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Monheim
"Eine Provinzposse"

Monheim: "Eine Provinzposse"
Das ist eine echte Provinzposse“, sagt Frank Stoffels, Jugendleiter der SF Baumberg. FOTO: RPO
Düsseldorf. Die im Sommer 2011 wegfallende Anlage am Kielsgraben stellt die Sportvereine vor massive Probleme. Vor allem Jugendtrainer haben Angst um ihre engagierte Arbeit am und mit dem Nachwuchs. Sie sind sauer auf die Politik. Von Holger Besslich

Die Vereine in Monheim stehen bald ohne eine den Bedarf deckende Anzahl von Sportstätten da. Im Februar will der Rat – wie berichtet – in einer Sondersitzung die derzeit noch in Frage kommenden vier Lösungsansätze für einen (fast) reibungslosen Übergang nach dem Wegfall des Sportplatzes am Kielsgraben diskutieren.

"Das passiert nur, weil die Politik die Sportler über Jahre in der Luft hängen lässt. Das ist eine echte Provinzposse", sagt Frank Stoffels, der Jugendleiter der SF Baumberg (SFB).

Selbst die derzeit diskutierte kurzfristige Lösung mit Ausbau und Sanierung der Bezirkssport-Anlage Bregenzer Straße (Variante 1) stellt die Sportler vor kaum lösbare Aufgaben.

Der Baumberger TSC (BTSC) nutzt diese Anlage mit seinen Leichtathleten und der Abteilung Oldiekicker regelmäßig mit zirka 140 Aktiven. Eine Renovierung des Kabinentraktes, der Aschelaufbahn sowie der Umbau des Fußballplatzes zu einem Kunstrasenfeld würde Trainingszeiten einschränken. "Alle Vereine sind bestrebt, dass jeder gleich behandelt wird. Bei uns sind knapp zehn Prozent der Mitglieder davon betroffen. Da ist Kreativität gefragt", meint BTSC-Chef Stephan Schuhen.

Nachbarstädte im Blick

Einziger Lichtblick in dem ganzen Wirrwarr ist das Rheinstadion, in dem der FC Monheim aktiv ist. Die Anlage wurde 2006 mit neuen Umkleiden und einem neuen Kunstrasen an die Sportler übergeben. "Wir stehen zwar gut da, aber haben auch immer die Nachbarstädte wie Langenfeld im Blick. Da werden keine Systemlösungen, sondern komplette Bauten für Umkleiden und Vereinsheim den Clubs zur Verfügung gestellt. Auch die Plätze werden im Ganzen erneuert", hält der FCM-Vorsitzende Werner Geser fest.

Zu bedenken gibt er weiter: "Uns fehlt auch noch das ein oder andere. Aber wir wollen ein Gleichgewicht unter den Vereinen. Unser Ascheplatz ist keine Dauerlösung, da er im Winter kaum nutzbar ist. Da warten wir auf das Kleinfeld für die Jugend." Die SG Monheim (SGM) bekommt im neuen Jahr die Renovierung des maroden Jahnstadions finanziert und umgesetzt.

"Die Vereinbarung haben wir vor Weihnachten unterzeichnet", erklärt SGM-Vorsitzender Karl-Heinz Göbel. Damit können zumindest die Leichtathleten besseren Zeiten entgegen schauen. Die Sportfreunde trifft es in der gesamten Situation am schlimmsten (siehe Ergänzungstext unten). Egal, für welche Lösung sich Rat und Verwaltung entscheiden, den Sportfreunden fehlen etliche Trainingszeiten, da sie der Hauptnutzer des Kielsgrabens sind.

"Wir hätten mit dem Konzept Wolfhagener Straße sehr gut leben können. Ich frage mich, was es mit der sozialen Verantwortung der Kirche auf sich hat, wenn es da nur um Profit geht. Wäre das Gelände heute wenigstens verkauft, dann wären die ganzen Scharmützel nicht als blanker Hohn zu bewerten", macht der Baumberger Stoffels seinem Ärger Luft.

Die Überlegung, einen Teil des Ackerlands von Bauer Bossmann als Übergangswiese für den Trainingsbetrieb zu nutzen, lehnt Stoffels kategorisch ab. "Es gibt keine Umkleiden, nichts zum Unterstellen und keine Lichtanlagen. Dieses Angebot ist nicht tragbar und für unsere Kinder nicht zumutbar."


"Das sagen die Bürger"

Achselzucken, wegwerfende Handbewegungen, "dazu möchte ich mich nicht äußern". Es ist zunächst unklar, ob diese Reaktionen Verdrossenheit oder Desinteresse geschuldet sind. Vielleicht ist es eine Mischung aus beidem. Der 17-jährige Handballer Max Guggenmos sagt, dass die Sportstätten so, wie sie sind, allenfalls Freizeitsportlern Spaß bereiteten. "Für leistungsorientierten Sport sind die Bedingungen aber miserabel."

Die Organisation sei schlecht, die Trainer unmotiviert, Sponsoren und damit Geld fehlten an allen Ecken und Enden. In dieselbe Kerbe schlägt auch Rebecca Legat (18), die 13 Jahre lang beim FCM Fußball gespielt hat. Sie hob insbesondere die "ekelhaft dreckigen" Umkleide- und Duschbereiche der Sportanlage am Kielsgraben hervor: "Ich habe immer zuhause geduscht."

Shirin Salem (29) spricht sich für ein dezentrales Konzept aus, sie hält die Aufrechterhaltung mehrerer kleiner Sportstätten für immens wichtig: "Wenn man nicht möchte, dass Kinder ihre Freizeit vor dem Fernseher oder Computer verbringen, muss man ihnen auch etwas bieten – und zwar in Nähe ihrer Elternhäuser, ohne dass sie erst mit dem Bus dahin fahren müssen."

Ganz ähnlich sieht das Hans-Jörg Schloegel (66): "Erbe verpflichtet. Ich finde, dass wir gut daran täten, zu erhalten, was wir haben." Dass das ursprüngliche Konzept gescheitert ist, hält er für symptomatisch, hier werde eben "mehr geredet, als gehandelt." Als Vorwurf an den Bürgermeister indes will er das nicht verstanden wissen, vielmehr könne der sich nun richtig beweisen: "Baut er sich jetzt ein Denkmal in Monheim oder im Herzen seiner Bürger?"

Seinem Unmut über die Passivität der Vereine machte ein Angestellter der Stadt, der namentlich nicht genannt werden wollte, Luft: "Die können sich glücklich schätzen, die bezahlen doch nichts. Und sind trotzdem immer unzufrieden." Statt zu klagen, sollten die Vereine sich lieber neue Geldquellen erschließen, findet er. Radsportler Gruffino Leonardo möchte wirklich einen konstruktiven Beitrag leisten. Der Baumberger zeigte sich alles andere als verdrossen und wortkarg: "Ich würde gern mit Zimmermann sprechen", sagt er. "Ich habe eine ganze Stange von Vorschlägen für ihn."

Quelle: RP
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