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Monheim
Familienhilfe übernimmt die Tagesgruppe

Monheim. Erzieherische Betreuung soll nicht separat, sondern in den Schulen passieren. Von D. Schmidt-Elmendorff

Im "Haus der Chancen" betreibt das Monheimer Jugendamt seit 2011 eine Tagesgruppe für Kinder, die in der Schule durch unsoziales oder aggressives Verhalten auffallen, Probleme haben, still zu sitzen, sich zu konzentrieren oder sich überhaupt an Regeln zu halten. An fünf Nachmittagen pro Woche üben dort acht Grundschulkinder soziales Verhalten in der Gruppe. "Diese Gruppenarbeit war aber zuletzt immer weniger möglich. Denn die Auffälligkeiten einiger Kinder waren zum Teil so gravierend, dass sie zusätzlich von einem Integrationshelfer bestreut werden mussten", erläutert Friedhelm Haussels, Leiter des Allgemeinen Sozialdienstes (ASD). So gab es zwei Kinder mit Weglauftendenzen. "Wir mussten immer aufpassen, dass sie nicht abhauen." Die intensive Einzelbetreuung nahm schließlich Überhand. "So entstand der Gedanke, dass man die Kinder besser wieder in ihren Kontext, die Schule oder Ogata zurückführt: Ein schwieriges Kind kann besser von anderen Kindern integriert werden."

Daher möchte das Jugendamt die Tagesgruppe jetzt auflösen und - ganz im Gedanken der Inklusion - die erzieherischen Hilfen für diese Kinder in die Schulen zurücktragen. "Die Armin-Maiwald-Schule ist unser Pilotprojekt. Wir wollen das Angebot in Schulnähe realisieren, sind daher mit dem Jugendclub Baumberg im Gespräch. Wir brauchen Rückzugsräume", so Haussels. Auch soll ein neuer Akteur ins Spiel kommen, weil das Jugendamt mit der Tagesgruppe gleichzeitig Auftraggeber und -nehmer einer erzieherischen Hilfe war. Künftig soll die Familienhilfe Monheim mit der Entwicklung und Durchführung eines Konzeptes betraut werden, um den Kindern jene passgenaue Hilfe innerhalb des "Regelsystems Schule" zukommen zu lassen.

"Am Anfang jeder Maßnahme sollen sich nun die Mitarbeiter der Familienhilfe mit der Schule und der Ogata zusammensetzen und auch im Unterricht hospitieren, um zu gucken, wie dem Kind geholfen werden könnte", sagt Haussels. Die Schulen erhielten damit zusätzliches Personal und könnten ein schwieriges Kind nicht mehr einfach abgeben. Auch die Eltern sollen einbezogen werden. "Ohne Eltern geht es nicht, sie müssen ja nicht nur diese erzieherische Hilfe beantragen, sondern dann möglichst auch zu Hause unterstützen."

Mit der Familienhilfe kann sich die Stadt auf ein multiprofessionelles Team stützen. Diese ebenfalls im Haus der Chancen angesiedelte Institution existiert seit über 30 Jahren in Monheim und wird von SKFM, Awo und Diakonischem Werk getragen. Für die Umsetzung des Konzeptes soll der bisherige Mitarbeiterstamm von elf Kräften um weitere drei Stellen und zwei geringfügig Beschäftigte aufgestockt werden. Der Jugendhilfeausschuss soll heute einer Erhöhung des Zuschussbedarfes der Familienhilfe um 168.000 Euro pro Jahr zustimmen.

Quelle: RP
 
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