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Heimat erleben in Langenfeld
Der Geschichten-Erzähler

Heimat erleben in Langenfeld: Der Geschichten-Erzähler
Manfred Stuckmann bietet seit mehr als 20 Jahren Stadtführungen an. Sein Bildband auf Platt soll in den nächsten Wochen erscheinen. FOTO: Ralph Matzerath
Langenfeld. Manfred Stuckmann unterhält seit 20 Jahren bei seinen Stadttouren mit Dönekes über Originale. Von Isabel Klaas

Wenn einer in Langenfeld Heimat-Experte ist, dann ist es Manfred Stuckmann. Er ist der Weiterträger und der Bewahrer von Tradition, Geschichte und Geschichten. Als Stadtführer erzählt er seit 20 Jahren Dönekes von alten Langenfeldern, zeigt, wo sie gelebt und Spuren hinterlassen haben. Seine Zeitreise konzentriert sich auf die 1950er, 60er und 70er Jahre, die der 76-Jährige selbst erlebt hat, führt mitunter aber auch bis ins Preußenreich zurück. "Ich wundere mich selbst, dass die Leute so einen Appetit auf diese Histörchen haben", sagt Stuckmann. "Ur-Langenfelder genau so wie Neubürger. Die Alten kommen, um vergessene Geschichten wieder zu erinnern, die Jungen, weil sie an der Vergangenheit ihrer neuen Heimat interessiert sind."

Nun ist Stuckmann keiner, der auf seinen Stadttouren trockene Geschichtszahlen wiederkäut, die sich ohnehin keiner merken kann. Er vermittelt den Zeitgeist von damals über die Menschen, die hier lebten, ihren Witz, ihre Schlitzohrigkeit. "Da steckt oft so viel Lebensweisheit drin", sagt er. "Im Vergleich dazu wirken die Leute heute manchmal so oberflächlich auf mich."

Auf den Verzällcher-Touren, die offiziell wieder im April starten (auf Bestellung aber auch außer der Reihe stattfinden), kann man sicher sein: Es gibt mehr als einmal was zu lachen. Denn auch Stuckmann ist ein Original, der seinen Verzällcher den richtigen Esprit verleiht. Eine kleine Kostprobe seiner Geschichten über "Schneiders Adolf", der ein Fahrradgeschäft in Langenfeld hatte: Er fuhr immer pfeifend mit dem Rad in den Straßenbahnschienen. Als der Schaffner ihn ermahnte, "kannst Du nicht mal ausweichen", konterte Schneider: "Ich schon. Du aber nicht." Auch denen im alten Rathaus soll er's damals ordentlich gezeigt haben. Folgendes ist überliefert: Das Skelett eines Regenschirms ohne Bespannung hatte Schneider mit Lumpen behängt. Mit diesem merkwürdigen Objekt lief er vor dem Rathaus auf und ab und posaunte hinaus: "Alles Lumpen, alles Lumpen hier!" Als ein Mitarbeiter ihn erbost aufforderte, das Rathaus nicht zu beleidigen, erklärte er, man könne ein Gebäude nicht beleidigen, allenfalls die Menschen darin. Die seien aber nun wirklich nicht gemeint. Er beziehe sich nur auf die Stofffetzen an seinem Schirm. Mit diesem Auftritt rächte er sich für eine versagte Baugenehmigung.

An solchen und ähnlichen Geschichten mangelt es dem ehemaligen Karnevalsprinzen, Verfasser von sieben Drehbüchern für Heimat-Theaterstücke und zahlreichen Gedichten auf Platt nicht. Der immense Fundus des Manfred Stuckmann geht vor allem auf einen Stammtisch in den 1970er Jahren zurück, bei dem alte Langenfelder sich trafen und erzählten. "Da habe ich schon mit 30 dabei gesessen und mir das angehört", sagt er. Natürlich weiß der Stadtführer auch echte Geschichte zu erzählen: zum Beispiel, wo der Straßenname Weißenstein herkommt und welche alten Bauten modernen Platz machen mussten. Und immer kommen noch neue Geschichten und Erkenntnisse hinzu. "Wer nicht weiß, wo er herkommt, weiß auch nicht, wo er hin will", sagt Stuckmann. Er weiß das offenbar ganz genau.

Seine Stadttouren mit dem Untertitel "Wenn Steine erzählen könnten" werden auch im nächsten Jahr fortgesetzt. Sie dauern eineinhalb Stunden. Bis 2016 will er auch das "hochherrschaftliche Maison Stuckmann" an der Hauptstraße 85 neben dem ehemaligen Knaben-Internat und heutigem Freiherr-vom-Stein-Haus wieder in den Zustand von 1823 zurückversetzt haben.

Quelle: RP
 
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