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Monheim
Chronik erinnert an Brauerei-Geschichte

Monheim: Chronik erinnert an Brauerei-Geschichte
Das Poltern der schweren Fässer hallte weithin über das Pflaster. Der Gerstensaft wurde in der Brauerei in Holzbehälter abgefüüllt. FOTO: Chronik
Monheim. 157 Jahre lang stand das Familienunternehmen für sieben Bierspezialitäten. Von Dirk Neubauer

Ein würziger Geruch lag Werktag für Werktag über der Stadt. Und das Poltern schwerer Holzfässer auf dem Pflaster hallte weithin durch die Gassen: Jahrzehntelang konnten die Anwohner ihre Monheimer Bierbrauerei nicht nur anhand des markanten Kühlturms sehen, sondern sie auch riechen und hören. 157 Jahre lang, vom 11. November 1847 bis Februar 2004, versorgte die Monheimer Brauerei Peters und Bambeck die Region mit Düssel Alt, Peters Kölsch, Kräusen Pils und vier weiteren Bierspezialitäten - darunter auch ein Hefeweizen. Dann fegten die Veränderungen am internationalen Biermarkt den Monheimer Mittelständler hinweg.

Klaus Peters, ein Sohn der Bierdynastie in sechster Generation, hat nun zwei Jahre lang sämtliche Informationen über die Monheimer Brauerei zusammengetragen und die Papiere geordnet. Ab sofort ist die Industriegeschichte der Alten Freiheit als Buch in kleiner Auflage erhältlich.

Als Herausgeber fungieren der Heimatbund Monheim und der Bergische Geschichtsverein Niederwupper, in dessen Schriftenreihe das Monheimer Bier-Brevier als 26. Band nun in einer Erstauflage von 1200 Bänden auf den Markt kommt. Da Klaus Peters die Familienschatulle mit alten Verzeichnissen und Urkunden, Fotografien und Plakaten geöffnet hat, ist der Weg dieser ganz besonderen Spezialitäten-Brauerei auf der Demarkationslinie zwischen Alt und Kölsch penibel nachgezeichnet. Von den ersten Brauversuchen der als Bauern lebenden Vorfahren über die Anfänge mit einer handvoll Kneipen als Absatzmärkte, bis hin zu einer hochmodernen Brau- und Abfüllfabrik, die einigen hundert Menschen Arbeit gab. Am Ende wurden die letzten 2000 Liter des tatsächlich in Monheim gebrauten Gerstensaftes beim Brunnenfest am Doll Eck im Februar 2004 bis zur Neige ausgetrunken.

Das 150. Firmenjubiläum hatte die Monheimer Brauerei nur sieben Jahre zuvor noch groß gefeiert - mit 15.000 Gäste und dem damaligen Wirtschaftsminister in Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Clement, der auf die so einmalige Brücke zwischen Köln und Düsseldorf nur allzu gern anstieß. Dabei war das Verhältnis der Brauerei zur nördlichen Landeshauptstadt nicht störungsfrei. "Dort wurde das Monheimer Alt arrogant belächelt", sagt Klaus Peters.

Während "Peters Brauhaus" in Köln noch heute eine feste Größe ist, blieb die gleichnamige Düsseldorfer Wirtschaft neben dem historischen Carsch-Haus hinter den Erwartungen zurück. Daran konnte auch der Zukauf der Hirsch-Brauerei nichts mehr ändern, die den Monheimern die Marken- und Vertriebsrechte am "Düssel-Alt" bescherte.

Für den heute 71 Jahre alten Klaus Peters war die Arbeit an der Firmen- und Familienhistorie zugleich eine Zeitreise durch das eigene Leben. Ursprünglich hatte der Vater ihm die Brauerei angeboten - unter der Bedingung, dass er eine Ausbildung zum Braumeister absolvieren sollte. Peters aber wollte Studieren und verzichtete. Er wurde Jurist. Später war das Brauereirecht sein Spezialfach.

"Am Ende waren wir als mittelständisches Unternehmen zu klein, um uns gegen die Konzentration am Biermarkt behaupten zu können", sagt der Autor rückblickend. Die Markenrechte der Monheimer Brauerei wurden 2004 an "Brau und Brunnen" verkauft, die vier Tage später von der Oetker-Gruppe geschluckt wurden. Der moderne Maschinenpark wurde nach und nach abgebaut und nach Weißrussland verkauft.

Im Jahr 2011, mit dem Abriss der Firmengebäude und der Sprengung des hohen Kamins, verschwanden die letzten äußeren Anzeichen dafür, dass früher in Monheim sieben Biersorten auf einen Streich gebraut wurden. Ein Straßenname, die tiefen Bierkeller unter Bormachers Festhalle und jetzt die Chronik erinnern daran, wie es einmal war, wenn es in Monheim wieder mal würzig roch.

Quelle: RP
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