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Serie Kunstvereine In Der Region
Ein Logenplatz für die Kunst

Serie Kunstvereine In Der Region: Ein Logenplatz für die Kunst
FOTO: Blazy Achim
Langenfeld. Das hat schon Kultcharakter: das Pförtnerhäuschen der früheren Firma Calor Emag, das als Künstlerloge fungiert. Von Gabriele Hannen

RATINGEN Location heißt zeitgeistig der Ort, wo sich irgendwas abspielen soll. Im hier beschriebenen Fall sieht der Ort aus wie eine Art Eisenbahn. Oder wie eine gläserne Welle, die, geschwungen, gegen ein Haus schwappt. Korrekt gesagt aber ist der Ort das Pförtnerhäuschen oder die Pförtnerloge der einst in Ratingen ansässigen Firma Calor Emag an der Bahn-/Ecke Calor-Emag-Straße. Alle zwei Monate tobt hier drinnen mal für ein paar Tage das kulturelle Leben - sonst aber lockt die dargebotene Kunst eher still schlendernde Betrachter an die Scheiben. Und manch ein Autofahrer riskiert an der roten Ampel unweigerlich einen Blick. Das Pförtnerhäuschen ist nämlich die Künstlerloge. Und der Begriff wiederum steht für eine kleine non-profit-Galerie, die beständig von Künstlern selbst verwaltet und beschickt wird. Angestoßen wurde die Idee dazu vor einem guten Jahrzehnt von der Künstlerin Roswitha Riebe-Beicht, Trägerin des ersten Ratinger Frauen-Kulturpreises, und ehemalige Ratsfrau. Der Boden war bereitet: Schon bald war sie nicht mehr alleine damit beschäftigt, den verschiedensten Künstlern einen attraktiven Ausstellungsplatz zur Verfügung zu stellen und das auch zu organisieren.

Irgendwie war es eine Pionierzeit für die bildende Kunst in Ratingen: nicht zuletzt wegen der oft in Personalunion besetzten Funktionen der überschaubar wenigen Protagonisten in dieser Szene - und hatte mit dem Verein der Freunde und Förderer des Museums der Stadt Ratingen, dem Museum selbst und dem Ratinger Kulturbund (RKB) starke Fürsprecher. Im Rückblick auf zehn Jahre Künstlerloge erinnert sich Marie Luise Otten, Ehrenvorsitzende der Museumsfreunde und -förderer: "Die im Mai 1998 gegründete Initiative Bildende Kunst im Ratinger Kulturbund vereinte Künstlerprofis unterschiedlichster Couleur und Generationen". Die Auswahl der Künstler erscheint willkürlich; doch alle haben irgendeinen Bezug zu Ratingen. Sie sind entweder hier geboren, haben hier gearbeitet, gewohnt oder wollen (wieder) in Ratingen heimisch werden. Die Organisatoren hatten bei dem Punkt allerdings von Anfang an keine Korsettstangen im Gemüt: Man sah Herkunfts- und Zukunftsort nicht so eng. Die Künstlerloge wird im Rahmen der institutionellen Förderung von der Stadt Ratingen mit 1350 Euro pro Jahr unterstützt. Die LEG stellt den Raum unentgeltlich zur Verfügung, und die ehrenamtlich arbeitenden Künstler leisten und zahlen alle anderen zur Erhaltung des Betriebes notwendigen Aufwendungen, kümmern sich um Einladungen, Pressearbeit, Hängung der Ausstellungen, um Bewirtung der Gäste, Kontakte, um die Pflege und Gestaltung der mittlerweile entstandenen Homepage und alle anderen anfallenden Arbeiten.

Dafür stehen aktuell Ulrike Siebel, Johannes Lenhart und Ansgar M. van Treeck gerade. Man träumt von einem Zuschuss der Stadtwerke zum Stromverbrauch. Gründungsfrau Riebe-Beicht hoffte bei der ersten Ausstellung im Jahr 2006: "Dem Ratinger Kulturleben soll mit der 'Künstlerloge' ein Mosaikstein hinzugefügt werden. Wie Sie alle wissen, reicht es nicht, wenn solch ein Mosaikstein alleine vor sich hinfunkelt - er muss auch wahrgenommen werden. Im Gegensatz zur Kunst der alten Griechen braucht die zeitgenössische Kunst den Betrachter und die Betrachterin." Das gilt noch heute.

Quelle: RP
 
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