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Kreis Mettmann
Gerdas Rucksack funkt alle Flugrouten

Kreis Mettmann. Vogelexperte Reinhard Vohwinkel empfängt über einen Sender alle Daten der Uhu-Dame: Wege, Brutplätze, Mahlzeiten. Von Sabine Maguire und Uwe Reimann

Erinnert sich noch jemand an Pattex? Das war die Uhu-Dame, die sich im vergangenen Jahr hin und wieder auf dem Wülfrather Rathausdach niedergelassen hatte. Ein Jahr lang flog die Königin der Nacht mit einem Senderucksack herum, der so allerlei Geheimnisse über die Flugrouten und die Speisepläne des Tieres verraten hat.

Vogelkundler Reinhard Vohwinkel spürte auf, dass es auf dem Rathausdach der Kalkstadt gemütlich sein kann und dass man Mäuse am besten in den aufgeräumten Gärten der Ellenbeek fängt. 85 Gramm schwer war der Sender auf dem Rücken von Pattex.

Genau kartographiert wurde, wo welche Uhus leben, wohin sie fliegen und wo sie jagen. Sogar die Anzahl der Flügelschläge im Verhältnis zu Gleitphasen lässt sich anhand verschiedener Auswertungen ablesen.

Fazit: Steinbrüche sind ein idealer Lebensort, Grube 7 zum Beispiel ist ein guter Platz zum Nisten. Pattex brütete in Rohdenhaus, dort herrschten so ideale Bedingungen, dass dort gleich zwei weitere Paare bei der Aufzucht und Pflege des Nachwuchses beobachtet werden konnten.

Mittlerweile ist die Nachfolgerin von Pattex auf Tour gewesen und diesmal ist schon nach 122 Tagen der Akku leer. Von Mai bis Oktober trug "Gerda" den Rucksack und sendete.

Sie war ständig online und berichtete dem Vogelexperten Vohwinkel beinahe im Minutentakt, wo die Mäuse am besten schmecken. Wohnhaft ist Madame eigentlich im Steinbruch der Kalkwerke Oetelshofen - ihr Name ist eine Hommage an die Ehefrau des Seniorchefs Hermann Iseke.

Wie es sich für eine treusorgende Ehefrau und Mutter gehört, hat Gerda während der Brutzeit keine allzu großen Reisen gemacht.

Kaum war allerdings der Nachwuchs flügge, ging's so richtig los. Ein Abstecher an die Wülfrather Fliethe, hin und wieder ein Ausflug zum Benninghof und ins benachbarte Mettmann: Für eine knackige Beute war kein Weg zu weit.

Besonders gut scheinen die Happen in Metzkausen und entlang der Wülfrather Straße geschmeckt zu haben. Von dort kamen jedenfalls ziemlich viele Meldungen per Funk.

Meist standen Ratten, Tauben oder Krähen auf der Menükarte. "Das ist ein eher ungewöhnliches Nahrungsspektrum. Einem Hasen hinterherzujagen war ihr wohl zu anstrengend", macht sich Kalkwerkechef Jörg Iseke so seine Gedanken über die kulinarischen Vorlieben seiner gefiederten Steinbruchbewohnerin.

Bis ihr Akku ausgetauscht wird, ist Gerda nun also inkognito unterwegs. Einen Partnertausch hat sie übrigens auch schon hinter sich: Als ihr angestammter Wegbegleiter sich das Gefieder im Schlammteich verklebt hatte und zur Reinigung vorübergehend außer Haus untergebracht war, zog schon nach ein paar Tagen der Nachfolger im Nest ein.

Quelle: RP
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