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Langenfeld
Fotograf nimmt Arbeiter in den Blick

Langenfeld. Bis zum 29. Mai stellt Manfred Zimmermann beim Langenfelder Kunstverein Bilder aus fünf Jahrzehnten aus. Von Stephan Meisel

Die sechs Männer, die fröhlich in die Kamera blicken, sind Drahtzieher. Und zwar nicht im übertragenen Sinne, sondern im wortwörtlichen. Im Blaumann sitzen sie auf einer Stufe vor einer bröckelnden Fabrikwand, als Fotograf Manfred Zimmermann auf den Auslöser drückt. 45 Jahre später hängt das Bild gerahmt im Ausstellungsraum des Kunstvereins Langenfeld. Unter dem Titel "Mensch und Arbeit" stellt der mittlerweile 69 Jahre alte Fotokünstler 33 Bilder zur Schau.

"Fotografieren war immer meine Leidenschaft", sagte der Hannoveraner Zimmermann bei der Vernissage. Aufgewachsen in der Nachkriegszeit habe er sich gegen Widerstände durchgesetzt und seinen Traum wahr gemacht. Als selbständiger Fotograf in der Werbe- und Industriebranche sei er stets bestrebt gewesen, "die Würde des Menschen in der Berufswelt zu dokumentieren. Nicht fotografieren, was man sieht, sondern das, was es ist."

Empathie und der richtige Blickwinkel prägen die Bildserie im Kunstraum des Langenfelder Kulturzentrums: Menschen, die stolz sind auf das, was sie leisten. Mit raffiniertem Hell-Dunkel-Kontrast setzte Zimmermann 1990 in einem ostdeutschen Kupferbergwerk fünf Grubenarbeiter in Szene, die sich im niedrigen Schacht ducken. Beim weiteren Rundgang sieht der Betrachter hart arbeitende Männer bei der Kupferschmelze, an der Strangpresse oder beim Vulkanisieren. Besonders eindrucksvoll erscheint ein Arbeiter, den der Fotograf 1976 in einem Osnabrücker Plattenwalzwerk bei einem Päuschen abgelichtet hat: Eine Kappe auf dem grinsenden Charakterkopf, den Kaffeepott in der Hand steht der Mann vor einem wuchtigen Stahlkoloss, der ihn dreimal überragt. Vom Bergbau über das Schmelzen bis zur industriellen Produktion: Viele Berufe, die Zimmermann in seinen Bildern über Jahrzehnte festgehalten hat, gibt es nicht mehr. Ach ja: Neben all den hart arbeitenden Männern findet sich auf einem Bild auch eine schuftende Frau: aufgenommen in einer Moskauer Automobilfabrik.

Zimmermann begleitete den Wandel der Industrie und hat sich auch selbst nicht dem technologischen Wandel verschlossen. Zwischen den gerahmten Arbeiterfotos sind sechs Bilder über den Kunstraum verteilt, die nicht nur wegen ihrer Größe aus dem Rahmen fallen. Die auf Aluminiumplatten gedruckten Makroaufnahmen von Kautschuk, Maschinenteilen oder heißem, zu Draht gezogenen Stahl bestechen durch ihre Farbigkeit und Lichteffekte. Zimmermann wird am 1. Mai, 16 Uhr, im Kunstraum einen Vortrag zum Thema "Das Ende der Arbeit" halten.

Bis 29. Mai, Kunstraum, Hauptstraße 135; Di, Fr und Sa 10-13 Uhr, Do 15-20 Uhr, So 15-18 Uhr.

Quelle: RP
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