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Monheim/Oranienburg
Ein Tote-Hosen-Boot für Monheim

Monheim/Oranienburg: Ein Tote-Hosen-Boot für Monheim
FOTO: Maximiliane Richtzenhain
Monheim/Oranienburg. Auf einem Plattencover der Düsseldorfer Punkrocker "Die Toten Hosen" fährt die Fiat Voluntas noch "unter falscher Flagge". Jetzt soll der Aalschokker in ein Museumsschiff umgebaut werden.  Von D. Schmidt-Elmendorff

Ein Aalschokker entspricht bekanntlich nicht der für Container gängigen ISO-Norm 668, auf die alle Hafenkräne entlang des Rheins geeicht sind. Deshalb brauchte es eines Spezialkrans wie "Big Rocky", der das 35 Tonnen schwere Schiff im Krefelder Hafen aus dem Wasser auf den Lastwagen hieven konnte - zum Weitertransport nach Brandenburg. "Es war auch sehr schwierig, diesen risikoreichen Transport versichert zu bekommen", berichtet Arthur Fischer, der im Auftrag der Stadt Monheim die Sanierung des Museumsschiffes übernommen hat. "So wie es aussieht, fürchtete jeder, es könnte beim Abschleppen untergehen und die Fahrrinne blockieren."

Inzwischen ist die Fiat Voluntas in der Oranienburger Malz Werft angekommen. Zunächst werden jetzt Proben der Farbanstriche genommen. Das Rheinische Amt für Denkmalschutz soll dann ermitteln, ob es sich um die Originalfarben handelt. Erst nach der Freigabe kann das Schiff mit Wasserstrahl bis auf den Stahl von Farbresten und Rost befreit werden. "Wasser hat gegenüber Sand den Vorteil, dass es trotz doppelter Schallgeschwindigkeit, den Stahl nicht weggeschmirgelt", so Fischer. Dann wird die Stahlkonstruktion auf Schäden begutachtet und ein Sanierungs-Konzept erarbeitet, das die Denkmalbehörde absegnen muss. "Die Holzaufbauten sind zwar auch denkmalgeschützt, sie sind aber erst in den 50er Jahren nachträglich über der Kajüte errichtet worden", erklärt der Berliner Architekt, der selber vier Fahrgastschiffe besitzt und Gesellschafter des "Schiffskontors" ist. Während das über Deck verbaute Holz verrottet ist, könnten die Einbauten und Schränke in der Kajüte erhalten bleiben. Im Zuge des Museumskonzeptes müsse noch entschieden werden, ob das gesamte noch vorhandene Fischerei-Equipment, wie Netze, Stahlseite und Winden, wieder an ihre bisherigen Positionen auf das Schiff zurückkehren. Sicher ist, dass der Arbeitsmast, von dem aus die beiden Bäume mittels Seilen ausgelegt wurden, wieder aufgerichtet werden wird.

"Wir wollen zeigen, wie die Aalfischer damals auf dem Schiff gelebt und gearbeitet haben", sagt Bürgermeister Daniel Zimmermann. Es gebe einen Dokumentarfilm des LVR, der in den 80er Jahren über die Neusser Fischerfamilie Wirtz gedreht wurde. "Wir haben schon eine Kopie des 60-minütigen Farbfilms." Möglicherweise wird zur Begrüßung der Gäste auch das Lied "Unter falscher Flagge" der Toten Hosen gespielt. Der Refrain: "Auf der Suche nach der Schnapsinsel". Das Cover der gleichnamigen Langspielplatte aus den 80er Jahren ziert nämlich: die Hosen als Piraten verkleidet auf der Fiat Voluntas.

Fischer rechnet damit, dass es Sommer wird, bis die denkmalrechtlichen Angelegenheiten geklärt sind. Dann müssen die Sanierungsarbeiten ausgeschrieben werden. "Es ist unwahrscheinlich, dass die Werft Malz nicht den Zuschlag erhält. Ich habe hier landauf, landab aller Werften abgeklappert. Keiner wollte sich auf das alte Schiff einlassen", sagt Fischer, der auch seine MS Arkona von 1905 in Oranienburg hat renovieren lassen.

Während die Stadt immer noch davon ausgeht, dass die Fiat Voluntas im Herbst ihr Trockendock an der Klappertorstraße bezieht, sagt Fischer: "Allein die Restaurierung dauert fünf Monate. Es wird eher Frühling werden." Als Teil der MonChronik soll der Aalschokker in Baumberg aufgeständert werden. Dann wird die Fiat Voluntas nur noch dann Wasser unterm Kiel führen, wenn der Rhein über die Ufer tritt. Das Schiff soll auf einer an den Bootskörper angepassten Stahlkonstruktion aufliegen. Einige Stahlrohre an der Unterseite des Bootes, die in Fundamentröhren im Boden enden, sorgen dafür, dass es im Hochwasserfall zwar aufschwimmt, aber seinen kleinen Hafen - das dreieckige, begehbare Podest - nicht verlassen kann.

Quelle: RP
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