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Monheim
CO-Pipeline: Darum tagt das Bayer-"Forum" im Geheimen

Monheim: CO-Pipeline: Darum tagt das Bayer-"Forum" im Geheimen
Vor sieben Jahren wurde die CO-Pipeline unter anderem in Langenfeld verlegt. FOTO: Matzerath, Ralph (rm-)
Monheim. Nach Langenfeld war jetzt Monheim Treffpunkt der Runde, die seit Juli 2013 zusammenkommt und von den Projektgegnern boykottiert wird. Von Thomas Gutmann

Es nennt sich "Forum zur CO-Pipeline" und ist das glatte Gegenteil davon. Statt Marktplatz wie im Alten Rom, statt für jeden zugänglich und Nachrichtenbörse, tagt das vor knapp einem Jahr gegründete Pipeline-"Forum" quasi im Geheimen. Sechsmal kamen die laut Veranstalter rund 30 Mitglieder (bzw. ein Teil davon) bisher zusammen. Zuletzt Anfang April in Langenfeld und vorgestern in Monheim.

Die IFOK GmbH mit Sitz im südhessischen Bensheim, die das "Forum" im Auftrag des Pipeline-Bauers Bayer MaterialScience veranstaltet, verschickt zwar vor und nach jeder Sitzung kurze Pressemitteilungen zum jeweiligen Gesprächsthema, doch Uhrzeit und einen genauen Tagungsort nennt sie nicht, geschweige denn, dass sie Journalisten zur Teilnahme einlüde. Spötter sprechen deshalb von "Geheimbund" und "PR-Desaster", weil das "Forum" - wie auch? - praktisch keine mediale Aufmerksamkeit erfährt.

Jochen Tscheulin dagegen spricht von einem "Schutzraum, der Offenheit und eine sachliche Diskussion ermöglicht". Und die Sache mit der PR stört ihn schon deshalb nicht, weil es "gar nicht um PR" gehe. Der Mann ist Geschäftsführer der IFOK GmbH und versteht sich vielmehr als "neutraler Dialoggestalter". "Wir werden gerufen, wenn fast alle Versuche einer Konfliktlösung in einer Sackgasse zu stecken scheinen", beschreibt Tscheulin das Geschäftsfeld seines Unternehmens, das nach eigenen Angaben Marktführer in der Vermittlungsbranche und ihr Erfinder ist. "Im Fall CO-Pipeline ist Bayer auf uns zugekommen", macht der studierte Politikwissenschaftler kein Hehl aus seinem Auftraggeber. "Wir erreichen hier niemandem mehr", lautete nach seinen Worten die Diagnose nach sieben Jahren Streit mit Kommunen, Bürgerinitiativen und nahezu sämtlichen Lokalpolitikern um die (Nicht-)Sicherheit einer 67 Kilometer langen Rohrleitung, die tödlich giftiges Kohlenmonoxid zwischen den Bayer-Werken Dormagen und Uerdingen transportieren soll.

"Vertraulichkeit" statt "Bühne", "Vermittlung" statt "PR" - so weit, so plausibel. An einem Mega-Manko aber ändern solche Argumente wenig: dass das "Forum" von maßgeblichen Gegnern der CO-Pipeline boykottiert wird. Bis auf Düsseldorf und Krefeld haben sämtliche betroffenen Städte eine Teilnahme abgelehnt (laut Tscheulin wegen des laufenden Gerichtsverfahrens; siehe Info-Box). Selbiges gilt für die Bürgerinitiativen. Statt dessen sitzen zum Beispiel Vertreter von Jusos und JU oder des Vereins "Zukunft durch Industrie" mit am Tisch. "Es ist aber durchaus so, dass wir auch Pipeline-Kritiker im Forum haben", versichert der IFOK-Chef und nennt als Beispiel eine Rettungsärztin.

Dennoch: Wozu das Ganze? "Wir kommen zu Ergebnissen, die über die CO-Pipeline hinausweisen", antwortet Tscheulin mit Blick auf die jüngste Sitzung in Monheim, in der vor allem Experten für die Behandlung von Kohlenmonoxid-Vergiftungen zu Wort gekommen seien. "Es besteht, ganz unabhängig von dem Leitungsprojekt, in NRW eine Unterversorgung mit Druckkammern", so das Ergebnis.

Und der Financier des "Forums"? Was hat Bayer davon? "Die haben in den letzten Monaten viel über Dialogführung gelernt - etwa dass man Angst vor tödlichen Unfällen nicht allein mit Sachargumenten begegnen kann", sagt der IFOK-Chef, der das "Forum" selbst moderiert.

Zudem dürften die Bayer-Verantwortlichen auf einen Effekt hoffen, der sich bei früheren Vermittlungseinsätzen von IFOK einstellte - so wie bei einem Straßenbahnprojekt in Mannheim, von dem Tscheulin berichtet: dass nämlich der Dialog, verbunden mit einer Verbesserung der Pläne, zu mehr Akzeptanz des Projekts in der Bevölkerung führt.

Für die Wortführer der Anti-Pipeline-Bewegung bleibt es indes dabei: Sie sehen das "Forum" als "Promotionsveranstaltung von Bayer", als "Feigenblatt", mit dem sich der Konzern als gesprächsbereit tarnen wolle, wie es Wolfgang Cüppers aus Erkrath formuliert. Dieter Donner aus Hilden sagt: "Die wollten uns mit der Einladung für das ,Forum' nur umarmen und Informationen von uns erhalten." Solange auf dieser Veranstaltung keine Entscheidungsträger anwesend seien, habe es für ihn und seine Mitstreiter keinen Sinn, dort Flagge zu zeigen: "Das machen wir lieber auf der Hauptversammlung von Bayer. Da haben wir den Vorstand vor uns."

Quelle: RP
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