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Monheim
Flüchtlinge weisen Neuankömmlingen den Weg

Monheim. Im neuen Projekt des Vereins "beratungsCentrum" helfen Flüchtlinge, die schon länger in Monheim leben, neu Angekommenen bei den ersten Schritten im Alltag. Von Benjamin Dresen

Das kennt jeder aus dem Urlaub: Ein unbekannter Ort macht orientierungslos, erst recht, wenn Sprache und Schrift nicht vertraut sind. Flüchtlinge, die neu nach Monheim kommen, stehen vor denselben Problemen, die den Alltag erschweren: Wie kaufe ich eine Busfahrkarte? Woher bekomme ich Lebensmittel? Wo finde ich einen Arzt? Das Patenprojekt "Flüchtlinge für Flüchtlinge" des Vereins setzt hier an: Flüchtlinge, die schon einige Monate in Monheim leben und sich auskennen, nehmen Neuankömmlinge in den ersten Tagen an die Hand.

Natürlich gibt es bereits zahlreiche Patenschaften von Monheimern, doch dabei steht häufig noch die Sprachbarriere im Weg, weiß Tara Ercosman, die die Patenschaften beim Beratungs-Centrum angeschoben hat. "Es ist etwas anderes, ob jemandem ein Landsmann oder ein noch fremder Mensch bei den ersten Schritten hilft", sagt sie. Bei ihrer Arbeit als Flüchtlingsberaterin hat die vielsprachige Diplom-Pädagogin, die neben ihrer Muttersprache Kurdisch noch Kurmandschi, Arabisch, Persisch, etwas Türkisch sowie Deutsch und Englisch spricht, ihre Klienten gefragt, ob sie Interesse an solchen Patenschaften hätten. Hierbei spielte auch das Alter eine Rolle, schließlich sollen die Paten Autorität haben.

Sechs Flüchtlinge haben sich bislang spontan bereiterklärt, und sie decken die meisten Muttersprachen der neu Angekommenen ab: Saman (32) etwa spricht Kurdisch, Mohammad (31) Persisch, Waad (33) hat Arabisch als Muttersprache und Alan (23) kann sich neben Kurdisch auch in Kurmandschi, Arabisch und Englisch verständigen. Alan ist mit seinem Sprachtalent häufig als Dolmetscher gefragt, berichtet er auf Deutsch, zum Beispiel beim Behördengang oder beim Arztbesuch. Er hatte sich bereits in Syrien bei der Hilfsorganisation Roter Halbmond als Freiwilliger engagiert. Auch der Iraker Waad, der bald seinen Bundesfreiwilligendienst im Café Sojus beginnt, hilft gern: "Ich bin glücklich und dankbar, dass ich helfen kann", übersetzt Tara Ercosman.

Von dem neuen Projekt sollen nicht nur die Neuankömmlinge, sondern auch die anderen Beteiligten profitieren: "Die Paten haben das Gefühl, dass sie auch selbst helfen können", sagt Ercosman. Das stärke das Selbstwertgefühl, zumal es weiterhin wenige Beschäftigungsmöglichkeiten für Flüchtlinge gebe. Für den Verein soll das Modell ein wenig Entlastung schaffen.

Quelle: RP
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