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Monheim
Geschichtsstunde unter freiem Himmel

Monheim: Geschichtsstunde unter freiem Himmel
Haben gleich vor St. Gereon einst Rheinschiffe festgemacht? "Das kann nicht sein", sagt Karl-Heinz Hennen bei der Führung durch Monheim. FOTO: Matzerath
Monheim. Karl-Heinz Hennen, Autor der Monheimer Stadtgeschichte, lud zu einer historischen Führung durch die Alte Freiheit ein. Von Isabel Klaas

Es ranken sich viele Mythen um die Entstehung Monheims. "Einige halte ich für Unsinn. Sie sind einfach nur immer wieder abgeschrieben worden und werden dadurch nicht richtiger", sagt der Monheimer Historiker Dr. Karl-Heinz Hennen. Er lud jetzt zu einer Führung durch die Altstadt ein, die zu einer spannenden Geschichtslehrstunde unter freiem Himmel wurde.

Die Führung spielte sich zum größten Teil vor St. Gereon ab. Von der Kirche aus verliefen eigentlich immer alle historisch wichtigen Fäden. Hennen, Autor der kürzlich erschienenen "Geschichte der Stadt Monheim am Rhein", räumt mit einigem Irrglauben auf. Er erzähle die Geschichte Monheims ganz neu und anders als bisher bekannt, sagte der Historien-Kenner. Rund 30 Besucher lauschten ihm gespannt. Darunter Neu-Monheimer wie Andrea Kufen, die vor drei Jahren an den Rhein gezogen ist und sich "sehr für Stadtchroniken und vor allem die Geschichte der Stadt, in der sie lebt", interessiert. "Monheim hat so viel zu bieten, und die Altstadt ist so schön", schwärmte sie. Und verriet noch: "Ich bin wegen der Liebe von Leichlingen hier her gezogen."

Auch Heidrun Feldmann, vor sechs Monaten erst aus Düsseldorf in die Alte Freiheit umgesiedelt, machte sich mit Hennen auf die Spurensuche der ersten Siedlungen. "Ich will einfach mal wissen, wo ich hier wohne", bekannte sie. Aber auch alteingesessene Monheimer hörten gebannt zu. So auch die ehemalige Grundschullehrerin Irmtraut Enseroth. Sie erfuhr von dem versierten Stadthistoriker, dass sie wohl sehr lange der Fehlinformation aufgesessen ist, nach der an der Stadtmauer von St. Gereon in grauer Vorzeit Schiffe festgemacht hätten. Dort befindet sich nämlich immer noch ein - jedenfalls scheint es so - entsprechender Ring. Hennen winkte ab: "Das kann nicht sein."

Fest steht aber unwiderruflich, dass die Geschichte der hübschen rechtsrheinischen Stadt weit zurückreicht bis in die Zeit der Karolinger - ungefähr bis in die Jahrezwischen 700 und 950. Da können sich mit der Zeit schon einige Spekulationen ergeben.

Tatsache sei, dass es früher zwei Rheinläufe vor der Altstadt gab, quasi eine Schlaufe, in der eine Insel, ein Werth, lag, erzählte Hennen. Vielleicht stamme daher auch der Name "Monheim". Ihm, so Hennen, erscheine der Verweis auf die Mündungsstelle von zwei Gewässern vor der Stadtmauer am sinnvollsten. Die Stadt am Rhein komme vielleicht über das Wort Mund/Mündung zu ihrem Namen Monheim. Nicht ganz glauben mag er die Mär vom Franken "Muno", der einst im jetzigen Monheim siedelte und der neuen Heimat so seinen Namen hinterließ. "Dafür gibt es keinen Beleg", sagte der Historiker.

Wäre es bei der Lehrstunde unter den frisch sprießenden Bäumen auf dem Vorplatz von St. Gereon nicht so nass und bitterkalt gewesen, man hätte Hennen noch Stunden zuhören können über den Siedlungsursprung, den Kirchturm von St. Gereon, der einst ein Wehrturm war, über Haus Bürgel als ältesten Siedlungspunkt, über die Terrassenlandschaft und über die alten Markt-, Zoll- und Baurechte.

Am Ende des Nachmittags blieb nur ein Wunsch offen: Das Ganze bitte noch mal, wenn es draußen ein bisschen wärmer ist.

Quelle: RP
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