| 00.00 Uhr

Kreis Mettmann
Dieses Haus wärmt sich selbst

Kreis Mettmann: Dieses Haus wärmt sich selbst
Das Haus von Jörg und Ekaterine Dall (r.) wurde vom Kreis ausgezeichnet. Mit dabei (v.l.): Susanne Berger (Verbraucherzentrale), Jörg Wobbe-von Twickel (Kreis), BM Klaus Pesch, stellv. Landrat Manfred Krick, Architekt Mählmann. FOTO: Janicki
Kreis Mettmann. Jörg Dall, der seinen Altbau kernsaniert hat, wurde jetzt vom Kreis Mettmann ausgezeichnet. Von Joachim Preuss

Was macht man mit einem fast 50 Jahre alten Haus? Abreißen und was Neues aufs Grundstück setzen? Oder für viel Geld sanieren? Diese Frage beantwortete sich Jörg Dall selbst: sanieren - und zwar richtig. Eigentlich sind nur Bodenplatten und ein paar Grundmauern übrig geblieben, so dass man dem Bau das Alter nicht mehr ansieht. Das Energiesparhaus, das sich quasi selbst wärmt, wurde jetzt vom Kreis Mettmann besonders ausgezeichnet: mit der Plakette "Albauneu".

Damit will der Kreis anderen Hausbesitzern Mut machen, ebenfalls in die Zukunft zu investieren. Von außen ist es ein modernes Einfamilienhaus. Aber eigentlich ist es ein riesengroßes Spielzeug für Männer: überall Köpfe, Schalter, Anzeigen, Technik, Rohre, Drähte. Ist niemand daheim, lässt sich alles per Internet oder per Handy fernsteuern: Licht an, Licht aus, Temperatur rauf oder runter, Jalousien auf oder zu.

Jörg Dall kennt sich aus im Gewirr von Leitungen im Keller und den vielen - unbeschrifteten - Schaltern und Reglern im Wohnbereich. Der Bauherr hat nach dem Kauf der Alt-Immobilie aus dem Jahre 1968 bei der Komplett-Sanierung selbst mitangepackt. Von außen und innen ist es eigentlich ein Neubau, der sich fast komplett selbst mit Wärme versorgt. Für die Verbraucherberatung (VZ) NRW und den Kreis Mettmann ist es ein Vorzeigeobjekt fürs Programm "Altbauneu".

Dall (50) hatte sich um die vom Kreis ausgelobte Auszeichnung beworben und vom Start weg allerbeste Chancen gehabt, sie zu bekommen, sagte damals Peter Wobbe vom Kreisumweltamt. Geld gibt es keines, aber immerhin eine schöne Metallplakette fürs Haus. "Herr Dall hat wirklich in die Zukunft investiert", sagte Manfred Krick, stellvertretender Landrat des Kreises Mettmann, anlässlich der Auszeichnung, "durch die Sanierung hat nicht nur sein Haus an Wert gewonnen. Der Gewinn für den Klimaschutz ist enorm."

Denn durch die Sanierung erziele das Objekt im Bauhaus-Stil eine Energieersparnis von 95 Prozent. Möglich wird das durch die Dämmung von Außenwänden, Kellerdecke und Dach, dreifach verglasten Fenstern, aber auch durch ein intelligentes Heizsystem. Solarthermie, Luftwärmepumpe, ein wassergeführter Kamin und eine permanente Kontrolle der Heizkreisläufe sorgen für eine optimale Energienutzung. Jörg Dall kommt selbst aus dem Baugewerbe und konnte vieles in Eigenleistung erbringen. Allein in die energetische Sanierung hat er etwa 150 000 Euro gesteckt. Und seniorengerecht ist es auch geworden, das freistehende Einfamilienhaus am Sinkesbruch.

Die Ratinger VZ-Energieberaterin Susanne Berger und der Höseler Architekt Edgar Mählmann sehen in dem neuen Altbau ein Vorzeigeprojekt. Vom Keller aus führt ein dickes Rohr in den Garten: Es ist dort 1,50 Meter tief verbuddelt und etwa 20 Meter lang. Über das Rohr wird die Luft fürs Haus geführt, im Winter wird sie durchs Erdreich angewärmt, im Sommer abgekühlt. "Es ist eine natürliche Klimaanlage", so Dall. Zusätzliche Wärme kommt von April bis Oktober vom Dach, wo eine Solarthermieanlage mit Sonnenstrahlen warmes Wasser macht.

Weitere Energie erzeugt bei Bedarf die Luftwärmepumpe mit einem Klimaanlagen ähnlichen Tauscher an der Garagenwand. Kernstück der Anlage ist ein 1500-Liter-Wasserspeicher im Keller. Er hat, mitsamt der Rohre und Leitungen, den alten Öltank verdrängt. Zuvor seien etwa 3500 Liter Heizöl jährlich verbraucht worden, so Mählmann.

Bis etwa minus fünf, sechs Grad versorgt sich die Hightech-Kiste selbst, darunter lässt Dall den Holzofen im Wohnzimmer knistern. Alle Wärmeströme regelt ein unscheinbarer Schaltkasten im Keller, alle fünf Minuten liest er die Wärmemengenzähler ab. So hat Dall - auch via Internet und Handy - den totalen Überblick übers Wärmemanagement im Haus. Das ist so dicht und toll isoliert, dass Außenjalousien mit Rastor-Lamellen dafür sorgen müssen, dass es nicht zum Kochtopf wird. Dall hat von der öffentlichen Förderung energetischer Sanierungen profitiert. Seine Investition, da ist er sich sicher, zahlt sich in weniger als 20 Jahren aus. Er will Vorbild sein und Nachahmer motivieren, "damit die Leute die Hemmungen gegenüber dem Thema energetische Sanierung und Dämmung verlieren". Eine Haltung, über die Bürgermeister Klaus Pesch sich freut: "Wir brauchen gute Beispiele, die Mut machen und wirkungsvoll überzeugen, sich dem Thema Sanierung zu widmen."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kreis Mettmann: Dieses Haus wärmt sich selbst


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.