| 00.00 Uhr

Langenfeld
Er sagt, wie viel ein Bau kosten darf

Langenfeld. Der Langenfelder Bauingenieur Ralf Brüning bewertet die Kosten von Bauprojekten. Von Daniel Gehrmann

Meist kommt es im Leben anders als geplant. Das gilt besonders beim Bauen, und das nicht nur bei der Hamburger Elbphilharmonie oder dem Berliner Flughafen. "Die Idealvorstellung ist, dass der Bauherr einen Plan erstellt, das günstigste Angebot aussucht, dass bis zum Baubeginn alle Pläne fertig sind und dann alles läuft wie geplant", erklärt Ralf Brüning. "In der Praxis ist das sehr selten", sagt der Langenfelder, der vor kurzem von der Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen zum Sachverständigen bestellt wurde.

Mit dieser Bestellung kann Brüning bundesweit im Auftrag von Gerichten Gutachten erstellen, wenn es darum geht, wie viel ein Bau kosten darf. Das reicht vom Einfamilienhaus über Brücken bis hin zu Flughäfen und Kraftwerken. "Ein Sachverständiger vermittelt als unabhängiger Experte dem Richter das nötige Fachwissen, das ein Gericht für sein Urteil braucht", sagt Christoph Heemann, Geschäftsführer der Ingenieurkammer-Bau NRW mit Sitz in Düsseldorf.

Doch wer jetzt an "Pfusch am Bau" denkt, liegt falsch: Brüning ist Sachverständiger für Baupreisermittlung und Abrechnung im Hoch- und Ingenieurbau sowie Bauablaufstörungen. Hinter dieser sperrigen Bezeichnung verbirgt sich die Frage, was passiert, wenn die Arbeit länger dauert als gedacht oder wenn ein Haus, eine Brücke oder ein Flughafen teurer wird, als geplant. Bei der Ingenieurkammer-Bau NRW gibt es zehn Experten, die diese beiden Fachgebiete abdecken. "Diese Tätigkeit setzt eine besondere Kenntnis voraus, für die mehrere Jahre Berufserfahrung erforderlich sind", erklärt Heemann. "Die relativ geringe Zahl von Sachverständigen zeigt schon den hohen Grad an Spezialisierung. Allerdings handelt es sich auch nicht um ein Massengeschäft." Andererseits ändert sich der Preis bei Großprojekten nicht selten: Oft wird ein Projekt schon ausgeschrieben, ehe genau feststeht, wie es am Ende aussehen wird. Brünings eigener Einstieg kam mit dem Bau der Rhein-Main-Trasse für den ICE. Brüning leitete den Bau einer Teilstrecke, für die 13 Brücken errichtet und zwei Tunnel gebaut werden mussten. Während des Baus entschied ein Gericht, dass noch drei Krötentunnel an der Strecke angelegt werden mussten, und die sollten mit Mutterboden ausgelegt werden.

So kam Brüning mit der Welt der Baupreise in Berührung. Stets muss geprüft werden, ob sich die äußeren Umstände gegenüber der Planung verändert haben, was die zusätzlichen Arbeiten in der Gegend normalerweise kosten und wie sich die tatsächlichen Kosten im Verhältnis zu den ursprünglich angesetzten ändern. Eine Rechenaufgabe, die viel Expertise erfordert.

Bevor Brüning von der Ingenieurkammer Bau für seine beiden Fachgebiete zum Sachverständigen ernannt wurde, hat er eine schriftliche und eine mündliche Prüfung abgelegt. Er musste fünf Personen benennen, die seine persönliche und fachliche Eignung belegen sollten. Und er legte der Kammer mehrere Gutachten vor, die er selbst erstellt hatte, damit die Kammer sich einen Eindruck von ihm machen konnte. - Solange es Großprojekte gibt, dürfte ihm die Arbeit nicht ausgehen.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Langenfeld: Er sagt, wie viel ein Bau kosten darf


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.