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Langenfeld
Down-Sportfest wird zum Familientreffen

Langenfeld: Down-Sportfest wird zum Familientreffen
Ghaith Smari fährt heute mit seiner Mutter nach Frankfurt und macht beim großen Sporturnier mit. FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. Der zwölfjährige Ghaith aus Langenfeld nimmt am Samstag am Deutschen Down-Sportlerfestival in Frankfurt am Main teil. Von Alexander Riedel

Die Bälle auf dem Rasen hinter dem Haus verraten, wofür sich Ghaith besonders begeistert. "Er spielt für sein Leben gerne Basketball", erzählt seine Mutter Gudrun Smari. Überhaupt ist der zwölfjährige Junge mit Down-Syndrom gern und oft in Bewegung. "Mir macht das alles Spaß", sagt er. Richtig austoben kann er sich nicht nur beim Fußball in der Behindertensportgemeinschaft Langenfeld, sondern auch in verschiedenen Wettkämpfen: Kürzlich in Hilden errang er im Weitwurf die Goldmedaille und Silber in einer Laufdisziplin. "Im Juli tritt er bei den Special Olympics in Neuss an", berichtet Gudrun Smari. Und heute reist die alleinerziehende Mutter zweier Kinder mit ihrem älteren Spross nach Frankfurt am Main. In der Bankenmetropole im Sport- und Freizeitzentrum Kalbach findet tags darauf das 15. Deutsche Down-Sportlerfestival statt - für Ghaith ist es die dritte Auflage. "Er freut sich riesig darauf", sagt Gudrun Smari. Anfangs habe sie die Initiative ergriffen. "Heute heißt es immer, fahren wir auch dahin?", erzählt sie.

Rund 600 Kinder und Jugendliche tummeln sich im Frankfurter Sportkomplex und messen sich in Laufen, Weitsprung, Weitwurf und Tischtennis. Daneben warten auf die Teilnehmer und ihre Geschwisterkinder verschiedene weitere Spielangebote sowie ein Rahmenprogramm mit Therapie-Pferden, Kinderschminken, einer Modenschau und Fachvorträgen für Eltern zum Thema Down-Syndrom. Zusätzlich können die jugendlichen Sportler Workshops belegen. "Ghaith wird darin Fußball und Basketball spielen", erzählt die Mutter, die auf das Sportereignis einst über soziale Netzwerke aufmerksam geworden war. "Es ist einfach wichtig, mit ihm raus zu kommen", erklärt sie.

Los geht es am Samstagmorgen um 9 Uhr: "Erst einmal bekommen die Kinder ihre Startnummern, T-Shirts und auch ein Lunchpaket", erklärt Smari. "Dann ziehen alle in die Halle ein." Mit von der Partie sein wird in Frankfurt auch eine Familie aus Hilden, mit der die Smaris in einer besonders schweren Lebensphase in Kontakt gekommen waren. "Wir waren gemeinsam im Verein Hilden 21, in Anlehnung an Trisomie 21", erzählt Gudrun Smari. Gaith war damals im Kleinkindalter an Leukämie erkrankt. Heute ist der Schüler gesund.

Das Down-Sportlerfestival sei wie ein großes Familientreffen, sagt Smari - und wirft zugleich kritische Fragen auf: "Wofür brauchen wir im Grunde überhaupt eine solche Veranstaltung? Warum können sich die Leute nicht einfach durchmischen?" Oft habe die Familie das Gefühl, nicht richtig dazuzugehören. "Wo Ghaith hinkommt, mögen ihn die Menschen", stellt Smari klar. Das Problem liege aber eher in den Institutionen: Im Hinblick auf die Inklusion sei Langenfeld offenbar in der Diaspora, gibt die Mutter ihren Eindruck wieder. "Wenn ich Ghaith für einen Ausflug mit einer Kindergruppe anmelden will, muss man immer gucken, dass man eine 1:1-Betreuung bekommt." Auch der angestrebte Platz in einer Regelschule sei ihm verwehrt geblieben. Sportbegeistert ist auch Smaris zweiter Sohn (10). Er spielt Fußball im Verein. "Wenn er aber ein Turnier hat, können wir nicht dabei sein", verrät Smari mit Blick auf Ghaith: "Denn wenn er mitkommt und zusieht, will er sofort mitspielen."

Quelle: RP
 
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