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Analyse
Die CDU sucht ihren Landtagskandidaten

Analyse: Die CDU sucht ihren Landtagskandidaten
FOTO: Matzerath Ralph
Langenfeld/Monheim. Heute beginnen die Vorstellungsrunden der Südkreis-CDU. Für die Kandidatur in Wahlkreis 36 gibt es vier Bewerber. Zwei kommen aus Langenfeld und je einer aus Monheim und Hilden. Von Thomas Gutmann

Vier Bewerber, drei Vorstellabende, ein Kandidat. Darum geht es ab heute in der CDU im Südkreis Mettmann. Ziemlich genau acht Monate vor der Landtagswahl am 14. Mai beginnt offiziell das Rennen um die CDU-Kandidatur in Wahlkreis 36. Im Monheimer "Pfannenhof", Turmstraße 2, findet ab 19 Uhr der erste Vorstellabend statt, der zweite folgt morgen im Flügelsaal des Langenfelder Kulturzentrums (Hauptstraße 133, 19 Uhr), der dritte am Donnerstag, 13. Oktober, in Hilden.

Darüber entschieden, wer den Wahlkreis 36 für die CDU zuückerobern soll, wird am Donnerstag, 27. Oktober. Dieser Nominierungsparteitag ist nicht zufällig in der Langenfelder Stadthalle. Denn die Langenfelder CDU hat mit 580 Mitgliedern etwas mehr als der Stadtverband Monheim und die CDU Hilden-Süd zusammen. Würde die Langenfelder CDU also einen - "ihren" - Bewerber ins Rennen schicken und die überwiegende Mehrheit ihrer Mitglieder stünde hinter dem Kandidaten, dann wäre die Sache ziemlich klar. Ist sie aber nicht.

Denn aus Langenfeld gehen gleich zwei Christdemokraten ins Rennen - ohne dass sie d i e Kandidaten ihres Stadtverbands wären. Im Gegenteil: Die Langenfelder CDU-Chefin Barbara Aßmann macht kein Hehl aus ihren Sympathien für die einzige Frau im Bewerberquartett, Claudia Schlottmann aus Hilden. Für nicht unwahrscheinlich halten es deshalb manche Insider, dass im Falle einer Stichwahl am 27. Oktober kein Langenfelder Kandidat mehr dabei ist. Eine solches Duell käme zustande, wenn keiner der Bewerber im ersten Wahlgang die absolute Stimmenmehrheit erhielte. Andere Christdemokraten halten Prognosen für Kaffesatzleserei: "Entscheidend wird sein, wie die Kandidaten am 27. Oktober bei den anwesenden Mitgliedern ankommen", heißt es. Da es sich um eine Urwahl handele, seien Überraschungen eher möglich als bei einer Abstimmung unter Delegierten. Und das sind die (bisher) vier Bewerber:

Sebastian Köpp (30) aus Langenfeld hat im Frühjahr seinen Masterabschluss in Politikwissenschaft gemacht und arbeitet seit Juli beim Flughafen Köln/Bonn (Abteilung Politik und Regierungsbeziehungen). Viele Parteifreunde empfehlen ihm deshalb, sich erst einmal beruflich zu etablieren, anstatt gleich die Politik zum Beruf zu machen nach dem Motto "Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal". Die Chancen des Ratsherrn, CDU-Stadtverbandsvizevorsitzenden und Chefs der Kreis-JU dürften am 27. Oktober deshalb eher bescheiden sein. Doch seine Planungen sind ohnehin langfristiger Natur. Und den langen Atem, den man für solide Politik braucht, hat der Hobby-Taucher.

Claudia Schlottmann (54) aus Hilden hat offiziell gleich zwei CDU-Vereinigungen hinter sich: ihren eigenen Stadtverband und die Frauen-Union. Deren Kandidatinnen sind allerdings bei den Urwahlen in Nordkreis und in Mitte abgeschmiert. Möglicherweise ist dies sogar ein Vorteil für Schlottmann, weil sich der eine oder andere Christdemokrat sagen wird: Wenigstens eine Landtagskandidatin im Kreis ME sollte es schon sein. Die zweifache Mutter ist Geschäftsführerin der CDU-Fraktion im Hildener Stadtrat und Vorsitzende des Ausschusses für Schule und Sport. In der Schulpolitik werfen Schlottmann und ihre parteiinternen Mitbewerber der rot-grünen Regierung in Düsseldorf große Versäumnisse vor: Der Unterrichtsausfall in NRW sei "katastrophal" hoch, bemängelt die Hildenerin.

Peter Werner (51) aus Monheim trat vor gut zwei Jahrzehnten "wegen Günter Bosbach" in die CDU ein. Die Talkshow-Größe aus Bergisch-Gladbach hält bekanntlich diejenigen Bürgerlich-Konservativen bei der Stange, die trotz elf Jahren Kanzlerin Merkel noch nicht zu den Nichtwählern oder der AfD geflüchtet sind. Bei Merkel-Getreuen gilt Bosbach dagegen als Nervensäge. Deshalb sagt Werner vorsorglich: "Ich schätze offene Worte, bin aber selbst nicht so extrovertiert wie er und mehr Teamplayer." Seit 2004 sitzt der dreifache Vater im Stadtrat, seit 2014 überdies im Kreistag. Beruflich ist Werner Partner der Rechtsanwaltskanzlei SWN - zusammen unter anderem mit Rainer Schlottmann, dem Ehemann von Claudia.

Hans-Dieter Clauser (66) aus Langenfeld war als Ingenieur und Unternehmer erfolgreich (Betoninfusionen), ehe er in die Politik ging. 2005 nahm er dem damals starken Mann der Monheimer SPD, Werner Bischoff, das Landtags-Direktmandat ab - verlor es aber 2012 überraschend an Jens Geyer (SPD Monheim). Der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung Langenfeld hat sich auch nach dieser Wahlschlappe für die jährliche Berufsorientierungsbörse Bob in der Stadthalle eingesetzt. Wirtschaftspolitik ist auch landespolitisch sein Steckenpferd. Clauser sieht sich als den richtigen Mann, um gegen wachstumshemmende "Regulierungswut" im Lande anzugehen.

Quelle: RP
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