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Detlev Katzwinkel Und Harry Pohl
Frühe Bindung zwischen Papa und dem Baby

Langenfeld. Jeder zweite Vater nutzt das so genannte Papa-Bonding im Richrather Krankenhaus.

Langenfeld Seit drei Jahren können Väter im St.-Martinus-Krankenhaus die ersten Lebenstage ihrer Kinder hautnah im Familienzimmer miterleben. Wir sprachen mit dem Chefarzt der Gynäkologie, Dr. Detlev Katzwinkel, und Harry Pohl, einem Papa, der's ausprobiert hat.

"Papa-Bonding" heißt das neue Schlagwort im Kreißsaal des Langenfelder St.-Martinus-Krankenhauses. Woher kommt der Begriff?

Katzwinkel Den hat die WHO (Weltgesundheitsorganisation) vorgegeben. Das heißt so viel wie Bindung, aneinander gewöhnen. Das so genannte Bonding beginnt für das neugeborene Kind im Kreißsaal auf dem Bauch der Mutter. Etwa zwei Stunden liegt das nackte Kind warm eingepackt auf der nackten mütterlichen Brust.

Und wie können Väter da teilhaben?

Katzwinkel Wenn die Mutter zum Beispiel aus medizinischen Gründen nicht dazu in der Lage ist, springt hier schon in den ersten Lebensstunden der Vater ein und bondet mit seinem Kind im Kreißsaal.

Und darüber hinaus?

Katzwinkel Ansonsten wird der Vater im Familienzímmer sein Kind auf die Brust bekommen. Hier riecht, schmeckt und hört das Neugeborene zum ersten Mal seinen Vater intensiv. Ein aneinander Gewöhnen startet, das viele Vorteile in den Tagen nach der Geburt mit sich bringt. Das Kind lässt sich schon früh viel einfacher vom Vater beruhigen. Der Vater findet sich schnell und fast automatisch in die Versorgerrolle ein.

Das ist sicher entlastend für die Mutter in den ersten turbulenten Monaten mit dem Neugeborenen?

Katzwinkel Sehr. Früher gaben die Väter schreiende Babys schnell an die Mütter ab, weil sie nichts damit anzufangen wussten. Heute können sie selbst beruhigend auf das Kind einwirken. Das ist eine große Entlastung für die Mütter und führt zu weniger Stress im Alltag mit dem Neugeborenen. Ja, wir sehen das Papa-Bonding sogar als Gewaltprophylaxe. Der Moment, in dem die Eltern an ihre Grenzen kommen, wird seltener.

Wie viele Väter machen von dem Angebot Gebrauch?

Katzwinkel Seit drei Jahren bieten wir das Familienzimmer für ein Pauschalangebot von drei Tagen und neun Mahlzeiten für 150 Euro an. Inzwischen nutzt jeder zweite Vater dieses Angebot. Das ist eine großartige Chance, die man nicht verpassen sollte. Sie ist für das eigene Kind für die nächsten Monate und Jahre lebensbestimmend.

Herr Pohl, Sie sind einer der Väter, die es ausprobiert haben. Warum?

Pohl: Ich habe schon drei erwachsene Kinder und war von Anfang an mit im Kreißsaal dabei. Ich wollte das jetzt unmittelbar und rund um die Uhr erleben.

Und wie war's?

Pohl: Fantastisch! Im Familienzimmer war es sehr komfortabel. Und ich konnte direkt eine Bindung zu meinem Sohn aufbauen. Noah ist jetzt sechs Monate alt, und meine Frau kann ohne weiteres zum Sport gehen und ihn in meiner Obhut lassen. Er hat mich voll akzeptiert.

Für das Krankenhaus bedeutet das aber einen Mehraufwand?

Katzwinkel Das Krankenhaus hat finanziell gesehen keinen Vorteil von diesem "Doppelzimmer- Familienangebot". Allerdings gibt es einen klaren Image-Gewinn durch die zahlreichen zufriedenen Eltern und deren Rückmeldungen im Netz. Die Versorgung auf der Wochenbett-Station profitiert letztlich sogar von den Vätern. Denn die überwiegende große Mehrheit ist sehr fürsorglich und hilfsbereit um Mutter und Kind bemüht und nimmt den Krankenschwestern so Arbeit ab.

Nutzen auch ausländische Mitbürger dieses Angebot?

Katzwinkel Die Zahl der ausländischen Väter nimmt zu. Es gibt natürlich Kulturen, die das nicht wollen.

Die Fragen stellte Isabel Klaas.

Quelle: RP
 
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