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Die Biotonne bleibt ein Reizthema

Mobile Redaktion: Die Biotonne bleibt ein Reizthema
Referatsleiter Gerhard Lindner (2.v.r.) und BUND-Ortschef Karl Wilhelm Bergfeld (2.v.l.) diskutierten unter anderem mit (v.l.) Gerhard Berrenberg, Marc Roesle und RP-Lokalchef Stephan Meisel über die Biotonne. FOTO: Ralph Matzerath
Langenfeld. Vor der Stadtgalerie diskutierten an Stehtischen der Rheinischen Post Fachleute, Bürger und Redakteure über die Biotonne. Von Thomas Gutmann und Stephan Meisel

langenfeld Andreas Permin zuckt mit den Schultern. "Ich wüsste nicht, wie ich eine Biotonne voll bekommen sollte. Unsere Kinder sind aus dem Haus, wir sind nur noch zu zweit, gekochte Speisereste dürfen nicht reingeworfen werden und für Grünschnitt gibt es die beiden Annahmestellen. Für die paar Kartoffelschalen lohnt sich die Abfuhr eines zusätzlichen Behälters nicht." Mit dieser Argumentationskette steht der Langenfelder bei der gestrigen Mobilen Redaktion der Rheinischen Post nicht allein. Doch dass die braune Tonne irgendwann kommen wird, scheint festzustehen.

An den RP-Stehtischen vor der Stadtgalerie macht sich vor allem Karl Wilhelm Bergfeld für deren Einführung stark. "Langenfeld ist die einzige Stadt im Kreis Mettmann, die noch kein Holsystem für Bioabfälle hat", sagt der Orts-Chef des Naturschutzbunds BUND in der Diskussionsrunde. Einen Antrag des BUND, dies spätestens zum 1. Januar 2016 zu ändern, hatte der Stadtrat vor zwei Wochen mit den Stimmen von CDU und BGL abgelehnt.

Der im Rathaus für die Organisation der Müllentsorgung zuständige Referatsleiter Gerhard Lindner verweist auf die großen Bio-Container an den Annahmestellen Hansa- und Industriestraße. "Dieses Bringsystem funktioniert und wir erfüllen damit die seit Jahresbeginn geltenden Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, dass Bioabfälle getrennt zu sammeln sind." Zudem sei in Langenfeld die Zahl von 2800 Grundstücken, auf denen Bio- und Grünabfälle kompostiert werden, vergleichsweise hoch.

"Auch ich kompostiere selber seit über 25 Jahren", wirft Gerhard Berrenberg ein. Doch habe nicht jeder Langenfelder einen Garten mit Komposter, so dass er eine kleine Biotonne befürworte. Gerda Wagner graut es davor, zu den zwei Tonnen für Papier und Restmüll eine weitere für Bioabfall vor ihr Reihenhaus zu stellen. "Mittelfristig werden es sogar vier solcher Behälter vor jedem Haus sein", entgegnet Referatsleiter Lindner, weil in wenigen Jahren statt des gelben Sacks für Verpackungen eine Wertstofftonne für Kunststoffe und Kleinelektrogeräte eingeführt werde.

Waltraud Till sagt: "Für eine Bananenschale pro Tag brauche ich keine Biotonne." Theoretisch könnte sie diese zwar mit gemähtem Gras aus ihrem Garten füllen, doch den bringe sie lieber selbst zur Annahmestelle und spare sich dafür eine zusätzliche Mülltonne auf ihrem Grundstück und die Gebühren dafür. Ähnlich sieht es Hildegard Schneider, Eigentümerin eines Acht-Familien-Hauses: "Wir haben jetzt schon mehr Container vor dem Haus, als mir lieb ist. Und auf Ungeziefer kann ich erst recht verzichten." Hans-Rainer Brand fände die Biotonne unpraktikabel: "Wie oft soll die denn geleert werden? Bei meinem großen Garten zum Beispiel fällt doch viel mehr Grünschnitt an als bei anderen."

Dr. Beate Barabasch, Ratsfrau der Grünen: "Gerade Bewohner von Mehrfamilienhäusern haben praktisch keine Wahl, als den Biomüll in die Restmülltonne zu tun, denn in ihren Haushalten fällt viel zu wenig davon an, als dass es sich für sie lohnen würde, ihn zu einer Annahmestelle zu bringen." Auch die alternde Gesellschaft sei ein Argument für ein bequemeres Holsystem.

Dirk Heinrichs von der Arbeitsgruppe Abfallwirtschaft im Rathaus hat Bedenken gegen die Biotonne: "Das bestehende Bring-System funktioniert. Es gibt keinen Handlungsbedarf, da der Landesabfallwirtschaftsplan mit den Bio-Müll-Vorgaben noch gar nicht beschlossen ist." Für die Erzeugung von Biomethangas durch Vergärung von Essensresten fehle in der Region das System mit Vergärungsanlage.

Quelle: RP
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