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Monheim
Diese Legionäre können auch mit Kindern

Monheim. Die "Classis Augusta Germanica", die jetzt vor Bürgel lagerte, mag's wahrhaft römisch, lässt aber auch Ausnahmen zu. Von Monika Suski

Es gibt ein lautes, metallenes Geräusch, während der Hammer erneut auf den Ambos schnellt und dabei das Stück Eisen formt, das dazwischen liegt. Neugierig schaut Luca dem Schmied über die Schulter. Am liebsten würde er selber mit anfassen. Den Hammer bekommt der Zehnjährige nicht, das wäre zu gefährlich. Aber er darf das Feuer, das das Rohmaterial formbar macht, mit zwei Blasebälgen anfeuern und dem Schmied damit zuarbeiten. Als Belohnung bekommt er die viereckige Pfeilspitze, die entstanden ist. Eine Pfeilspitze, wie sie auch die alten Römer schon hergestellt und benutzt haben könnten.

Neben der Schmiedekunst, gab es jetzt für die Besucher der Römergruppe "Classis Augusta Germanica" noch viel mehr zu entdecken. Auf der Wiese neben dem ehemaligen Römerkastell hatten die Mitglieder ihr Zeltlager aufgeschlagen und stellten ihr jeweiliges Handwerk zur Schau.

"Wir sind eine Interessengemeinschaft, die sich vor zwölf Jahren gegründet hat", sagt René Keuth, Mitbegründer und "Centurio" der Gruppe. "Jeder von uns hat sein eigenes Projekt, an dem er arbeitet. Der eine interessiert sich mehr für die Medizin von damals, der andere fürs Kochen, Färben oder für Waffen." Mit insgesamt 20 Mitgliedern lassen sich da alle Bereich des zivilen und des militärischen Alltags gut abdecken. Besonders wichtig ist allen, die Themen geschichtlich anzugehen. "Wir recherchieren viel und arbeiten auch eng mit der Uni Köln zusammen", erklärt Keuth. Denn Authentizität wird großgeschrieben, egal ob bei Möbeln, Kleidung oder handwerklichen Techniken. Bei den extrem warmen Temperaturen darf es aber auch mal eine kleine Ausnahme geben. "Viele von uns tragen heute Caligae, die römischen Militär-Sandalen", sagt der Centurio. "Zu der Zeit der antiken Classis Augusta Germanica gab es diese nicht mehr." Die Römer hatten sich nämlich im Laufe der Zeit den Germanen angepasst.

Unüblich für damalige Verhältnisse sind auch die Frauen und Kinder, die der heutigen Römergruppe angehören. Denn damals waren die Legionäre streng vom übrigen Dorf getrennt. "Wir verfolgen da einen familienfreundlichen Ansatz, und können den Besuchern dadurch mehr zeigen als nur das Leben der Legionäre", sagt Keuth.

Die Vielfalt kommt gut bei den Besucher an, die bei den heißen Temperaturen allerdings nur vereinzelt kamen. "Wo sonst sieht man sonst so alte handwerkliche Kunst", sagt Lucas Mutter. "Ich finde es wichtig, den Kindern zu zeigen, wie die Menschen früher gelebt haben, und so ist es viel anschaulicher als nur in Büchern."

Quelle: RP
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