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Langenfeld
Gemeinden betreiben Flüchtlings-Café

Langenfeld: Gemeinden betreiben Flüchtlings-Café
Im Flüchtlingscafé der freien evangelischen Gemeinde Langenfeld spielen Kinder verschiedener Nationen miteinander. Sie genießen den Kontakt untereinander. FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. Die Unterbringung in Turnhallen stellt für Helfer und oft auch für Anwohner eine Herausforderung dar. Von Daniel Gehrmann

Alle 14 Tage, wenn das "Café International" öffnet, treffen im Foyer der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) an der Poststraße muslimische Flüchtlinge aus Syrien, Mazedonien und anderen Herkunftsländern auf Katholiken, Protestanten oder so genannte Kirchenferne aus Langenfeld. Das Café ist eine Initiative des "Ökumenischen Forums Flüchtlinge", an dem sich die katholische und die evangelische Kirche, die FEG und die Christengemeinde Ecclesia Langenfeld beteiligen. Während die Erwachsenen bei Tee und Kuchen ins Gespräch kommen, spielen die Kinder draußen.

Gudrun Weber (57) aus Langenfeld ist schon zum fünften Mal dabei. "Ich nehme Flüchtlingsfamilien mit ins Café International. Dort kann ich sie mit deutschen Familien bekannt machen", sagt sie. Ihre Tochter Daliah (16) ist das dritte Mal mitgekommen.

Zwei Tische weiter sitzt Basel Algharawi. Der 26-jährige Syrer ist seit 15 Monaten in der Posthornstadt und unterhält sich mit einer Langenfelder Familie, die zur FEG gehört. Er findet die Begegnungsstätte "phantastisch".

Allein die evangelische Kirche Langenfeld hat eine ganze Reihe von Aktivitäten für Flüchtlinge organisiert. "Viele Menschen machen sich Sorgen, wie die Probleme heute gelöst werden können und was das für die Zukunft unseres Landes bedeutet", schrieb Pfarrer Hartmut Boecker in einer Rundmail an die Gemeinde. "Viele sind aber auch bereit, sich zu engagieren und das Beste aus der Situation zu machen." Pfarrer Andreas Pasquay, Boeckers Amtskollege, überlegt, mit seiner Frau Tanja ein zweites Café für Begegnungen zwischen Flüchtlingen und Langenfelder Bürgern an der Hardt aufzumachen. Orte für weitere Begegnungen sind die evangelischen Gemeindezentren. Sie bieten unter anderem Räume für Sprach- und Nachhilfeunterricht.

Boecker brachte einmal Flüchtlinge mit zu einem Männerfrühstück mit deutschen Teilnehmern. Gemeinsam besuchte die Gruppe BayKomm in Leverkusen - eine gute Gelegenheit, einander kennenzulernen. "Das hilft, Ängste und Unsicherheiten abzubauen und im anderen den Menschen zu erkennen", sagt Boecker.

Um ein Kennenlernen geht es auch bei den "Patenschaften", die einige Langenfelder spontan für Flüchtlingsfamilien übernommen haben. Sie bieten den neu Angekommenen Orientierung im Alltag. Speziell für minderjährige Flüchtlinge, die allein hier sind, habe das Jugendamt die Kirche um Unterstützung gebeten, damit die überwiegend 16- bis 17-jährigen Jungen zum Teil kurzzeitig oder auf Dauer in Familien untergebracht werden können.

Die Unterbringung von Flüchtlingen in Turnhallen stellt für Helfer, Flüchtlinge und oft auch für Anwohner eine Herausforderung dar. Boecker weiß jedoch von positiven Beispielen zu berichten. "Von einigen Nachbarn höre ich: ,Jetzt wohnen wir schon so lange hier, kennen die Nachbarn kaum, auf einmal kommt da eine Aufgabe, und man merkt: Wir tun was! Wir haben richtig tolle Nachbarn. Eigentlich konnte uns kaum etwas besseres passieren.'"

Boecker ahnt die Belastung, "wenn alle paar Wochen neue Bewohner da sind, neue Menschen kennengelernt werden wollen", stellt ihr aber den menschlichen Gewinn gegenüber:

Noch in 70 Jahren würden die Flüchtlinge von heute davon erzählen: "Da waren Menschen, die haben mit uns gespielt, die haben uns geholfen, waren da, als wir sie brauchten."

Quelle: RP
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