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Kreis Mettmann
Gewerkschaft beklagt Dämpfer für Neubau

Kreis Mettmann. Strengere Richtlinien führen dazu, dass Banken weniger Kredite vergeben. Das hat Folgen für den Bau.

Banken dürfen oft keine Kredite mehr vergeben. Und so geht mancher Bauherr, der Geld für ein Haus, eine Eigentumswohnung oder für den Umbau der eigenen vier Wände braucht, leer aus. Insbesondere junge Familien und Senioren haben Schwierigkeiten, das nötige Baukapital zu bekommen. Schuld ist nach Ansicht der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) die EU-Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie.

Der Bau neuer Wohnungen habe dadurch einen empfindlichen Dämpfer bekommen, klagt die Gewerkschaft. Die Bundesregierung habe die EU-Richtlinie "besonders hart in deutsches Recht umgesetzt". Die Richtlinie schreibt Kreditinstituten seit März vor, bei der Vergabe von Darlehen in erster Linie auf das vorhandene Vermögen und auf die Höhe des Einkommens während der Rückzahlungsphase zu achten. Anders als noch zu Beginn des Jahres dürfen Wohnimmobilien oder Grundstücke von Banken nicht mehr als Sicherheit akzeptiert werden. "Der Wert eines Hauses und das Bauland, auf dem es steht, oder eine Eigentumswohnung und deren mögliche Wertentwicklung - all das zählt quasi nicht mehr. Wer heute neu bauen oder umbauen will, sollte also flüssig sein", sagt die IG Bau-Bezirkschefin Doris Jetten.

Denn die Banken seien nun verpflichtet, nachzuweisen, dass ein Kunde seinen Kredit auch bis zum Lebensende tilgen könne. "Das wird für viele Rentner zum Problem." Und auch energetisch Sanieren oder der "Nestbau" junger Familien würden so immer schwieriger.

Für den Kreis Mettmann bedeutet die Entwicklung künftig einen starken Rückgang der Baugenehmigungen, so die IG Bau Düsseldorf. Noch allerdings werden Wohnungen gebaut: 139,7 Millionen Euro wollen Bauherren und Investoren in den Neubau von Wohnungen im Kreis Mettmann investieren. Das sind die veranschlagten Kosten für 556 Neubau-Wohnungen, für die es im ersten Halbjahr dieses Jahres eine Baugenehmigung im Kreis Mettmann gab. Zum Vergleich: In der ersten Jahreshälfte 2015 bekamen 403 Wohnungen grünes Licht für den Bau, so die Gewerkschaft. Für die Jahresstatistik der Baugenehmigungen gehe sie von einer "düsteren Prognose" aus. Das schade der Wirtschaft und den Jobs in der Region, auch höhere Mietpreise als Folge weniger Neubauten sei nicht auszuschließen. Die IG Bau fordert die Bundesregierung auf, die Vorschriften "zu korrigieren".

(bine)
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