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Langenfeld
Das ist die Geschichte der Wasserburg

Langenfeld: Das ist die Geschichte der Wasserburg
Annelies Rejek (vorne) und andere Mitglieder des Arbeitskreises stellten in der Wasserburg die neue Broschüre zur Geschichte von Haus Graven vor. FOTO: rm-
Langenfeld. Erstmals wird die Vergangenheit von Haus Graven in einer umfassenden Broschüre mit vielen Bildern dokumentiert. Von Stephan Meisel

Was für ein schlimmes Kindheitserlebnis in der Wasserburg Haus Graven: Zehn Jahre alt war Konrad Gumprecht von Velbrück (1624-1672), als er und seine Schwester Gisela dort als einzige aus der Besitzerfamilie das Pestjahr 1634 überlebten. "Seine Eltern und acht seiner Geschwister wurden von der Pest hinweggerafft", sagt Volkshochschulchefin Juliane Kreutzmann. Der Werdegang des Knaben, der später eine militärische und diplomatische Karriere am Hofe der Pfalzgrafen von Berg hinlegte, nimmt ein Kapitel in der ersten umfassenden Broschüre zur Geschichte von Haus Graven ein, die ab sofort erhältlich ist.

Seit 2010 beschäftigt sich im Förderverein der Wasserburg ein Arbeitskreis von ehrenamtlichen Geschichtsforschern mit der Vergangenheit von Haus Graven, dessen Anfänge vermutlich im 13. Jahrhundert liegen und das nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg bis 1656 in der heutigen Form ohne Herrenhaus neu errichtet wurde. Mit der 74 Seiten starken Broschüre schließt der Arbeitskreis eine Lücke. "Haus Graven kommt zwar immer wieder mal in Publikationen vor, aber so eine umfassende Darstellung gab es bislang noch nicht", merkte der Fördervereinsvorsitzende Lothar Marienhagen bei der Präsentation des Werkes an.

Die Eröffnung des Ausstellungsraums im Turmzimmer der Wasserburg mit vielen geschichtlichen Schaustücken, Bildern und Informationstafeln war 2014 das erste sichtbare Ergebnis der engagierten Forschungen. Die mit vielen historischen Fotos und Urkunden bebilderte Broschüre ist das zweite greifbare Resultat. Und drittens wird auch ein Faltblatt mit chronologischer Zeittafel immer wieder präzisiert und auf den neuesten Forschungsstand gebracht.

Die pensionierte Lehrerin und Heimathistorikerin Annelies Rejek beschäftigt sich bereits seit langem mit Haus Graven sowie der ums Jahr 1000 nahe der heutigen Schwanenmühle angelegten Motte (eine aus Holz und Erde errichtete Burg zum Schutz vor Überfällen). Die von Rejek in den Arbeitskreis eingebrachten Kenntnisse und Vorarbeiten waren nach Kreutzmanns Worten "die Grundlage und das Gerüst für unsere weitergehenden Forschungen der letzten Jahre". Dank einer Genehmigung durch den Grafen von Mirbach seien dabei die Bestände des Archivs Mirbach-Harff genutzt und für Forschungszwecke zur Geschichte von Haus Graven erschlossen worden. In der Broschüre und in der Ausstellung werden Kreutzmann zufolge einige dieser Dokumente zum ersten Mal veröffentlicht. "Dazu zählen zum Beispiel der Erbteilungsvertrag von 1608 und das Weistum des Hofgerichts auf Haus Graven." Optische Glanzstücke sind kunstvoll gestaltete farbige "Aufschwörungstafeln" mit Adelsnachweisen der Familien von Bottlenberg, Velbrück und Mirbach.

"An der Geschichte von Haus Graven lassen sich viele globale Entwicklungen der Vergangenheit ablesen", betont Rejek. Dreißigjähriger Krieg, Adelsverflechtungen, Pest, Landwirtschaft und vieles mehr. Viele historische Fotos aus Archiven und aus Familienalben privater Leihgeber dokumentieren das Leben der Bewohner von Haus Graven. Interessant sind etwa so genannte Quittungsbücher, in denen die Pachtzahlungen durch die Burgherren beziehungsweise ihre Verwalter festgehalten wurden. Drei davon - auch erstmals veröffentlicht - finden sich in der Broschüre.

Da die Bürgerstiftung der Stadt-Sparkasse die Druckkosten zur Hälfte übernimmt, ist die Broschüre für 5 Euro erhältlich; in Haus Graven, im Rathaus-Bürgerbüro und in der Bücherecke Markett.

Quelle: RP
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