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Langenfeld
Ein Herz für Lebensretter

Langenfeld: Ein Herz für Lebensretter
Zwei Sportler, drei Leben: Erhard Fackiner (r.) mit Thomas Spooren, der ihn im Langenfelder Jahnstadion wiederbelebte. FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. Wie ein Langenfelder Feuerwehrmann zum Schutzengel wurde. Von Sandra Grünwald

Es war ein Tag im August. Erhard Fackiner wollte auf dem Sportplatz an der Jahnstraße in Langenfeld die letzte Übung absolvieren, die ihm noch zu seinem goldenen Sportabzeichen fehlte: Siebeneinhalb Kilometer Gehen innerhalb von einer Stunde. Alles lief prima, Fackiner hatte das Ziel schon vor Augen. Nur noch wenige Meter - da brach der 76-Jährige plötzlich zusammenbrach und blieb reglos liegen.

Der Kollaps hatte sich keineswegs angekündigt. "Ich habe mich immer viel bewegt, Sport gemacht, gesund gegessen und hatte einen niedrigen Blutdruck", erzählt der Langenfelder. "Ich konnte immer alles machen." Doch an diesem Abend war alles anders. Sofort eilte ein Mann zu ihm hin. "Ich dachte, es sei wegen der Anstrengung einfach ein Schwächeanfall gewesen", erinnert sich Thomas Spooren. Also legte er den besinnungslosen Mann erst einmal in Schocklage. "Aber dann ist er blau angelaufen." Während Spooren Erste Hilfe leistete, hielt ihm einer der Sportabzeichen-Abnehmer, der ebenfalls herbeigeeilt war, sein Handy ans Ohr. Die 112, der Rettungsdienst.

Beiden wurde sofort klar, dass Erhard Fackiner nicht nur einen harmlosen Kreislaufkollaps erlitten hatte. Thomas Spooren begann mit einer Herzdruckmassage und forderte zusätzlich zum Rettungswagen noch einen Notarzt an. Glück im Unglück für Fackiner: Sein Ersthelfer ist Feuerwehrmann und somit vertraut mit Notfallsituationen. Deshalb wusste Spooren sofort, was zu tun war. "Dass so etwas in meiner Freizeit vorkommt, war aber schon überraschend", erzählt der Brandschützer, der an diesem Tag selbst auf dem Sportplatz war, um das Sportabzeichen zu machen. Und eigentlich war er längst fertig und hätte nach Hause gehen können, wären da nicht die Fußballtore gewesen, die er nach dem Ende des Siebeneinhalb-Kilometer-Laufs wieder an ihren ursprünglichen Platz rollen wollte. "Also habe ich gewartet", sagt der 54-Jährige.

Diesem glücklichen Umstand hat es Erhard Fackiner zu verdanken, dass er "ein zweites Leben" geschenkt bekam. "Ich weiß nicht, wie es gewesen wäre, wenn er nicht dagewesen wäre", sagt der sportliche Rentner. "Er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort." Als die Rettungskräfte eintrafen, stellten sie Herzflimmern fest und konnten mit dem Defibrillator wieder einen Sinusrhythmus erreichen. Dann kam der Zusammengebrochene ins Krankenhaus. Doch davon bekam der Patient nichts mit. "Ich war die ganze Zeit im Koma", erzählt er. Und auch heute noch kann er sich an den Abend im August nur bruchstückhaft erinnern. Nur eins weiß er sicher: "Ich habe einfach Glück gehabt. Es kam ein Schutzengel in Form eines Feuerwehrmanns."

Inzwischen treibt Erhard Fackiner wieder Sport - wenn er das Ganze auch langsamer angeht als vor dem Zusammenbruch. "Ich vermeide die Extreme", sagt er, "ich habe mir eine Pulsuhr und ein Blutdruckmessgerät angeschafft." Sein zweites Leben genießt er umso bewusster.

Das Happy End wäre ohne die Herzdruckmassage nicht zustande gekommen. Daran lässt sich wieder einmal sehen, wie wichtig eine beherzte Erste Hilfe ist, denn hier zählen oft Sekunden. So rät der erfahrene Feuerwehrmann Thomas Spooren: "Keine Angst davor, etwas falsch zu machen. Besser eine nicht ganz korrekte Herzdruckmassage, als gar keine." So kann jeder zum Schutzengel werden.

Quelle: RP
 
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