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Langenfeld
Der Rhein ist unsere Spielwiese

Langenfeld. Nicht nur Frachtkähne auch Motorboote, Segler oder Ruderer nutzen den Fluss. Drei Hobby-Kapitäne erzählen, was den Reiz ausmacht. Von Joris Hielscher

Mit 865 Kilometer ist er der längste Fluss Deutschlands und der meistbefahrene - rund 400 Schiffe verkehren täglich zwischen Rotterdam und Duisburg. Und dort liegt auch der größte Binnenhafen Europas. Diese Rekorde kennt fast jedes Kind. Eher unbekannt ist dagegen, dass der Rhein auch in sportlicher Hinsicht für Superlative gut ist: Die Rheinwoche, bei der jedes Jahr an Pfingsten Segler gegeneinander antreten, ist die älteste und längste Flussregatta Europas. Mehrere der größten Rudervereine Deutschlands liegen entlang des Stroms. Insgesamt zählt der Rhein zu den beliebtesten Wassersportgewässern in ganz Deutschland.

Doch warum ist die stark befahrene Wasserstraße so beliebt bei Sportlern und Hobby-Kapitänen? Und was macht den besonderen Reiz des Rheins aus? Wir haben einen Ruderer, einen Segler und zwei Motorbootbesitzer gefragt.

Rudern

Wenn einem jemand was über das Rudern auf dem Rhein erzählen kann, dann ist es Michael Stoffels. Schon seit mehr als 43 Jahren rudert der 58-jährige Neusser auf dem Fluss. Mit 15 Jahren trat er in den Neusser Ruderverein ein, in dem schon sein Vater Mitglied war. Auch seine Brüder sind dort als Trainer aktiv. "Wir sind eine Ruder-Familie."

Der Neusser Ruderverein gehört zu den mitgliederstärksten Rudervereinen in Deutschland. In NRW hat nur der Kölner Ruderverein mehr Mitglieder. "Rudern auf dem Rhein hat eine lange Tradition, und so befinden sich viele große Rudervereine entlang des Flusses", erklärt Stoffels, der sich auch im Deutschen Ruderverband engagiert. "Es gibt keinen Fluss in Deutschland, auf dem so viel gerudert wird."

"Der Rhein ist so beliebt, weil er so unglaublich abwechslungsreich ist", erklärt der 58-Jährige. Landschaften würden sich mit Industrieanlagen und Städten abwechseln. Zudem verändert er je nach Wasserstand sein Gesicht. Da er an großen Ballungszentren liegt, ist für viele Menschen schnell zu erreichen.

Dabei wird der Rhein allein von Hobbysportlern genutzt. Ruderer, die an Meisterschaften teilnehmen, trainieren nicht auf dem Fluss. "Die schmaleren Rennboote sind nicht für den Rhein geeignet", erklärt Stoffels.

"Auch im Winter fahren wir, und das Wetter wird am Bootshaus gemacht", sagt Stoffels. Was er damit meint: Gerudert werden kann bei fast jedem Wetter, nur bei Nebel, Sturm oder Dunkelheit ist es zu gefährlich. Die großen Frachter müssen die Ruderer sehen können.

Auf vielen Flüssen in Europa hat Stoffels schon Touren gemacht. Am schönsten findet er es aber am Rhein, genauer gesagt am Mittelrhein zwischen Bingen und Koblenz. "Burgen, Weinberge, Städte und eine starke Strömung - landschaftlich interessant und anspruchsvoll."

Segeln

Voller Begeisterung zeigt Hans-Dieter Intven seine Luibu. Das über über neun Meter lange Segelschiff hat er in Holland gebraucht gekauft und es dieses Jahr vom Ijsselmeer in seinen Heimathafen in Leverkusen-Hitdorf gefahren. "Zwei Wochen war ich unterwegs, rund ein Drittel der Strecke konnte ich segeln", erzählt der 55-Jährige. Den Rest legte er mit Dieselmotorkraft zurück.

Segeln gelernt hat der Leverkusener, der schon sein ganzes Leben im Stadtteil Hitdorf nicht weit vom Rhein wohnt, in der Schule. Seit 1978 besitzt er ein eigenes Segelboot, zum Yacht-Club Leverkusen-Hitdorf hat er es nicht weit. "Ich kann einfach losfahren, wann ich will". erzählt Intven. Er war schon auf der Nordsee und dem Mittelmeer unterwegs, der Rhein ist aber seine Hausstrecke und sorgt auch für sein jährliches Segel-Highlight: die Rheinwoche.

Die 1922 gegründete Rheinwoche ist die älteste und längste Flussregatta Europas. Um die 160 Kilometer, verteilt auf fünf Etappen, legen die Seegler zurück, es geht immer flussabwärts. Die vergangenen Male haben rund 130 Segelboote teilgenommen, vom kleinen Einer-Boot bis hin zur 13-Meter-Yacht, die von mindestens drei Besatzungsmitgliedern gefahren wird. Organisiert wird die Rheinwoche von Segler- und Yachtclubs entlang des Flusses, der Streckenverlauf ändert sich jedes Jahr.

Seit Hans-Dieter Intven ein eigenes Boot hat, ist er jedes Mal mitgefahren. "Es ist toll, mit so vielen Booten auf dem Rhein zu fahren. Segler kommen extra aus Dänemark, den Niederlanden oder aus Bayern", erklärt der Leverkusener die Faszination der Flussregatta.

Mit dem Motorboot

Angefangen hat es mit einem Schlauchboot mit Außenbordmotor im Kroatien-Urlaub. "Da ist der Virus übergesprungen", erzählt Gerry Huber (49). Zusammen mit seiner Frau Kirsten (51) kaufte er damals das Boot, seitdem begeistern sie sich für Motorsport. Anstatt eines Schlauchboots hat das Ehepaar aus Dinslaken mittlerweile ein Zehn-Meter-Boot im Yacht-Club Wesel liegen, mit Kajüte mit zwei Schlafräumen und Warmwasse. Zwei große Dieselmotoren können den sogenannten Gleiter auf bis zu 60 Stundenkilometer beschleunigen. Gut, dass es keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf dem Rhein gibt.

"Ich muss immer aus der Fahrrinne herauskommen können", erklärt Huber. Die Berufsschifffahrt habe immer Vorrang, die vielen Frachtschiffe machen den Rhein zu einem anspruchsvollen Revier. Daher sei es wichtig, sich auf die Technik verlassen zu können. Zudem haben die beiden einen Funkführerschein gemacht. "Wir können mit jedem Berufsschiffer sprechen", sagt er.

Von Wesel aus fahren sie gerne zum Flürener Altrhein. Mit den kleinen Buchten, wo man baden könne, sei das wie Urlaub. Längere Touren führen sie in die Niederlande, dem Mekka für Wassersport. Denn dort sind viele Flüsse, Kanäle und Seen auch für Motorboote freigegeben.

Quelle: RP
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