wir, dass die Menschen dieser Zeit am Vorabend eines großen Krieges lebten, der später einmal als der Erste Weltkrieg in die Geschichte eingehen sollte.

Als die Kommunionbilder verteilt wurden, war die Pfarre St. Dionysius gerade zwei Jahrzehnte jung. 1890 war sie nach langem Ringen endlich ausgegliedert worden. Sie sollte nur 121 Jahre bestehen: Zum Januar 2011 wurde sie wieder mit der Monheimer Pfarre St. Gereon zusammengelegt. Auch die Archive von St. Gereon und St. Dionysius werden ab 2011 zusammengeführt; derzeit wird für sie ein neues Gebäude in Monheim errichtet, in das auch die Baumberger Bestände umziehen sollen.

Das Pfarrarchiv St. Dionysius wurde erst 1990 eingerichtet. Langenbusch begann seine Tätigkeit als Archivbetreuer im November 2001. Jede Woche kommt er dienstags für zwei Stunden, hilft Besuchern, die in den alten Tauf- und Heiratsregistern (ab 1890 geführt) Ahnenforschung betreiben wollen, oder sichtet und ordnet neu eingehendes Material. Da sind Unterlagen der Rendantur (der kirchlichen Finanzverwaltung) oder Personalakten, die jeweils eine bestimmte Zeit lang aufbewahrt werden müssen. Manchmal bieten auch Baumberger dem Archiv Stücke aus dem Familienbesitz an; dann muss Langenbusch entscheiden, ob er sie aufnehmen will, und muss sie ggf. in die Loseblattsammlung eintragen. "Ich könnte noch Unterstützung gebrauchen", sagt er lächelnd.

Quelle: RP
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