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RP-Serie Wir Rhein-Preußen (5)
Die kleine Marienburg steht in Monheim

RP-Serie Wir Rhein-Preußen (5): Die kleine Marienburg steht in Monheim
Die 135 Jahre alte Monheimer Marienburg ist von einem öffentlich zugänglichen Park umgeben. Das Grundstück befindet sich am Rande der Innenstadt an der Einmündung Hofstraße/Heerweg. FOTO: Ralph Matzerath
Langenfeld. Eugen von Kesseler ließ 1879/80 einen Backsteinbau errichten, der an die Marienburg des Deutschen Ordens in Westpreußen erinnert. Von Dirk Neubauer

MONHEIM Die rote Backsteinfassade, der treppenförmige Giebel, der Aussichtspunkt über dem Eingang, von dem aus an klaren Tagen der Blick bis zum Kölner Dom oder weit hin ins Bergische Land schweift: Die Marienburg beeindruckt noch heute alle Besucher. Mit dem 1,7 Hektar großen Parkgelände drumherum trotzt sie den Zeitläufen und erinnert an Preußens Einfluss im Rheinland. Denn als Eugen von Kesseler die Marienburg 1879/80 durch den Kölner Architekten August Carl Lange und zahlreiche Arbeiter und Bauern aus dem nahen Dorf Monheim errichten ließ, gab er dem Urheber der Baupläne einen klaren Auftrag: Der neue Familiensitz sollte an die gleichnamige Burg des Deutschen Ordens in Westpreußen erinnern. Dieses Band hat durch Kriege und Jahrhunderte hindurch gehalten: Malbork ist heute Partnerstadt von Monheim.

Die Monheimer Marienburg war als Stammsitz einer stattlichen Familie angelegt. Eugen und Franziska von Kesseler zogen immerhin 13 Kinder groß. Er besaß das größte Bauerngut weit und breit - den Großen Hof, heute an der Hofstraße gelegen. Zugleich amtierte Eugen von Kesseler als Königlich Preußischer Landgerichtsrat in Köln. Er vertrat den Wahlkreis Bonn-Rheinbach im Preußischen Abgeordnetenhaus (1870-74 und 1882-85), war Mitbegründer der konservativen Zentrums-Partei und von 1871 bis 1884 Reichstagsabgeordneter.

Ein vielbeschäftigter, vielfacher Familienvater - mit dem großen Wunsch, sich einen Rückzugsraum zu schaffen. Dazu denken wir uns das Rheinland Mitte des 19. Jahrhundert. Monheim war viel kleiner als heute. Zum Großen Hof gingen die Tagelöhner aus der heutigen Altstadt über die Felder. "Gleich nebenan bauen wir uns eine Sommerresidenz für die gesamte Familie", verkündete der Gutsherr, "nichts großes, mehr etwas zum Erholen."

Den Neid der Mitbürger wollte von Kesseler gar nicht erst aufkommen lassen und stapelte bewusst ein wenig tief. Allerdings berichteten die Arbeiter, in der Marienburg gäbe es in allen Zimmern Schränke, die in die Wände eingebaut seien. Und Klosetts, in denen fließendes Wasser nach jeder Sitzung für Sauberkeit und Frische sorgten. Eine einfache Ferienhütte sah auch damals schon anders aus. Die Marienburg kostete ihren Erbauer 75 000 Reichsmark.

Im Zweiten Weltkrieg befand sich oben auf dem Turm der Marienburg eine Flakstellung. Bei den Kämpfen im Februar 1945 wurde die Turmhaube weggeschossen. Der heutige Eigentümer, Paul Vogel, ließ den Turm restaurieren und in den alten Zustand zurückversetzen. Bis 1982 war die Marienburg in Familienhand. Dann starb die letzte Nachfahrin des Königlich Preußischen Landgerichtsrats, Elisabeth von Kesseler.

Knapp zwei Jahre später machte der Landsitz eher pikante Schlagzeilen in der Boulevardpresse. "Heidi und Jürgen" nutzten das preußische Gemäuer zur "Superparty"; womit allerdings kein ländliches Tanzvergnügen gemeint war. Die beiden Burgpächter betrieben einen Swingerclub, als der Partnertausch noch gar nicht so hieß. Aber im Monheimer Rathaus waren die Beamten schon damals pfiffig. Als sie bemerkten, dass zu den Gelagen Alkohol ausgeschenkt wurde, war eben das der Hebel, den schlüpfrigen Betrieb (Schlagzeile: "Das Monheimer Lustschloss") zu schließen. "Heidi und Jürgen" hatten es versäumt, sich um eine Schanklizenz zu bemühen. Die Marienburg blieb in Privatbesitz; den Park ringsherum kaufte die Stadt Monheim im Zusammenhang mit der dezentralen Landesgartenschau Euroga 2002 plus, stellte ihn wieder her und machte ihn öffentlich zugänglich. An den Bauherren und seine Familie erinnert eine Gedenkstätte im Park. Der heutige Pächter Alexander Zimmer führt die Marienburg als Tagungshaus für Unternehmen aus der Umgebung und Eventstätte. Derzeit entsteht ein moderner Anbau mit 20 hochwertigen Gästezimmern. Im ehemaligen Kutscherhaus residiert eine Grillakademie.

Quelle: RP
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