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Thomas Antkowiak
"Die Welt ist ein gemeinsames Haus"

Langenfeld. Das katholische Hilfswerk Misereor sammelt für die Menschen in Brasilien. Die Kollekte ist am morgigen Sonntag.

Langenfeld/Monheim Seit 58 Jahren sammelt das katholische Hilfswerk Misereor speziell in der Fastenzeit, diesmal am morgigen Sonntag, 13. März, Geld für seine weltweiten Projekte. Fast drei Milliarden Euro Spenden und mehr als 103.000 Projekte in knapp 60 Jahren zeugen von der Bedeutung dieser besonderen Form der Entwicklungshilfe. In Langenfeld wohnt Thomas Antkowiak (60), einer der Geschäftsführer des Hilfswerks.

Was unterscheidet Misereor von anderen Hilfsprojekten?

Antkowiak Misereor ist ein kirchliches Hilfswerk, das weltweit agiert. Wir kennen über die kirchlichen Strukturen die Situationen vor Ort. Dabei praktizieren wir das Partnerprinzip, fördern lokale Ideen und Eigeninitiativen, Stichwort: Nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe. Der Beginn von Misereor in der Nachkriegszeit war auch vom Gedankengut Kardinal Frings geprägt, der dafür warb, nach der erfahrenen Unterstützung zum Wiederaufbau Deutschlands Menschen zu helfen, denen es schlechter ging. Es gibt seit Jahren Maßnahmen, in die auch erhebliche staatliche Entwicklungshilfemittel fließen. So konnten bislang Projekte mit einem Gesamtvolumen von 6,6 Milliarden Euro gefördert werden. Ökumenisch arbeiten wir mit dem evangelischen Werk "Brot für die Welt" zusammen.

Welchen Schwerpunkt hat die Aktion 2016?

Antkowiak 2016 steht Brasilien im Mittelpunkt. Das Motto "Das Recht ströme wie Wasser" (Amos 5.24) zeigt, dass es nicht nur um finanzielle Hilfen geht. Diesmal stehen die Rechte der Menschen im Amazonas-Gebiet ebenfalls im Focus. Neu ist in der diesjährigen Fastenaktion die gemeinsame Trägerschaft der Aktion mit Brasilien. Das reicht bis zu gemeinsamen Liedern und Gebetstexten. Beeinflusst sind diese Ideen auch durch die Enzyklika "Laudato Si" von Papst Franziskus, wonach wir die Welt stärker als gemeinsames Haus sehen müssen.

Wie entwickelten sich in vielen Jahren die Einnahmen?

Antkowiak Die generelle Spendenbereitschaft ist immer noch hoch. Es zeigen sich bei allen Hilfsorganisationen Schwankungen, ausgelöst beispielsweise durch Naturkatastrophen wie den Tsunami oder das Erdbeben in Haiti. Bei der alljährlichen Misereor-Kollekte in allen Gottesdiensten hinterlässt die geringere Zahl der Kirchenbesucher ihre Spuren. Misereor ist jedoch ein Ganzjahresprojekt, für das immer wieder Sammelaktionen gestartet werden. Interessant ist, dass die Zahl der Spender abnimmt, aber die Spendensummen steigen. Auch die staatlichen Mittel, die wir aus dem Entwicklungsministerium erhalten, steigen kontinuierlich, 2015 waren es ungefähr 122 Millionen Euro.

Wie wird die Verwendung der Spenden kontrolliert?

Antkowiak Es beginnt mit klaren Bewilligungsverfahren, gestaffelt nach Projektgröße. Maßnahmen werden nur nach Fortschritt ratenweise finanziert. Es gibt verschiedene interne und externe Kontrollmechanismen und letztendlich alljährlich das "Spendensiegel". Bei der Verwendung staatlicher Mittel kommt auch noch die Prüfung durch das Ministerium und den Bundesrechnungshof dazu. Trotz des damit verbundenen Aufwands u.a. für Bewilligungen und notwendige Kontrolle liegt der Anteil für Werbe- und Verwaltungsausgaben bei Misereor mit 5,7 Prozent (DZI 2014) der Gesamtausgaben.

Wie reagieren die Staaten, in denen Misereor hilft?

Antkowiak Unterschiedlich. Unsere und die Leistung unserer Partner wird meist gewürdigt, anderenorts wird unsere Hilfe als ein Beleg für Missstände wahrgenommen, was auch politisch-kritische Diskussionen auslösen kann.

Haben Sie als "Schreibtischtäter" eigene Einblicke in die Arbeit vor Ort?

Antkowiak Ich versuche, einmal jährlich selbst Projekte und Partner zu besuchen. Es hilft mir bei der täglichen Arbeit, die kulturellen Besonderheiten vor Ort und unsere Partner unmittelbar zu erleben. Das steigert die Sensibilität, motiviert und schärft den Blick.

MARTIN MÖNIKES STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
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