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Langenfeld
Bürgerhalle wird Flüchtlingsunterkunft

Langenfeld: Bürgerhalle wird Flüchtlingsunterkunft
FOTO: Ralph Matzerath
Langenfeld. In der Wiescheider Halle sollen bis zu 60 Asylbewerber unterkommen. Die Lage für den Vereinssport spitzt sich zu. Von Thomas Gutmann

Die Stadt Langenfeld wird möglicherweise noch in dieser Woche bis zu 60 Asylbewerber in der Bürgerhalle Wiescheid unterbringen. Damit ist die Halle für mehrere Vereine nicht mehr nutzbar, darunter die Sportgemeinschaft Langenfeld (SGL), die erst Anfang August nach Flüchtlings-Belegung der Grundschul-Turnhalle Parkstraße in die Bürgerhalle ausgewichen war. "Uns ist bewusst, dass dies einen massiven Einschnitt für die betroffenen Vereine bedeutet, aber angesichts der stetigen Zunahme der Asylbewerber in Langenfeld bleibt uns keine Wahl", sagte Bürgermeister Frank Schneider (CDU) gestern.

Nach Angaben des Verwaltungschefs werden Langenfeld derzeit wöchentlich 30 bis 50 Asylbewerber zugewiesen. Anders als bei den Flüchtlingen in den Erstaufnahme-Einrichtungen Parkstraße und KAG-Turnhalle Lindberghstraße werden diese Neuankömmlinge nicht nach zwei bis drei Wochen auf Kommunen in ganz Deutschland weiterverteilt, sondern bleiben in aller Regel als bereits registrierte Asylbewerber mindestens einige Monate in einer der bislang sechs hierzu vorgesehenen Unterkünfte. Laut Ordnungsamtschef Benzrath leben - zusätzlich zu den rund 140 Erstaufnahme-Flüchtlingen - inzwischen knapp 470 registrierte Asylbewerber in Langenfeld, Tendenz weiter steigend. "Ich schließe nicht aus, dass wir die von mir für das nächste Frühjahr prognostizierte 1000er-Marke schon in diesem Jahr erreichen", sagte Schneider.

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In der Wiescheider Bürgerhalle sollen vor allem Familien aus kriegsverheerten Ländern wie Syrien unterkommen. Dafür lässt die Stadt Sanitärcontainer errichten und drinnen Waschmaschinen und Herde anschließen. Da derzeit zwei weitere Asylbewerberunterkünfte entstehen - am Winkelsweg/Industriestraße für bis zu 180 Menschen und auf dem LVR-Klinikgelände für bis zu 90 -, hofft die Stadt, die Bürgerhalle Anfang kommenden Jahres wieder den Vereinen zur Verfügung stellen zu können.

Zumindest Manfred Noack vom Hallenbetreiberverein VUB aber ist da sehr skeptisch: "Wenn man sieht, wer da noch alles nach Deutschland will, glaube ich nicht, dass die Bürgerhalle im Januar wieder frei sein wird." Drei Veranstaltern hat Noack nach eigenem Bekunden bereits abgesagt, darunter ein Kindergarten (Weihnachtsfeier) und der Männerchor Frohsinn (Liedermatinee). Die Sänger müssen sich nun auch einen anderen Probenraum suchen. Ebenfalls auf der Kippe stehen dürfte der für den 29. Januar geplante jecke "Schwarze Freitag" der Wiescheider CDU. Am stärksten bringt die Umnutzung jedoch die SGL in die Bredouille. Langenfelds größtem Sportverein ist damit die Ausweichstätte für zehn Kurse abhanden gekommen (Tischtennis, Tanzen, Gymnastik etc.) - nach bereits drei regulären Sporthallen, die derzeit mit Flüchtlingen belegt sind. "Die neue Situation trifft uns sehr", bedauern Lars Kehren und Martin Bock vom Vereinsvorstand. "Mit Hochdruck" würden nun alternative Veranstaltungsorte gesucht. In den vergangenen Tagen blieb der SGL lediglich übrig, Tischtennisplatten und Turnmatten aus der Bürgerhalle abzutransportieren.

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Quelle: RP
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