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Faisal Kawusi
"Böller sind was für Pussys"

Faisal Kawusi: "Böller sind was für Pussys"
FOTO: Photographer: Nicolas Grehl
Langenfeld. Der deutsch-afghanische Comedian Faisal Kawusi kommt nach Monheim.

Herr Kawusi, Sie sind in Frankfurt in einer deutsch-afghanischen Familie aufgewachsen. Mit welchen Comedyshows sind Sie groß geworden?

kawusi Damals war es so: Es ist Freitagabend 22.15 Uhr und die ganze Familie Kawusi sitzt vor dem Fernseher und schaut "Was guckst du!?" mit Kaya Yanar.

Ist Kaya Yanar ein Vorbild?

Kawusi Nicht wirklich. Klar möchte ich erreichen, was er geschafft hat. Kaya ist ein grandioser Komiker und sehr nett. Ich durfte schon mit ihm auftreten. Ein echtes Idol ist aber -wenn, dann - nur mein Vater für mich.

Wollten Sie schon immer Comedian werden?

Kawusi Als Jugendlicher wollte ich Staatsanwalt werden! Das ging aber schnell vorüber. Nach der "anständigen" Bankausbildung war die Bahn frei für die wahre Leidenschaft, Comedy. Meine Eltern sind trotzdem stolz, wenn auch kritisch. Sie wissen, dass ich am Ende sowieso mache, was ich will.

Sie hatten Auftritte im "Quatsch Comedy Club" oder "TV total". War das Jahr 2015 der Durchbruch?

Kawusi Von einem Durchbruch würde ich noch nicht sprechen. Es war ein erfolgreiches Jahr mit Höhen und Tiefen. Ich bin zufrieden.

Ein Tiefpunkt war der Shitstorm, nachdem Sie gestehen mussten,Witze kopiert zu haben.

Kawusi Im Nachhinein ist es gut, dass es passiert ist. Das hat mich stärker gemacht. Ich konnte beweisen, dass ich nicht leicht unterzukriegen bin und habe viel gelernt. Es war eher Druck als ein "Shitstorm". Das Ausmaß war aber aushaltbar.

Auf Facebook zeigen Sie sich mit Maschinengewehr und dem Spruch "Böller sind was für Pussys". Wie weit darf Comedy gehen?

Kawusi Also erstmal, fürchte ich, darf ich nach diesem Gag wohl nie mehr in die USA oder in Israel einreisen (lacht). Aber Spaß beiseite: Comedy darf in meinen Augen fast alles. Meine Mission ist es ja, Texte zu machen, die anecken, und Leute zum Lachen zu bringen. Aber sobald Menschen verletzt werden, beim Thema Religion zum Beispiel, da ist für mich die Grenze.

Haben Sie keine Angst?

Kawusi Nein. Es gibt Anfeindungen von Nazis oder anderen Idioten, aber ich lasse mir von niemandem den Mund verbieten. Ich kenne religiösen Stolz aus dem Islam. Bei uns zuhause steht der Koran am höchsten Punkt der Wohnung, deswegen mache ich darüber keine Witze.

Bei der Stand-Up-Comedy-Nacht spielen Sie Ihr neues Programm "Glaub' nicht alles, was du denkst". Was erwartet die Monheimer ?

Kawusi Ganz viel Spaß und ein individueller Abend! Ich rede über Vorurteile, aber es geht nicht nur um meine afghanischen Wurzeln. Ich erzähle über mein Leben und prägende Momente. Am Ende sollen die Leute sagen, dass das ein geiler Abend in Monheim war.

Herr Kawusi, was wissen Sie über Monheim am Rhein?

Kawusi Nicht so viel. Ein Mal war ich in Monheim bei einer Show. Die hieß "Heiß und fettig", quasi wie zugeschnitten auf mich! Das Ambiente hatte etwas von einer Dönerbude, es gab aber deutsche Frikadellen. Und sonst . . . es ist Karnevalszeit, oder?

Stimmt. Als was würden Sie gehen?

Kawusi Eigentlich bin ich kein Karnevalsfan. Vielleicht als Nazi. Das hätte doch was, ein 130 Kilogramm schwerer Afghane in Nazi-Montur!

Haben Sie Vorsätze für 2016?

Kawusi Sowas passt nicht zu mir. Ich bin eher der undisziplinierte Typ und meide Waagen. Meine Wünsche sind: Gesund bleiben, glücklich sein und viel Spaß am Leben haben.

JESSICA BALLEER FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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