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Monheim
Bücherei soll rund um die Uhr öffnen

Monheim: Bücherei soll rund um die Uhr öffnen
Mit der Taschenlampe im Dunkeln lesen - für Kinder ein Abenteuer. Doch in der Monheimer Bib 2020 soll es auch nachts taghell sein. FOTO: Olaf Staschik
Monheim. Die Selbstverbuchung mit Rückgabe-Automat soll 2017 kommen. Anschließend wird die 24-Stunden-Öffnung angepeilt. Von Thomas Gutmann

Meinhard Motzko ist sowas wie der "Bücherei-Papst" im deutschsprachigen Raum. Gut 350 Kommunen in Deutschland und der Schweiz stellte der Bremer Bibliotheksprüfer schon ein Zeugnis aus. Nun war Monheim an der Reihe. Wenn man's gut meint mit der Rheingemeinde, dann lässt sich Motzkos Befund so zusammenfassen: 5 -. Eine "Leihbücherei wie aus den 50er Jahren", der Kinder-/Jugendbereich ein "Museum", bei der Entleihquote kreisweit auf dem vorletzten Platz (2,3 Medien pro Einwohner/Jahr; Langenfeld: 5,7). Schlechter geht's kaum, und das ist auch kein Wunder bei einer Ausstattung auf "absolutem Mindeststandard". In Zahlen: 3,8 Stellen und 36.500 Euro Medienetat (Langenfeld: 8,5 Stellen; 70.000 Euro).

Jetzt aber soll die städtische Bücherei aus den 50ern geradewegs in die Zukunft geschossen werden - konzeptionell, aber auch räumlich, wiewohl sie sich dahingehend bereits in den 70ern (Baujahr) befindet. Als erste Zündstufe beschloss der Ausschuss für Kultur und alles Mögliche jetzt die Einführung eines elektronischen Selbstverbuchungssystems mit rund um die Uhr zugänglichem Rückgabe-Automat. Ebenfalls einstimmig angenommen wurde das von Motzko erarbeitete "Bibliothekskonzept 2015-20". Diese Blaupause für die zweite Zündstufe ersetzt die überkommene Leihbücherei mit reichlich Regalen ("Medienlager") durch einen soziokulturellen Treffpunkt mit Café, reduzierten Buchbeständen, erheblich mehr Zugängen zu Datenbanken sowie einem sehr präsenten "Gaming"-Angebot (Konsolenspiele etc.), das medienpädagogisch begleitet werden soll - wie überhaupt das dann deutlich ausgebaute Betreuungs-, Veranstaltungs- und Kooperationsprogramm (Kitas, Schulen etc.). Gekrönt werden könnte das Ganze durch "24/7". Eine solche Rund-um-die-Uhr-Öffnung ist laut Motzko im Bibliothekswunderland Dänemark bereits gängige Praxis: In den frühen Morgen-, Abend- und Nachtstunden betreten die Nutzer dort die Bib per Chipkarte. Nächtliches Personal sei überflüssig; etwaigem Vandalismus könne gegebenenfalls durch Videoüberwachung vorgebaut werden, versicherte der vollbärtige Gutachter. Und spornte die anwesenden Monheimer zum großen Wurf an: "Vielleicht sind Sie die ersten in Deutschland, die 24/7 in einer Stadtbücherei einführen!".

Was kostet das alles? Zunächst mal eine zusätzliche halbe Bibliothekarstelle sowie rund 60.000 Euro für das Selbstverbuchungssystem (2016, zuzüglich Landeszuschüssen). In Betrieb gehen soll es im Frühjahr 2017. Warum eine Dauer-Halbstelle für einen befristeten Aufwand, wurde im Ausschuss gefragt (Stephan Emmler/Grüne, Peter Werner/CDU). Weil über die Systemeinführung hinaus auch das Bib-Konzept 2020 mehr Manpower erfordere, antwortete Stadtkulturchefin Sonja Baumhauer. Die Verwaltung ließ deshalb im Zuge des Konzepts auch noch gleich eine weitere zusätzliche halbe Stelle (für die Kooperationen) mitbeschließen. Zudem wird der Medienetat auf zunächst 50.000 Euro aufgestockt. Und die 15.000 Euro für die "räumliche Konzeptstudie" dürften nur ein Bruchteil dessen sein, was die 24-Stunden-Bib schließlich kosten wird. Ob sie in ihrem 70er-Jahre-Heim, in einem anderen Gebäude oder gar einem Neubau verwirklicht werden wird, muss laut Bürgermeister Daniel Zimmermann (Peto) erst noch geprüft werden.

Quelle: RP
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