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Langenfeld
Gitarren-Virtuose kreiert Luftnummern

Langenfeld: Gitarren-Virtuose kreiert Luftnummern
Marc Dumont aus Langenfeld spielt ein ungewöhnliches Instrument. Nämlich keins. Er "klimpert" auf der Luftgitarre - und das erfolgreich. FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. Marc Dumont hat ein exotisches Hobby: das Luftgitarrenspiel. Im Juli fährt er zur deutschen Meisterschaft. Von Isabel Klaas

Man kann es wirklich: Gitarre spielen ganz ohne Instrument. Und mehr noch: Es gibt Landes- und Weltmeisterschaften in dieser Disziplin. Bei denen muss man nichts anderes machen, als einfach so zu tun, als beherrsche man das Saiteninstrument virtuos. Wir reden vom Luftgitarren-Spiel. Marc Dumont aus Langenfeld ist so ein Künstler, der jetzt die Landesmeisterschaft in Essen gewonnen hat und sich auf die Deutsche Meisterschaft am 29. Juli in München freut. Danach kommt nur noch die Weltmeisterschaft im finnischen Oulu. Für Marc Dumont , der als Airbreaker auftritt, ein Traumziel.

Nun ist der Wahl-Langenfelder alles andere als ein Freak oder Spinner. Im wahren Leben hat er einen stressigen und verantwortungsvollen Job als Finanzexperte bei einem großen Konzern. Doch zum Dampf ablassen gibt es nichts Schöneres für ihn, als auf der Bühne zu stehen und akrobatische Leistungen auf der unsichtbaren Gitarre zu harten Riffs vom Band zu vollbringen.

Übrigens gibt es bei den Wettkämpfen strenge Richtlinien. Die wurden von der "German Air Guitar Federation" festgelegt. Es geht nun beileibe nicht darum, Jimmy Hendrix oder Jimmy Page aufs Feinste zu imitieren, sondern vor allem um die so genannte Airness: "Die besondere Gabe, die bloße Imitation zu transzendieren und das Luftgitarrenspielen zu einer eigenständigen Kunstform zu erheben." So lautet die Übersetzung. Außerdem zählen Originalität, Ausdrucksfähigkeit der musikalischen Botschaft, Charisma, technische Fertigkeiten und künstlerischer Gesamteindruck. Den vermitteln die Luftgitarristen in einem 60 Sekunden dauernden Stück der eigenen Wahl (der Kür) und einem eine Minute dauernden Pflichtstück, das erst kurz vor dem Auftritt bekannt gegeben wird.

Marc Dumont nimmt seit 2015 an Wettbewerben in Deutschland teil. Für ihn ist das ein Riesenspaß. Auf der Bühne verwandelt sich der eher unauffällige 43-Jährige in einen temperamentvollen Derwisch, der ambitioniert Luftgitarren-Figuren mit Titeln wie "Windmühle" oder "Pommesgabel" präsentiert. Wenn's wild zugeht, wird auch mal die Gitarre auf dem Boden zerschmettert oder ins Publikum geworfen. "Das ist schon eine sportliche Anstrengung. Nachher habe ich richtig Muskelkater", gesteht Dumont.

Seit wann er sich diesem exotischen Hobby verschrieben hat, erzählt seine Frau Alina: "Eigentlich hat er schon immer Luftgitarre gespielt. Seit ich ihn kenne, und ich kenne ihn schon sehr lange." Es war denn auch Alina Dumont, die ihren Mann hinter seinem Rücken zum ersten Wettbewerb anmeldete. "Das war ein Geburtstagsgeschenk", sagt sie augenzwinkernd - offenbar ein nachhaltiges. Denn seither hat er keinen Wettbewerb im Land versäumt.

Auch sie hofft auf die Qualifikation und Reise nach Oulu. Dort würde der smarte Finanzexperte im Sakko mit wilden Luftgitarristen in ledernem Lendenschurz und mit nacktem Oberkörper und archaischer Mähne konkurrieren müssen. Doch auch der Deutsche versteht sein luftiges Handwerk. Er joggt über die Bühne und lässt die Hände wie Propeller im pantomimischen Saitenspiel rotieren, dass es dem Zuschauer fast schwindelig wird.

Zu Hause spielt Marc Dumont übrigens Piano, und zwar ein real existierendes. "Ich wollte eigentlich Musik studieren, ehe ich mich dann doch für Betriebswirtschaftslehre entschieden habe", sagt er. Auch der Griff in echte Gitarrensaiten ist ihm nicht ganz fremd. Sollte er sich nicht für die Weltmeisterschaft in Finnland qualifizieren, wird er mit seiner Familie trotzdem nach Oulu reisen. Vielleicht gelingt ihm dann im offenen Spiel doch noch der Sprung auf die Bühne.

Live erleben kann man den Langenfelder Marc Dumont in einem Video auf https://www.facebook.com/pg/radioessen/videos/

Quelle: RP
 
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