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Kreis Mettmann
Die neue Barbie hat mehr Speck

Kreis Mettmann: Die neue Barbie hat mehr Speck
In der Ratinger Barbie-Sammlung gibt es auch Exemplare mit Lokalkolorit. Hier präsentiert Bettina Dorfmann ihre Tanzmariechen - plus Ken als Gardist. FOTO: Blazy, Achim (abz)
Kreis Mettmann. In diesem Monat gibt es Nachschub fürs Ratinger Puppenmuseum. Die Barbies werden etwas fülliger. Von Gabriele Hannen

In Kürze werden neue Barbie-Puppen in den Regalen stehen. Im Laufe des Jahres sollen sie in dann sieben Haut-, 22 Augenfarben und 24 Frisuren zu kaufen sein. Und, vor allem: in verschiedenen Figuren, klein, groß und kurvig. Nun muss man sich letztere nicht etwa pummelig vorstellen - hat sie doch nur etwas mehr Plastikspeck auf den Hüften.

Das Ganze klingt wie der späte Sieg der Holzspielzeug-Fraktion einer 68er Mütter-Generation: Das waren immerhin die Frauen, die dem jahrzehntelang gehegten Einheits-Tussi-Look der dürren Puppe Paroli geboten und sie in denselben Umweltsündenpfuhl gesteckt hatten, in dem sie auch Fischstäbchen und rosa Synthetikpullis verachteten. Oft sehr zum Leid ihrer Töchter.

Denn in kaum einem herkömmlichen Spielzeug sahen die sich damals so ganz anders als ihre Mütter, und mit kaum einem Spielzeug konnte man so tüchtig zuschlagen wie mit Barbies. Deren zusammengequetschte schmale Unterschenkel lagen zu gut in der kleinen Hand eines zornigen Kindes.

In Ratingen, und zwar im Spielzeugmuseum, gibt es eine ordentliche Barbiesammlung, die im Wechsel mit anderen Sammlungen immer wieder aufgebaut wird. Mit der Ansprechpartnerin im Puppen- und Spielzeugverein, Bettina Dorfmann, gibt es auch noch eine ausgemachte Kennerin dieser Puppen. Sie steht Besuchern Rede und Antwort, sie hat in ihrem Düsseldorfer Heim eine Sammlung von 15.00 Barbiepuppen und deren diversen Kleidungsstücken und Accessoires. An ihr ist auch nicht die Merkel-Barbie mit schwarz-rot-goldenen Manschetten vorüber gegangen.

Das Management des Herstellers Mattel, der die Puppen seit 1959 erst für den US-amerikanischen, seit 1964 auch für den deutschen Markt produziert, verkündet jetzt, vor dem Wechsel des Puppen-Aussehens: "Wir haben die Verantwortung gegenüber Mädchen und Eltern, eine weitere Sichtweise auf Schönheit widerzuspielen". Doch auch diese Plastikgrazien werden nicht grundsätzlich aus Liebe zum Kind hergestellt, sondern, weil damit Geld verdient werden soll. Dabei hatte es jedoch in den vergangenen Jahren Einbrüche gegeben.

Die erste Barbie war einer tagtäglich zu sehenden Comiczeichnung (Lilli) eines deutschen Boulevardblattes nachempfunden, hatte jahrelang Pferdeschwanz, Highheel-Füße und Maße, die, auf einen menschlichen Körper umgerechnet, bei etwa 99 - 46 - 84 Zentimeter lagen und einen baldigen Tod nicht ausschlossen. Die "frühe" Barbie trug dezente Garderobe für die elegante Dame. Als damit die Umsatzzahlen stagnierten, folgte Kleidung nach dem Massengeschmack; Schnitte wurden verspielter, Farben kräftiger. Barbie bekam wallende blonde Mähne, breites Grinsen, üppiges Dekolleté und knappe Miniröckchen. Sie besuchte sie keine Vernissagen und Tennisplätze mehr, sondern widmete sich populären Sportarten. Und irgendwie ist auch mal ein ganz aktuelles Funkenmariechen dazu gekommen. Bettina Dorfmann hat es.

Quelle: RP
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