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Langenfeld
Die letzten Frei-Schwimmer

Langenfeld: Die letzten Frei-Schwimmer
Zogen gestern zum letzten Mal im Jahr 2015 ihre Bahnen im Langforter Freibad: (v.l.) Anne Graw-Lipfert, Edith Fenske, Peter Schlarb und Waltraud Osing. FOTO: gut
Langenfeld. Ein Winterfreibad - unbezahlbar, aber schön wär's. Das war Konsens gestern, beim Langforter "Freiluft-Abschwimmen" 2015. Von Thomas Gutmann

Im Springerbecken ist das Wasser trübe, Flatterband versperrt den Weg zum Nichtschwimmerbecken. Doch Abschiedsstimmung fühlt sich anders an, so hell lacht die Sonne über dem Langenfelder Freibad. Ein frühherbstlicher Morgen wie aus dem Bilderbuch. "Schade, dass heute Schluss ist, ich könnte glatt den Winter durchschwimmen", sagt Waltraud Osing (69), während sie sich mit den Armen auf den Rand des Schwimmerbeckens stützt. Sie sagt es lächelnd. Jeden zweiten Morgen 30 Bahnen unterm Himmel - das ist wie ein Jungbrunnen für die Monheimerin.

Viereinhalb Monate dauerte die Freibadzeit 2015 in Langfort, gestern um 11 Uhr pfiff Bademeisterin Christel Schreiber die Saison ab, ehe sie selbst die letzte Runde drehte. Den größten Andrang, mehr als 4000 Besucher, gab es am 4. Juli. An jenem tropisch heißen Samstag drängelten sich Klein und Groß wie die Hindus beim Seelenbad im Ganges. Wie viele insgesamt kamen, hat die SGL, die das Bad im Auftrag der Stadt betreibt, noch nicht zusammengezählt. "Gefühlt war es aber ein gutes Freibad-Jahr, besser als die vorangegangenen", sagt SGL-Sprecherin Kristin Erven-Hoppe.

Die Öffnung des Freibads bis Ende September ist ein Geschenk an die Frühschwimmer. "Ein Sommerbad, das so lange geöffnet hat, finden Sie nirgends weit und breit", sagt Bademeisterin Schreiber. Auch Ganzjahres-Freibäder gibt es kaum noch. "Ich bin damals im Winter im Leverkusener CD-Bad geschwommen", erinnert sich Edith Fenske (60), eine der letzten "Frei-Schwimmerinnen" an diesem Mittwochmorgen in Langfort. In Dormagen gibt es die Rarität des Winterbetriebs noch. "Dort nutzen sie industrielle Abwärme, um das Wasser warmzuhalten", weiß Schreiber.

Bis zu 50 Frühschwimmer hat die SGL an einzelnen Vormittag auch in der zweiten Septemberhälfte noch gezählt. Sie nehmen zum Teil erstaunlich lange Wege in Kauf, um in Langfort ihre Bahnen zu ziehen. Klaus Pfeifer (78) etwa kommt viermal pro Woche aus Köln, Angelika Wittenberg (54) regelmäßig aus Opladen, obwohl sie das dortige Freibad fast vor der Haustür hat. Sie alle sind angetan vom "freundlichen Personal" (Wittenberg), den "angenehmen 24 Grad Wassertemperatur" (Pfeifer) und der großzügigen Anlage. "Das ist wie im Urlaub hier, nur ohne Quallen", schwärmt der sonnengebräunte, weißhaarige Peter Schlarb (77), der seit Mai fast täglich von Monheim hergeradelt ist.

Die Frühschwimmer sind sich einig: Wäre das Freibad nur geöffnet, sie wären auch im Winter dabei. "Na klar käme ich", sagt die Langforterin Anne Graw-Lipfert (65), "ich habe schon in Gebirgsseen gebadet". Freibadfreuden bei Schnee und Eis - ein Gedankenspiel, nicht mehr, dessen ist sich die Runde aber bewusst. "Das wäre unbezahlbar", bestätigt Bernd Münten, Technikchef des Stadtbads. Schon an den letzten Vormittagen, mit Tiefsttemperaturen von vielleicht 6 Grad, sei die Heizungsanlage im Keller mindestens stündlich angesprungen, um die 24 Grad Wassertemperatur für die 2000 Kubikmeter im Becken zu halten. "Dafür wird jedes Mal soviel Energie verbraucht wie für ein Einfamilienhaus im ganzen Jahr", beendet Münten alle Träume.

Quelle: RP
 
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