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Zugabe Unser Senf Zum Wochenende
Gartenzwerg kontra Kirchturm

Langenfeld. Kirchturmdenken? Vergessen Sie dieses Spottwort für Leute, die nicht über die Grenzen ihres eigenen Dorfes hinausschauen. Es gibt noch etwas viel Engeres: den Gartenzwergblick. Der hatte seine große Stunde am Donnerstagabend im evangelischen Gemeindehaus in Richrath. Dort, hinter der Lukaskirche, will die Gemeinde - ja sie muss angesichts ihrer Finanznöte - sich selbst räumlich verkleinern und Wohnbebauung errichten, um Einnahmen jenseits der schwindenden Kirchensteuereinkünfte zu erzielen.

Diese Baupläne hat die Gemeindeleitung nun der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt - und harsche Kritik von einigen Anwohnern geerntet. Die stören sich an der Höhe und Platzierung der beiden geplanten Wohnhäuser, am künftigen Zufahrtsverkehr, an der Müllabfuhr, ja sogar an der Absicht der Gemeinde, etwas Buschwerk zu stutzen, um den Kircheneingang einladender zu gestalten. Natürlich ist es das gute Recht von Bürgern zu erfahren, was sich in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft verändert.

Doch die Tonlage, in der hier bis ins Detail herumgemäkelt wurde, zeigt: Diesen Leuten passt die ganze Richtung nicht. Nämlich, dass sie ein paar dutzend neue Nachbarn bekommen und die Ruhe hinterm Gartenzaun dahin ist. Schon jetzt bringe der Jugendtreff Alte Schule "viel Lärm", sagte eine Anwohnerin und bat um Lärmschutz. Eine andere fragte nach der genauen Anordnung von Türen und Fenstern. Zu diesem Zeitpunkt des Abends fühlte man sich in einen dieser typischen Grundschul-Elternabende versetzt, in der plötzlich lauter Spezialfragen diskutiert werden, die immer nur einen einzigen Sprössling betreffen.

Der in Richrath zuständige Architekt flüchtete sich schließlich in Sarkasmus: "Ja", sagte er auf eine dieser Fragen, "wir kommen nicht umhin, das Wohngebäude mit Fenstern auszustatten.".

Quelle: RP
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