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Langenfeld
Finanzamt erntet Lob - und Kritik

Langenfeld: Finanzamt erntet Lob - und Kritik
FOTO: Staschik Olaf
Langenfeld. Die Bearbeitungszeit kann zwischen sechs Wochen und sechs Monaten dauern, sagt Leiterin Claudia Melchert. Von Christoph Schmidt

Die Meinungen über die Arbeit des Finanzamts Hilden gehen weit auseinander. "Mir werden nicht einmal Fahrten von der Wohnung bis zur Arbeitsstätte anerkannt", beklagt sich Anna Wyrostek auf dem Online-Steuer-Portal Lohnsteuer-kompakt.de: "So etwas habe ich noch nie erlebt, bei keinem Finanzamt. Generell höre ich über das Finanzamt Hilden nur Negatives, das Personal ist nicht qualifiziert." "Ganz selten muss ein Bescheid nicht reklamiert werden", ergänzt Siegfried Funk: "Mehr als 90 Prozent der Reklamationen werden nachträglich anerkannt. Sehr schlechte Kommunikation. Habe viele Briefe schreiben müssen, bis meine Rente richtig eingestuft wurde. Habe das Finanzministerium um Nachschulung der Hildener Finanzbeamten gebeten."

"Sehr freundliche Mitarbeiter und sehr kompetent", schreibt ein anonymer Steuerzahler. "Ist alles zu unserer vollsten Zufriedenheit abgelaufen", freut sich Familie M. Fazit: Zweimal "sehr gut" und zweimal "mangelhaft". Gesamtnote: 3,17 von fünf Sternen. Im bundesweiten Vergleich von 467 Finanzämtern landet Hilden (zuständig für Hilden, Haan, Langenfeld und Monheim) auf Platz 25 und das Finanzamt Düsseldorf-Mettmann (Mettmann, Erkrath und Ratingen) auf Platz 26. Die Bearbeitung von Lohn- und Einkommensteuererklärungen dauert in Hilden im Schnitt 35 Tage. Zum Vergleich: Im langsamsten Finanzamt des Vergleichs, Hagenow, brauchte der Bescheid mit durchschnittlich 86,6 Tagen mehr als doppelt so lange.

"Die Bearbeitungszeit hängt von der Struktur des Steuerfalls ab", sagt Leiterin Claudia Melchert. "Von sechs Wochen bis sechs Monaten ist alles möglich. Das Steuerrecht ist komplex - für die Bürger und für uns auch." Mit der Bearbeitung der Lohn- und Einkommenssteuerklärungen könnten die Mitarbeiter zudem erst im März anfangen. Warum? "Weil die Arbeitgeber und Krankenkassen bis 28. Februar Zeit haben, uns die Daten elektronisch zu übermitteln. Viele nutzen das auch aus." Das Finanzamt versuche, technische Hilfsmittel einzusetzen, um die Bearbeitung zu vereinfachen. "Das funktioniert aber noch nicht perfekt", räumt Melchert ein - ohne konkreter zu werden. Das Programm "Elster" erleichtere dem Finanzamt die Arbeit - "weil wir die Daten über den Rechner aufbereiten können". Selbstständige müssen ihre Steuererklärung inzwischen mit Elster abgeben.

Arbeitnehmer haben die Wahl zwischen Elster und dem klassischen Papierformular: "45 Prozent geben ihre Steuererklärung bereits elektronisch ab." Was viele nicht wissen: Auch das Finanzamt muss inzwischen mehr Arbeit mit weniger Mitarbeitern erledigen. "Bei der Eröffnung 1995 hatte das Finanzamt Hilden 325 Mitarbeiter", erzählt die Leiterin: "Heute noch 260." Dazu mussten und müssen die Hildener auch noch anderen Finanzämtern aushelfen: für rund zwei Jahre bis Dezember 2015 dem Finanzamt Leverkusen. Das band etwa 2,5 Mitarbeiter in Hilden.

Unterstützung aus Hilden bekommt auch das Finanzamt Köln-Süd. Melchert: "Zunächst bis Jahresende. Dann wird neu entschieden." Fünf ihrer Mitarbeiter seien mit Kölner Steuersachen beschäftigt. In Köln Süd fehlten noch mehr Mitarbeiter. Deshalb müsse die Arbeit auf andere Finanzämter verteilt werden. Für die Hildener Kollegen sei es aber weit angenehmer, in Hilden für Köln arbeiten zu können als jeden Tag ins Finanzamt der Domstadt fahren zu müssen.

Im Finanzamt Hilden werden rund 59.000 Arbeitnehmer und etwa 28.000 Betriebe veranlagt. Das Steueraufkommen betrug im vergangenen Jahr insgesamt 1,35 Milliarden Euro.

Quelle: RP
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