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Langenfeld/Monheim/Hilden
Gegner der CO-Röhre demonstrieren Stärke

Langenfeld/Monheim/Hilden. Vor Beginn einer Anhörung ab Dienstag in der Essener Grugahalle zeigten sich die Kritiker des Bayer-Projekts in Hilden einig und entschlossen. OVG Münster entscheidet 2014 über Inbetriebnahme. Von Maximilian Laufer

Seit fast sieben Jahren sind 110 000 Bürger sowie die Städte Langenfeld, Monheim, Hilden, Erkrath, Ratingen und der Kreis Mettmann im Protest parteiübergreifend geeint: Die Inbetriebnahme der vom Bayer-Konzern gebauten, rund 67 Kilometer lange CO-Pipeline zwischen Krefeld-Uerdingen und Dormagen müsse unbedingt verhindert werden. "Wir werden nicht einknicken", versicherte Landrat Thomas Hendele am Samstag bei der Kundgebung auf dem Alten Markt in Hilden und erntet dafür kräftigen Applaus der rund 1000 Gegner und Aktivisten.

Klar ist, dass die Entscheidung hierüber letztlich Juristen zu treffen haben werden. Das Rohrleitungsgesetz sei verfassungswidrig, betonte Hendele. Die Enteignung von Grundstücken zu privaten Zwecken sei bundesweit beispiellos, die Abwägung der Bürgerbelange im Planfeststellungsverfahren leide an gravierenden Mängeln. Überdies sei die technische Ausführung mangelhaft. Dank "eindrucksvoller Fotodokumentationen" der Bürgerinitiativen zeigte der CDU-Politiker sich optimistisch, die Münsteraner Oberverwaltungsrichter überzeugen zu können, dass Bayer "Schrott verbaut" habe: "Die Rohre waren bereits verrostet, bevor sie unter die Erde gekommen sind."

Ursula Probst, eine der Organisatorinnen der Demo, kritisierte, dass die Anhörung zum Planänderungsverfahren ab Dienstag in der Essener Grugahalle stattfindet – weit weg von der Pipeline-Trasse. Zugelassen sind dort nur die 22 000 Einwender. Für Berufstätige sei eine Teilnahme nahezu unmöglich: "Ich widerspreche nicht, wenn man das Vorgehen der Bezirksregierung instinktlos nennt", sagt sie im Gespräch mit der RP. Zumal längst nicht alle der über 30 streitgegenständlichen Bayer-Änderungsanträge offen gelegt würden, sondern lediglich sechs. Eine "Trickserei" sei das, "wir fordern eine erneute Offenlage." Dass vor allem die unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit der Initiativen immens wichtig sei, unterstrich auch der Landrat: "Auch Richter lesen Zeitung." Gemeinsam mit den Bürgermeistern von Langenfeld, Ratingen und Monheim stand er auf der Bühne, vor der schließlich 99 schwarze Luftballons aufstiegen. Sie sollten symbolisch das "CO-Gespenst" verschwinden lassen, erläuterte Dieter Donner, Pressekoordinator der Pipeline-Gegner.

Für Jenny Angermund (29), Mutter von zwei Kindern, ist es selbstverständlich, etwas gegen die Giftgasleitung durch einen der am dichtesten besiedelten Kreise Deutschlands zu unternehmen. Die 29-Jährige stand mit ihrem Kinderwagen etwas abseits des großen Pulks und hörte aufmerksam zu: "Ich begreife nicht, weshalb nie je ernsthaft Alternativen zu der Pipeline erwogen worden seien. Warum produziert Bayer nicht dort, wo das CO anfällt?"

Bayer hält an der CO-Röhre fest und erläuterte vergangene Woche in Monheim Journalisten die Sicherheitsvorkehrungen. Hendele nannte die Bemühungen um eine PR-Gegenoffensive "fast rührend". Probst erinnerte an die Aussage des ehemaligen Regierungspräsidenten Büssow: Die CO-Leitung sei "so sicher wie ein Atomkraftwerk".

Quelle: RP
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