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Langenfeld
Gedenktafel erinnert an jüdischen Arzt

Langenfeld. Im Eingangsbereich des St.-Martinus-Krankenhauses soll des ermordeten Dr. Zade gedacht werden. Von Thomas Gutmann

Nach Neugestaltung des Eingangsbereichs des Richrather St.-Martinus-Krankenhauses soll dort eine Gedenktafel an den jüdischen Kinderarzt Dr. Hugo Zade erinnern. Dies teilten die Initiatoren Karl-Heinz König und Rolf Gassen jetzt mit. "Wir freuen uns, dass das Krankenhaus unseren Vorschlag positiv aufgenommen hat", erklärten der pensionierte Schulleiter und der frühere Langenfelder Vize-Bürgermeister.

Zade, der ab etwa 1905 über drei Jahrzehnte an der Solinger Straße die erste Kinderarztpraxis Langenfelds betrieb, wurde 1941 als Mitglied einer Sanitätsabteilung mit Frau und Tochter in das Konzentrationslager Lodz abkommandiert und 1944 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Von der Familie überlebte nur der Sohn Hans Peter den Holocaust. Ihm gelang es, sich nach England abzusetzen, wo er in den 80er Jahren starb.

Hugo Zade war, bedrängt von der SA und wirtschaftlich ruiniert durch das Unrecht im NS-Staat, 1937 von Langenfeld nach Köln gezogen, wo er am Jüdischen Krankenhaus Broterwerb fand. Für die Stadt Langenfeld war der Umzug fast acht Jahrzehnte später ein Grund, den von König und Gassen vorgeschlagenen "Stolperstein" abzulehnen. Grund: Die Regeln für die Verlegung von Stolpersteinen, die sich die Stadt gegeben hat, sehen vor, nur solchen Opfern einen zu widmen, die ihren letzten Wohnsitz vor der Deportation in Langenfeld hatten. Außerdem sei für Hugo Zade bereits in Köln ein Stein verlegt worden, hieß es. Statt dessen hat sich Langenfeld für eine andere Form des Gedenkens entschieden: Im künftigen Neubauviertel am Berghausener Blumentopf wird eine Straße an den Kinderarzt erinnern.

Und eben - ohne Zutun der Stadt - bald auch eine Gedenktafel am St.-Martinus-Krankenhaus, wo ihm der NS-Staat einst das Belegungsrecht entzog. "Dies ist ein angemessenes Zeichen des Gedenkens für Dr. Zade am Ort seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit", sagen König und Gassen.

Die "Stolpersteine" sind ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Seit 1992 hat der Bildhauer in ganz Europa mehr als 56.000 Kopfsteinpflaster-Steine verlegt. Jeweils am genauen Wohnort des NS-Opfers erinnert eine Inschrift auf einer Messingplatte an den Toten. In Langenfeld wurden bisher zehn solcher Stolpersteine verlegt.

Quelle: RP
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