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Langenfeld
Firmen tun sich schwer mit älteren Kunden

Langenfeld: Firmen tun sich schwer mit älteren Kunden
FOTO: Tinter, Anja (ati)
Langenfeld. Langenfelds Wirtschaftsförderung informierte über die richtige Ansprache der Zielgruppe Senioren. Von Martin Mönikes

Kommunale Wirtschaftsförderung hat viele Facetten, eine besondere Form der möglichen Unterstützung einheimischer Firmen bot jetzt das Team um Referatsleiterin Heike Schönfelder im Langenfelder Rathaus. In einem Fachvortrag sprach Professorin Dr. Kristin Paetzold vom Institut für technische Produktentwicklung in München über die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung generationsübergreifend nutzbarer Produkte. Passend zu den von Rathaus-Vizechefin Marion Prell entwickelten Demographie-Strategien der Stadt ging es primär darum, selbstständige Lebensführung im Alter zu erleichtern.

In ihrem Einleitungsvortrag machte Marion Prell mit einem Gustav-Knuth-Zitat das Problem deutlich: "Alle wollen alt werden, aber keiner will es sein". Sobald Produkte oder Dienstleistungen speziell für Ältere angepriesen werden, sind sie kaum marktfähig; die "Stigmatisierung ,alt'" lehnen die meisten über 65-Jährigen ab. "Sie wollen aktiv bleiben, gebraucht werden", unterstrich Prell.

Ziel müsse es sein, dass die Betroffenen die eigene Situation akzeptieren und Alltagsdefizite einräumen. Meist sei indes eher eine "Vogel-Strauß-Reaktion" zu beobachten. Wichtig sei, die passende Ansprache zu finden. Prell nannte als Beispiele: Ein "Seniorenspielplatz" wird abgelehnt, der "Generationsgarten" im Freizeitpark aber gerne besucht. Oder die gelungene Kombination "Seniorenmesse" mit dem Handwerkermarkt: "Da kann der Senior mal unauffällig schauen, wie zusätzliche Griffe an die Badewanne passen".

Dozentin Paetzold, selbst Maschinenbau-Ingenieurin, räumte ein, für technikverliebte Entwickler stehe der Mensch nicht immer im Mittelpunkt. Ziel der Ingenieure bleibe, natürliche Leistungsgrenzen zu überwinden und Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Auch die unterschiedlichen Sichtweisen von Nutzern und Entwicklern thematisierte die Expertin. Zusätzlich sollten verstärkt psychologische Kenntnisse einfließen. Beispielsweise nutze ein Senior - unabhängig von technischen Feinheiten - eher den Rollator, wenn auch der Nachbarn damit herumfährt. Paetzold berichtete auch, dass für Senioren in ihrer eigenen Wahrnehmung Sicherheit und Komfort keine große Rolle spielen, und dass sie Hilfe nur in Krisenfällen annehmen. "Der neue Staubsauger stört die bisherige Routine."

Die Chance, die mit dem Vortrag verbundenen Impulse aufzunehmen, nutzten nur rund zehn Firmenvertreter. In der Diskussion wurde der lange Weg von der Forschung bis zur Umsetzung beklagt. Einigen Besuchern war der Vortrag zu wissenschaftlich, sie vermissten die konkreten Bezüge zu ihrem handwerklichen Alltag.

Quelle: RP
 
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