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Langenfeld
Der schmale Grat zwischen fröhlich und fies

Urteile: Was an Karneval erlaubt ist
Urteile: Was an Karneval erlaubt ist FOTO: Miserius, Uwe
Langenfeld. Im Karneval ist das Lachen erlaubt. Aber nicht das Begrabschen. Mehr als 90 Prozent der Täter sind Verwandte und Bekannte. Von Dirk Neubauer

Die Silvesternacht hat sich in das Bewusstsein eingegraben und bestimmt fortan die Handlungen von Polizei und Verwaltung. So plant der Chef des Ordnungsamts, Christian Benzrath, die Einsatzleitung des Karnevalsumzugs mit Dolmetschern arabischer Sprachen zu erweitern. Zum einen sollen die Einsatzkräfte sofort verstehen, wenn sich selbst ernannte Ordnungshüter gegen Flüchtlinge wenden. Zum anderen sollen alle Übergriffe sofort unterbunden werden.

Auch bei Sag's, der Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche, die sexuelle Gewalt erleben, gilt die Karnevalszeit als arbeitsreich. Regelmäßig steigt die Zahl der Ratsuchenden. Denn Täter nutzen den rheinischen Frohsinn als Deckmantel für Übergriffe. Den Unterschied zwischen öffentlicher Diskussion und alltäglicher Arbeit in der Beratungsstelle stellt eine Mitarbeiterin so dar: "Die weit überwiegende Zahl der Täter kommt aus dem Familien- und Bekanntenkreis. Nur in sechs Prozent aller Übergriffe sind die Täter den Kindern und Jugendlichen völlig unbekannt."

Dass sich junge Mädchen im Karneval aufreizend kleiden und schminken, kennen die Beraterinnen von "Sag's" als scheinbare Erklärungen für Grabschereien und ebenso zudringliche wie peinliche Bützchen-Attacken ebenfalls zu genüge und lassen das nicht gelten: "Es bleibt immer der Erwachsene verantwortlich für seine Taten; manche Männer versuchen den Eindruck zu erwecken, sie würden nur ihren Trieben folgen. Sowas ist Quatsch." Sollte es zu einem Übergriff gekommen sein, sollten Erwachsene die Schilderungen ihrer Kinder ernst nehmen und sofort handeln. Im ersten Schock haben übrigens schon viele Eltern den Fehler begangen, ihren Kindern, Vorhaltungen zu machen: "Kein Wunder, wie Du aussiehst..." oder "Haben wir Dir doch gesagt, dass Du da nicht hinsollst..." helfen niemanden - zerstören aber die Vertrauensbasis.

Der Hinweis auf "die Armlänge Abstand" ist für Kölns Oberbürgermeisterin Reker zum Bumerang geworden. "Frauenarme sind kürzer als Männerarme", sagt die Sag's-Beraterin als Hinweis darauf, dass Frauen und Mädchen in unserer Gesellschaft sehr häufig das Subjekt von Belästigungen durch Worte und Taten sind: "Medien und Werbung suggerieren Bilder der ständigen Verfügbarkeit."

Konkrete Tipps für den Karneval:

- Am besten in einer Gruppe losziehen - und auch zusammen bleiben und aufeinander aufpassen.

- K.O.-Tropfen: keine Gläser mit unbekanntem Inhalt von anderen annehmen, auf das eigene Glas immer aufpassen.

- Auf das eigene Bauchgefühl vertrauen und notfalls sofort laut werden, um Umstehende auf sich aufmerksam machen.

- Drogen wie zum Beispiel Alkohol, wenn überhaupt, nur in Maßen trinken.

Quelle: RP
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