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Langenfeld
"Chor ohne Grenzen" berührt Zuhörer

Langenfeld: "Chor ohne Grenzen" berührt Zuhörer
Mit Begeisterung singen Flüchtlinge gemeinsam mit Langenfeldern Lieder aus der alten und der neuen Heimat. FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. Im März gründete die Musikerin Susanne Wagner einen Flüchtlingschor. Die Fangemeinde wächst. Von Isabel Klaas

Es ist anrührend zu erleben, mit welcher Inbrunst junge Männer aus Syrien, Afghanistan, Iran und Irak zur Klavierbegleitung ein wehmütiges Lied über ihre Heimat singen. Der Unvorbelastete würde die Sänger, träfe er sie auf der Straße, eher im Fitnessstudio oder der Disco vermuten als im "Chor ohne Grenzen" im Gemeindezentrum an der Stettiner Straße. Doch für die jungen Menschen ist es ein Glück, dass es so jemanden wie Susanne Wagner gibt, eine Pianistin aus Langenfeld, die den Chor für Flüchtlinge und Einheimische am 1. März dieses Jahres ins Leben rief und nun alle zwei Wochen dienstags mit einer wachsenden Fangemeinde probt. "Ich wollte zuerst Sprachpate für Flüchtlinge werden", sagt Wagner, "dann habe ich mich entschlossen, das anzubieten, was ich am besten kann - Musik machen." Und das kann sie wirklich, nicht nur am Klavier, auch am Akkordeon, und als Sängerin hört sie sich ebenfalls gut an.

Rund 40 Menschen finden sich zu jeder Probe ein, überwiegend Flüchtlinge, viele sind jung und erst seit wenigen Monaten in Langenfeld. Immer mehr Deutsche stoßen dazu. Die sind oft im Rentenalter. Für den Chor spielt das keine Rolle. Für die Sänger sind die Treffs ein Lichtblick, eine Unterbrechung der Isolation, Hoffnung, Neubeginn, ein Schritt auf dem Weg in eine unbekannte Kultur und eine fremde Sprache. Manche sagen von sich, sie könnten eigentlich gar nicht singen. So wie Aimal aus Afghanistan, der Junge mit den guten Manieren, der sofort aufspringt, um Stühle aufzustellen, als ein älteres deutsches Ehepaar etwas verspätet zur Probe kommt. "Zusammen mit den anderen klappt das aber schon", sagt er. Aimal ist froh, mitmachen zu dürfen, um nicht so allein zu sein und ein bisschen Deutsch zu lernen. Er hat erst vor drei Wochen einen Sprachkurs begonnen. Muhamad (24) der kurdische Ingenieur, hat in sechs Monaten die deutsche Sprache schon erstaunlich gut im Griff. Er singt "Der Mond ist aufgegangen" von Mattihas Claudius und "Wunder gescheh'n" von Nena, als wäre er ein Deutscher. Bei einem persischen Liebeslied und einem arabischen Lied über die Heimat kann er den Deutschen mal etwas beibringen: seine Muttersprache. Und das macht er voller Elan. Zu Hause habe er oft zu kurdischer Volksmusik gesungen, erzählt er und ist ganz erwartungsfreudig: Denn heute hat ein Freund eine Saz mitgebracht, eine Art Laute aus seiner Heimat. "Wie wohl die Deutschen darauf reagieren werden?", fragt er sich.

Linda aus dem Libanon ist eine schöne junge Frau mit einem hinreißenden Lächeln. Seit zwei Wochen lernt sie Deutsch und radebrecht. "Ich singe zu Hause immer."

"Wir singen hier Überreligiöses", sagt Sven Schneider, Kantor der evangelischen Gemeinde Langenfeld, der den Chor von Susanne Wagner unterstützt. "Es ist meine Aufgabe, mit Menschen Musik zu machen. Und das nehme ich sehr ernst", sagt er und begleitet das Projekt von Susanne Schneider mit allem, was dazu gehört. Und das ist auch Grillen im Garten.

Quelle: RP
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