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Langenfeld
Die Suche nach dem verlorenen Schatz

Langenfeld: Die Suche nach dem verlorenen Schatz
Brigitte H. (in der roten Jacke) schaut konzentriert in die Vitrinen. Doch der Schmuck ihrer betagten Mutter ist nicht dabei. FOTO: Andreas Endermann
Langenfeld. In großen Vitrinen zeigt die Polizei bis heute rund 800 Beutestücke, die sie unter anderem bei der Zerschlagung einer Einbrecherbande gefunden hatte. Ein Angebot an Suchende, die häufig mehr als nur ein Schmuckstück vermissen. Von Jörg Janssen

Schnellen Schrittes läuft Irene P. von Vitrine zu Vitrine, wirft einen kurzen Blick auf Ringe, Uhren und Ketten. Sie will es hinter sich bringen. So wie die Tat, die ihr Leben veränderte. Doch die läuft ihr bis heute nach. Damals wurde sie überfallen, in ihrer Benrather Wohnung. Vor dem Fernsehen eingenickt war sie, als die Täter kamen. Einer hatte eine Sturmhaube auf, sagte ein paar Worte, in welcher Sprache, daran kann sich das Opfer später nicht erinnern. Bewusstlos wurde sie geschlagen, musste in die Uni-Klinik, bis heute geht sie zu einem Therapeuten. Pech hat sie gehabt. Meist kommen die Kriminellen, wenn niemand im Haus ist. Meist. Bei ihr, da war es eben anders. Ausgerechnet. Die Beute der brutalen Täter: 70 Euro Bargeld und Schmuck "im Wert von ungefähr 2000 Euro". "Meinen Trauring, den hätte ich wirklich gerne wieder", sagt sie. Fündig wird sie nicht. Ein gutes Gefühl hat sie trotzdem. "Weil ich einfach nichts unversucht lasse."

Bis 21 Uhr hielt die Düsseldorfer Polizei jetzt ihre Kantine für jene offen, die darauf hoffen, gestohlene Schätze wiederzufinden. "Die größte Ausstellung dieser Art seit 20 Jahren", sagt Michael Detscher vom Raubkommissariat. Allein in der ersten halben Stunde kommen rund 30 Menschen, die meisten aus Düsseldorf, ein paar aus Neuss, Meerbusch und dem Kreis Mettmann. Mehr als 800 Beutestücke haben die Beamten zusammengetragen. Die meisten stammen aus zwei erfolgreichen Ermittlungsverfahren.

Vor Vitrine IX steht Brigitte H. (61) aus Oberkassel. Ihre bis heute traumatisierte 90-jährige Mutter wurde Opfer zweier dreister Räuber. Denen öffnete sie die Tür, weil sie Verwandte oder Nachbarn erwartete. Nur einen Spalt weit. Als sie die fremden Gesichter sah, war es schon zu spät. Die Täter stießen die Frau mit Gewalt zurück, rannten direkt in ihr Schlafzimmer. Auf 20.000 bis 30.000 Euro schätzt die Tochter den Schaden. Von der Versicherung gab es nichts. Nur Raub sei versichert, dieser Überfall, eine Art Trickdiebstahl, aber nicht, habe man der Mutter mitgeteilt. "Heute sind wir schlauer", sagt die Oberkasselerin. Ihre Hoffnung, wenigstens das Gliederarmband aus Massivgold zu finden, erfüllt sich nicht. "Daran hängt eine kleine, mit Edelsteinen besetzte Weltkugel. Ich hätte es sofort wiedererkannt", sagt sie, als sie diese Schmuckausstellung der ganz besonderen Art verlässt.

Auch Polizeipräsident Norbert Wesseler schaut kurz vorbei. Er wisse, dass die Aufklärungsquote unter dem liege, was sich die Opfer wünschen würden, sagt er. Die Zahlen in den Bereichen Raub und Diebstahl seien nun mal "sehr hoch". Bürgern rät er, sich zu informieren, bevor etwas passiert. "Eine Garantie gibt es nicht, aber je schwieriger es für Täter ist, an Diebesgut zu kommen, desto höher die Chance, dass sie es gar nicht erst versuchen." Am heutigen Samstag ist die Ausstellung von 10 bis 14 Uhr noch einmal geöffnet: im Düsseldorfer Polizeipräsidium am Jürgensplatz 5-7. Auch im Internet wird das Diebesgut unter www.polizei.nrw.de/duesseldorf/artikel__13273.html gezeigt. Wer etwas entdeckt, muss einen Identifizierungsbogen ausfüllen. Es folgt eine genaue Überprüfung der gemachten Angaben.

Die Kripo in Köln hat ebenfalls Bilder von sichergestellten Beutestücken ins Internet gestellt. Die im Dezember festgenommenen Einbrecher (21, 40, 43) könnten auch im Kreis Mettmann aktiv gewesen sein. Fotos der Gegenstände finden sich unter www.polizei.nrw.de/koeln/artikel__12884.html.

Quelle: RP
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