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Langenfeld
"Deutsch lernen ist meine große Reise"

Langenfeld. Der nigerianische Deutschlehrer Folorunso Odidiomo lebt in Langenfelder Gastfamilie während einer Fortbildung. Von Kathrin Bochnia

"Deutsche Sprache als Fremdsprache sehe ich wie eine Reise. Man fährt los und entdeckt viele, neue Sachen: Leute, Länder, Kultur." Auf seiner Reise hat der Nigerianer Folorunso Odidiomo (43) jetzt Langenfeld kennengelernt. Im Anschluss an eine Fortbildung wohnt der Deutschlehrer für zwei Wochen in Langenfeld bei Familie Wenke. So lernt er den deutschen Alltag noch besser kennen. "Markus ist mein Deutschlehrer hier", berichtet der Nigerianer.

Familienvater Markus Wenke (48) korrigiert seinen Gast auch gerne mal, denn Odidiomo möchte ja etwas lernen. Wenke, austauscherfahren, beschreibt den Alltag mit Odidiomo als "sehr angenehm. Unser Gast nimmt an allem Teil und ist sehr interessiert. Er erzählt aber auch gerne von sich. Das finden wir sehr spannend!"

Wenn Odidiomo von seiner Heimat erzählt, berichtet er von Bananen und Orangen, die in den Gärten wachsen und von den Unterschieden zu Deutschland. Dazu gehört natürlich "das Essen, das Essen, das Essen", so Odidiomo. "Wir sind extra in einen Ghanashop nach Düsseldorf gefahren, um die Gewürze für Folorunsos-Soße zu kaufen." In seiner Heimat Ile-Ife hat er 2013 zusammen mit seiner Frau das Deutsche Haus Nigeria gegründet. Dort lehrt er mit drei weiteren Lehrern die deutsche Sprache. Aber auch die deutsche Kultur und Literatur werden vermittelt. Deutsch werde nämlich immer wichtiger in Nigeria. Mittlerweile "gibt es rund 50 deutsche Unternehmen", berichtet Odidiomo. "Im Deutschen Haus lernen aktuell 60 Menschen Deutsch. Sowohl Kinder, als auch Erwachsene." Wenn er zurück ist, wird er den Schülern etliche Fotos zeigen. Denn davon hat er schon viele gemacht. "Bilder sprechen eben mehr als Worte."

Auf seinen Ausflügen hat er zum Beispiel schon den Kölner Dom und das Haus der Geschichte in Bonn fotografiert. Dort war er entweder zusammen mit der Austauschorganisation Experiment und dem Goethe-Institut, selbstständig, mit Familie Wenke.

Sein Lieblingsausflug bisher war der nach Schloss Burg in Solingen. Dabei ist er auch mit dem Sessellift gefahren, was er als sehr aufregend empfunden hat. Außerdem konnte er eine bergische Waffel probieren. Am besten finde er Bratwurst-Brötchen. "Die gehen einfach immer." Skurril ist für Odidiomo allerdings, dass "Bier immer geht" und "unterwegs auf der Hand zum Beispiel ein Eis" gegessen wird. "In Nigeria wartet man, bis man zuhause ist."

Trotzdem findet er den deutschen Lebensstil großartig. "Ich beobachte gerne, wie sich junge und alte Menschen treffen und miteinander lachen. Es sind alle zusammen." Das hat er zum Beispiel auf dem Marktplatz bemerkt. Langenfeld sei für ihn eine "tolle Stadt. Sehr sicher und sauber. Man kann gut alles mit dem Fahrrad erreichen. Eine gemütliche Stadt, die ich wieder besuchen möchte", kündigt der 43-Jährige seinen nächsten Besuch an.

Die Stadt ist jedoch nicht seine erste Station in Deutschland. Er studierte bereits zwei Jahre Deutsch in Jena. Zwischendurch hat er sogar ein Jahr als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Afrikanistik in Bayreuth gearbeitet. "Ohne meine Gasteltern zu Studienzeiten wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin."

Seine aktuelle Reise habe ihn verändert, denn "man kommt nie zurück, wie man gefahren ist." Deutschlehrer zu sein, sei sein Traumberuf. Durch seine Arbeit im Deutschen Haus fördere er die "interkulturelle Zusammenarbeit und das Verständnis", was für ihn sehr wichtig ist. "Wie Goethe schon sagte, sind wir alle Weltbürger."

Quelle: RP
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