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Langenfeld
Die Stadt hat jetzt eigene Dienstschafe

Langenfeld: Die Stadt  hat jetzt eigene Dienstschafe
"Die Schwarze ist die Chefin der Truppe": Kanalmeister Ingo Reiners inmitten seiner neuen vierbeinigen Kollegen am Regenrückhaltebecken in Richrath. FOTO: Matzerrath
Langenfeld. 20 Heidschnucken grasen 23 Regenrückhaltewiesen ab - die ersten Tiere in städtischen Diensten seit Pensionierung der Pferde von Müllabfuhr und Feuerwehr. Von Thomas Gutmann

Sie sind genügsam, brauchen bloß Kost und Logis und kennen keinen Feierabend. Hätte der Personalrat ein Wörtchen mitzureden gehabt, wäre es wohl kaum zu ihrer Einstellung gekommen. Doch Shaun, Shirley und ihre 18 Artgenossen verderben als Vierbeiner nicht die Preise ihrer zweibeinigen Kollegen bei der Stadt Langenfeld. Höchstens die von externen Gärtnern: "Ohne die Schafe", sagt Tiefbauamtsleiter Franz Frank, "müssten wir 45.000 Euro mehr für die Pflege unserer 23 Regenrückhaltebecken ausgeben".

Seit Montag grasen die Heidschnucken auf dem Gelände hinter der Hundepension an der Hildener Straße in Richrath. Ingo Reiners, Meister beim städtischen Kanalbetrieb, schließt das Gittertor zu dem Areal mit dem Vorklärbecken auf. Ein paar Meter weiter steht ein Stall. Dessen Bewohner sind offenbar hellhörig geworden - Schafe mit gelber Dienstnummer-Marke im Ohr, die nun nach und nach aus ihrer Behausung zockeln.

Reiners nennt den weißlackierten Schüttgut-Container mit dem Holzaufbau "Arche". Und tatsächlich: Der Schuppen in Stahlwanne hat etwas von Noahs Hausboot. Allerdings ohne den alttestamentarischen Ansprüchen an die Artenvielfalt zu genügen: Zumindest was Wirbeltiere angeht, sind die Schafe unter sich.

"Die Arche haben unsere ,Schafwarte' Lars Hutmacher und Henri Thiele selbst zusammengezimmert", erzählt Reiners. Die beiden jungen Kollegen waren es auch, die ihre Vorgesetzten vom Kauf der Heidschnucken vor drei Monaten überzeugten. 2000 Euro hat der Kämmerer für die 20 Wollviecher hingeblättert. "Hinzu kommen etwa 3000 Euro jährliche Nebenkosten für Tierarzt, Winterfutter et cetera", sagt Amtsleiter Frank.

Im Vergleich zu den 50.000 Euro Gärtnerkosten, die sonst anfielen, war die Sache also geritzt. Doch die Stadt Langenfeld kann sich ja nicht, wie manch ein gedankenloser "Tierfreund", Vierbeiner anschaffen und diese dann bei nächstbester Gelegenheit am Straßenrand festbinden. "Deshalb musste die Anschaffung schon gut überlegt sein", sagt Frank. Nach jetzigem Stand war sie's: Hutmacher und Thiele kümmern sich nach Beobachtung von Reiners mit viel Herzblut um die Tiere: "Die beiden Kollegen sind bauernhofnah aufgewachsen. Das merkt man. Auch in ihrer Freizeit sind sie oft bei den Heidschnucken."

Da kommt ein größeres schwarzes Schaf auf den 51-Jährigen zugeschluppt. "Das ist die Chefin der Truppe", sagt Reiners. Ein lautes "Mäh" der Chefin scheint das zu bestätigen. Die anderen grasen inzwischen, ein Junges sucht die Zitzen seiner Mutter. "Nächsten Dienstag dürften sie hier durch sein", schätzt Reiners. Heißt: Die etwa fußballfeldgroße, tiefergelegte Regenrückhalte-Wiese mit dem Schilf und den lila blühenden Pflanzen ist dann abgegrast. Dann werden die nährstoffbetriebenen Rasenmäher in der Arche an ihren nächsten Einsatzort transportiert, die Schwanenmühle in Wiescheid.

"An ihrer letzten Station, Am Solperts Garten in Berghausen, waren die Leute richtig traurig, dass die Schafe weiterziehen mussten", berichtet Reiners. Im nächsten Frühjahr sind sie wieder dort. Nach dem Einsatzplan kommt jedes Regenrückhaltebecken zweimal jährlich an die Reihe.

Dann allerdings werden die Heidschnucken in veränderter Besetzung zum Dienst antreten. "Weil die jungen Böcke demnächst geschlechtsreif sind, müssen wir sie von den anderen trennen", erklärt Reiners. Denn viel mehr als 20 Stadtschafe sollen's nicht werden, und Inzucht will schon gar niemand. Die Böcke kommen zum Teil auf den Transfermarkt - irgendein Schäfer wird schon Interesse an den Stürmern und Drängern haben.

Und die Wolle? Werden daraus Dienstpullover für städtische Außendienstler gestrickt? "Vielleicht", antwortet der Kanalmeister augenzwinkernd. Wahrscheinlicher sei aber eine Abgabe an Interessierte - "Kindergärten zum Beispiel". Auf jeden Fall setzt die Stadt auch hier auf ihre bewährte Personalentwicklung nach der Devise "Intern vor extern". Die beiden Schafwarte sollen noch eine Schulung bekommen, sagt Amtsleiter Frank: "Dann können sie die Schafe bald selber scheren."

Quelle: RP
 
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