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Martina Seuser
"Bücherei wird Wohnzimmer der Stadt"

Martina Seuser: "Bücherei wird Wohnzimmer der Stadt"
Martina Seuser freut sich auf einen spannenden Umgestaltungs-Prozess. FOTO: Matzerath
Langenfeld. Am 24. Oktober ist der Tag der Bibliotheken. Seitdem der Tag 1995 ausgerufen wurde, hat sich das Verhalten der Nutzer stark geändert. Von Petra Czyperek

Langenfeld In der Bücherei an der Hauptstraße wird gelernt, gespielt, gelesen und es gibt dort viele Veranstaltungen - nicht nur am Tag der Bibliotheken - sagt Leiterin Martina Seuser. Viele Besucher kommen, um Medien auszuleihen. Andere bleiben länger - etwa eine Stunde ist die durchschnittliche Verweildauer. Ruhiges Arbeiten sei so kaum möglich. Nach niederländischem Vorbild soll deshalb ab Mitte 2018 ein neues Konzept entwickelt werden.

Frau Seuser, die Bibliothek ist für viele Nutzer ein Rückzugsort, an dem sie sich gerne aufhalten und ausgiebig schmökern. Auch die Bücherei in Langenfeld hat Kaffee- und Tee-Automaten in der Leseecke aufgestellt, um es den Nutzern gemütlich zu machen. Wird sich das in Langenfeld mit einem neuen Konzept ändern?

Seuser Der Wohlfühleffekt soll sich mit dem neuen Konzept sogar noch steigern. Unsere Bibliothek soll so etwas wie das "Wohnzimmer der Stadt" werden.

Was machen die Niederländer besser?

Seuser Die Bibliotheken haben bei unseren Nachbarn einen anderen Anspruch bezogen auf die Wirkung in der Stadt. Sie sind Teil des Vermarktungskonzeptes und haben einen gesellschaftspolitischen Auftrag. Sie bilden den Kitt der Gesellschaft und bieten verschiedenen Gruppen ein Zuhause, beispielsweise Migranten, Menschen mit einem geringen Einkommen und zunehmend älteren Bürgern.

Welchen Stellenwert hat die klassische Buchausleihe noch? Welche Medien sind heute besonders gefragt?

Seuser Wir unterscheiden nicht zwischen Buchausleihe, E-Books oder der Ausleihe von CDs. Die Ausleihe ist die am meisten abgefragte Dienstleistung in der Bücherei. Aber alle anderen Angebote werden immer wichtiger.

In die Bibliothek kommen Menschen aller Altersgruppen - vom Kindergartenkind bis zum Senior - welche ist die Stärkste?

Seuser Die stärkste Gruppe ist die der bis 20-Jährigen. Das sind 40 Prozent der Ausweisinhaber. Die kleinste Gruppe ist mit rund 15 Prozent die der über 60-Jährigen. Damit sind aber nicht unbedingt diejenigen gemeint, die sich bei uns aufhalten, beispielsweise zum Zeitunglesen.

Wie unterscheiden sich deren Wünsche?

Seuser Die Wünsche sind sehr unterschiedlich. Kinder und Jugendliche kommen, um hier zu spielen, zu lernen oder sich mit anderen Kindern zu treffen. Sie sind meistens lebhafter als andere Nutzer. Ältere kommen zum Lesen. Auch die öffentlichen Internetplätze sind gut frequentiert. Senioren haben oft keinen eigenen Computer, fragen in der Bücherei ihre E-Mails ab und buchen Reisen.

Welche Aktionen gibt es beispielsweise für Kinder und Jugendliche?

Seuser Wir arbeiten sehr eng mit den Lehrern an Schulen und den Erziehern in Kindertagesstätten zusammen. Wir fangen mit Angeboten für Kindergartenkinder ab drei Jahren an. Dann können sie mit fünf Jahren den Bücherführerschein machen. Dabei lernen Vorschulkinder spielerisch, welche Medien es bei uns gibt und wie lange man sie ausleihen kann. Wir binden auch die Eltern ein, versuchen zu vermitteln, wie wichtig Lesen ist. Die Bücherei organisiert für Zweit- oder Viertklässler Suchrallyes in der Bücherei, und die Drittklässler kommen zu Autorenlesungen. Eine häufig gestellte Frage der Kinder ist dann immer, was ein Schriftsteller mit seiner Arbeit verdient. Fünftklässler lernen, mit den Katalogen umzugehen. Mit Oberstufenschülern machen wir gezieltes Recherchetraining, gehen gemeinsam in die Unibibliothek oder üben die Suche in Datenbanken.

Womit holen sie das ältere Publikum in die Bibliothek?

Seuser Für das Publikum ab 50 Jahren gibt es drei Reihen mit insgesamt zwölf bis 15 Terminen im Jahr. Dienstags ist die Reihe "Literatur a Jour" - da gibt es Vorträge zu literarischen Themen. Dreimal im Winter findet freitags die "Literaturauslese" statt. Ingeborg Semmelroth liest dann vor - am 10. November sind es Kurzgeschichten von Dieter Wellershoff. Die Veranstaltung beginnt immer um 17 Uhr. Gerade ältere Zuhörer möchten nicht so spät zu Hause sein. In den Sommerferien haben wir im Flügelsaal Krimilesungen. Es war rappelvoll in dieser Saison.

Sie möchten die Bücherei an der alten Adresse mit einem neuen Konzept zu einem Erlebnisort für ganz unterschiedliche Nutzer machen. Gibt es schon erste Ideen, wie sie das bewerkstelligen wollen?

Seuser Das Ganze ist ein Prozess, in den wir jetzt einsteigen. Wir möchten nicht schließen und versuchen den Umbau in Teilschritten zu machen. Wir träumen von einem flexiblen Veranstaltungsbereich, beispielsweise durch rollbare Regale. Ganz wichtig sind uns Arbeitsplätze, die sich akustisch abtrennen lassen. Und wir brauchen mehr PC-Arbeitsplätze, gerade für ältere Nutzer und besseres W-LAN. Die Beleuchtung muss geändert werden. Dunkler, aber gemütlich könnte das Motto lauten.

Dürfen die Langenfelder mitreden?

Seuser Ja. Lehrer und Erzieher sollen auf jeden Fall eingebunden sein. Vielleicht auch jemand aus der Zwar-Gruppe. Wir wollen im Januar mit der inhaltlichen Diskussion beginnen und das Ergebnis vielleicht schon im Mai der Politik vorstellen.

Quelle: RP
 
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