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Langenfeld
Freiwillige sichern Notfallseelsorge

Langenfeld: Freiwillige sichern Notfallseelsorge
Guido Boes aus Langenfeld (Foto) koordiniert die Notfallseelsorge für die katholische Kirche. Pfarrer Jürgen Draht ist für die evangelische Kirche zuständig. FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. Im Kreis sind an den Wochenenden nur noch Ehrenamtliche im Einsatz. Ab heute gilt die neue Struktur in Langenfeld. Von Petra Czyperek

Wenn Notfallseelsorger Guido Boes zu einem Einsatz gerufen wird, weiß der 52-Jährige, dass er Angehörige bei einem extremen Schicksalsschlag unterstützen muss. Das kann ein tödlicher Unfall auf der Autobahn sein, ein Gewaltdelikt oder ein Suizid. Möglicherweise ist auch ein sehr junger Mensch gestorben. Vor einem Jahr beispielsweise brach ein Junge (16) beim Fußballspiel auf einem Platz in Erkrath plötzlich zusammen. Die Ärzte konnten nur noch seinen Tod feststellen. "Das ist für Eltern eine Katastrophe." Als Seelsorger komme man in Situationen, wo Menschen hilflos sind. "Wir vermitteln Stabilität und Ruhe. Wir können trösten - aber manchmal muss man den Tod einfach nur ohne Worte gemeinsam aushalten." Ganz wichtig sei, dass man sich von den Schicksalsschlägen der Betroffenen abgrenzen könne. "Da muss jeder eine klare Linie ziehen." Um das zu Beherrschen, sei eine psychologische Schulung unerlässlich.

Die Notfallseelsorge im Kreis Mettmann wird von den beiden christlichen Kirchen gemeinsam organisiert. Und sie ist überkonfessionell ausgerichtet. "Wir kommen zu jedem. Man muss keiner Kirche angehören, damit wir helfen", erläutert Boes. "Nah sein, da sein", lautet unser Leitmotiv. Das Aufgabenfeld ist im Kreisdekanat bei Monsignore Ulrich Hennes (Hilden) angesiedelt. Er ist der Dienstherr. Guido Boes (Langenfeld) ist der katholische Koordinator für den gesamten Kreis. Pfarrer Jürgen Draht aus Mettmann kümmert sich hauptamtlich um die Notfallseelsorge für die evangelische Kirche. Die hat extra dafür eine Sonderpfarrstelle eingerichtet.

Seit Jahresmitte organisieren sich die evangelische und die katholische Kirche im Kreisdekanat Mettmann bei der Notfallseelsorge neu. So sind an den Wochenenden nur noch Ehrenamtliche im Dienst. "In Langenfeld startet diese neue Struktur jetzt am Wochenende", sagt Boes. "Aber wir suchen noch weitere Helfer." Voraussetzungen sind christliche Orientierung, Rufbereitschaft und: "Man müsse sich berufen fühlen", glaubt Boes. "Viele unserer Helfer haben schon eigene Erfahrungen mit dem Tod gemacht." Das bestätigt Hildegard Krause aus Mettmann: "Ich war selber schon mal in einer Extremsituation." Und Anne de Wendt (Hilden) erlebt ihre Aufgabe als "sehr erfüllend".

Wer Interesse hat, wird langsam an die neue Aufgabe herangeführt. Beide Kirchen bieten für die Ehrenamtlichen Seminare an. Niemand wird sofort alleine losgeschickt, sondern begleitet in der Anfangszeit einen erfahrenen Seelsorger. "Dann stellt sich schnell heraus, wem das liegt", sagt Guido Boes.

Wer einen Notfallseelsorger an seiner Seite haben möchte, wendet sich an die Feuerwehr oder Polizei. Über die Kreisleitstelle werden die 70 hauptamtlichen Helfer (Pfarrer, Diakone und Pastoralreferenten) und die derzeit zwölf Ehrenamtlichen, die wechselweise Dienst haben, alarmiert. Sie werden pro Jahr zu rund 150 Einsätzen im gesamten Kreis Mettmann gerufen. "Die Einsätze sind nicht planbar. Manchmal ist gar nichts los, dann gibt es mehrere Anrufe kurz hintereinander", hat Guido Boes erlebt. Und auch das ist neu: Ab Oktober fährt der Malteser-Hilfsdienst aus Langenfeld die Notfallseelsorger und Ehrenamtlichen im gesamten Kreisgebiet zu ihren Einsätzen.

Quelle: RP
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