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Monheim
Die Wächter am Rhein

Monheim. Die DLRG Monheim ist ein eingespieltes Team. Die Mitglieder trotzen den Tücken des Rheins, um Leben zu retten. Von Jeanette Wölfling

Das Hitdorfer Hafenbecken liegt verlassen da. Eine idyllische Ruhe liegt über dem kleinen Stück Rheinufer. Vor Leverkusen und Monheim plätschert das Wasser ungestört vor sich hin, bunte Bojen tanzen im Takt der Wellen auf und ab und lediglich eine Schwanenfamilie zieht ihre Kreise zwischen den geankerten Booten.

Doch der erste Eindruck trügt. An manchen Tagen geht es hier anders zu - und wer sich aufs Wasser begibt, muss sich der möglichen Risiken bewusst sein. Weil sich Menschen immer wieder in Gefahr begeben und dann auf schnelle Hilfe angewiesen sind, hat die DLRG Monheim das Rettungsboot "Ingeborg" in diesem Sportboothafen angelegt. Die ältere Bootsdame wartet dort Tag für Tag auf ihren Einsatz. Über 20 Jahre ist sie alt - eigentlich schon eine Bootsrentnerin. Doch sie leistet der DLRG treue Dienste. "An gut besuchten Tagen sind wir vier Mal eine Stunde lang unterwegs und fahren die Strecke zwischen Hitdorf und Zons mehrmals ab", erklärt Götz Barkey, Geschäftsführer der DLRG in Monheim.

Gemeinsam mit seiner Tochter Jana und weiteren ehrenamtlichen DLRG-Mitgliedern macht er das Rettungsboot seeklar und nimmt die RP mit an Bord. Die Knoten der Bootstaue werden gelöst, die Achterleine wird eingeholt, die drei Fender an Bord gezogen - jeder weiß, was zu tun ist und packt mit an. Wenige Handgriffe später steuert Barkey das Rettungsboot auf den Rhein hinaus. "Ingeborg hat 130 PS, festhalten!", rät Jana. Der Motor heult auf und augenblicklich peitscht der Wind mit voller Kraft in das Gesicht. Die Rettungswesten sind fest um die Brust gezurrt, Wasser stäubt auf und dringt vor bis in die untersten Kleidungslagen.

"Wir haben das ganze Jahr über Bereitschaftsdienst. Bei einem Notfall sind wir bei Wind und Wetter einsatzbereit und fahren raus", sagt Barkey. An solchen Tagen muss es schnell gehen. Wenn ein Notruf die Rettungsschwimmer erreicht, dann zählt jede Minute. Erst in der vergangenen Woche rückte die DLRG zum Großeinsatz mit Feuerwehrleuten mehrerer Städte aus - ein 85-Jähriger war bei einem Paddelausflug gekentert und von der Strömung erfasst worden. Er wurde bewusstlos geborgen, starb wenig später im Krankenhaus. Florian Droß war bei diesem Einsatz dabei. "Die psychische Belastung ist in solchen Momenten natürlich sehr hoch", sagt der gerade mal 21-Jährige, während wir übers Wasser schippern. Trotz solcher Erlebnisse sind die Mitglieder der DLRG mit Leib und Seele bei ihrer Arbeit dabei und lassen sich nicht unterkriegen. Training gehört dazu, und so probt die Besatzung des DLRG-Rettungsbootes den Ernstfall: Daniel Müller zieht einen jungen Mann aus dem Wasser, Christopher Bär hält derweil am Steuer das Boot stabil.

"Wir sind wie eine große Familie". sagt Öffentlichkeitsarbeiterin Angelika Barkey (24) nach unserer Rückkehr an Land. "Der Rhein ist nicht die geeignete Möglichkeit, sich im Sommer abzukühlen oder schwimmen zu gehen." Die vielen Unfälle in den vergangenen Wochen zeigen, wie gefährlich der längste Fluss Deutschlands sein kann. Die DLRG Monheim bietet neben Wasserrettungsdienst eine Schwimmausbildung für Kinder und Jugendliche an, schult auch Rettungsschwimmer, Bootsführer und Rettungstaucher. Der Unterhalt der DLRG-Wachstation in der Aue kostet jährlich rund 15 000 Euro. "Ohne Spenden und vor allem ehrenamtliche Mitarbeiter und deren Vereinsbeitrag könnten wir unsere Arbeit nicht bezahlen", sagt der Ortsvereinsvorsitzende Jan Lohrum.

Noch bis Oktober ist die Wachstation der DLRG In der Aue samstags, sonn- und feiertags besetzt. Bei Notfällen ist die DLRG jederzeit einsatzbereit.

Quelle: RP
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