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Eine Stunde Im . . . Bioladen
Gute Laune gibt's gratis dazu

Eine Stunde Im . . . Bioladen: Gute Laune gibt's gratis dazu
Sven Lucht packt auf Kundenwunsch auch Kisten und liefert. FOTO: Ralph Matzerath
Langenfeld. Obwohl vor allem jüngere Menschen nicht mehr die Gelegenheit hatten, einen so genannten "Tante Emma Laden" kennenzulernen, kann sich doch jeder unter diesem Begriff etwas vorstellen. Klein, gemütlich, freundlich muss er sein und alles haben, was man für das tägliche Leben so braucht. Von Sandra Grünwald

Dies alles verbindet der Bioladen "Rheinkiesel Naturkost" in Langenfelds Innenstadt. Der Inhaber Sven Lucht hat mir erlaubt, ihm und seiner Mutter Rosi einen Nachmittag lang über die Schulter zu schauen, um einen kleinen Eindruck von der Arbeit zu bekommen.

Schon als ich den Laden betrete, stoße ich auf Tisch und Stühle, die auf Kunden mit Zeit warten. Ein Stuhl ist bereits besetzt und ich merke schnell, dass viele Kunden nicht nur in den Laden kommen, um hastig etwas einzukaufen, sondern dass hier auch ein Plausch gehalten wird. Man kennt sich hier. Das Angebot des Inhabers, ein Stück schwedischen Käse zu probieren, wird gerne angenommen. Den Käse hat er neu im Sortiment, um zu testen, wie er ankommt. "Das Interessante ist ja immer die Geschichte", erzählt Sven Lucht, während wir alle auf dem kräftigen Käse herumkauen. "Jeder Käse hat eine Geschichte."

Dann erfahren alle im Laden, dass dieser Käse in einem schwedischen Dorf hergestellt wird, das früher Ziegel produzierte. Diese wurden zum Trocknen ausgelegt und die Kinder rannten immer darüber hinweg, so dass die Ziegel kleine Fußabdrücke aufwiesen. "Der Käse hat deshalb die Form eines Ziegels und ein Fußabdruck ist hineingeprägt worden", verrät Sven Lucht. Was so alles hinter einem Käse steckt, hätte ich nicht erwartet und ich frage mich, als ich in die gut sortierte Käsetheke schaue und Namen wie "Nordseekäse" oder "Coer de Paille" lese, welche Geschichte wohl mit diesen Käsen verbunden ist.

Bevor ich Rosi Lucht beim Packen der Kisten Gesellschaft leisten darf, werde ich mit einer roten Schürze ausgestattet. "Wir bekommen die Bestellungen per Mail oder Telefon", erzählt sie mir. Jeden Freitag werden die Kisten gepackt und dann von einem Fahrer zu den Kunden gebracht. Manche bestellen so viele Sachen, dass sogar zwei Kisten kaum genug Platz bieten. Natürlich wird auch vieles aus der liebevoll aufgebauten Obst- und Gemüseabteilung geordert. "Eine Tüte unterschiedliche Tomaten, gerne auch andere Farben", lese ich da, oder "zwei Äpfel" oder gar "15 Stück anderes Obst". "Wir kennen die Kunden und wissen, was sie damit meinen", verrät mir Rosi mit einem Schmunzeln auf die Frage, welche der fünf oder sechs Sorten Äpfel denn gemeint seien. Manches wird abgewogen, manches hat einen Stückpreis. Alles muss in die Kasse eingegeben werden, wozu man natürlich die entsprechende Nummer des Produkts kennen muss. Die Äpfel kommen lose in die Kiste, der Salat wird in dünnes Papier eingeschlagen, aber, wie die erfahrene Kistenpackerin anordnet: "nicht zu fest". Tomaten werden in eine Papiertüte verpackt. "Wir versuchen, so wenig wie möglich Plastik zu verwenden", sagt Rosi. Bei manchen Sachen freilich, wie bei Spinat, geht es nicht anders. Denn das Gemüse soll ja frisch und appetitlich beim Kunden ankommen.

Aber nicht nur Obst und Gemüse kommt in die Kiste, auch Milchprodukte, Müsli, Brot, Fleisch, Käse oder Duschgel. Alles, was an der Kasse eingescannt werden muss, wird in einem Einkaufskorb zusammengetragen und nach dem Erfassen in die Transportkiste gepackt. Dann kommt das Namensschild dran und die Kiste wartet im Kühlraum auf ihren Transport zum Kunden.

Was mir auffällt, ist, dass zwar effektiv gearbeitet wird im Bioladen Rheinkiesel, aber dass die Atmosphäre dabei trotzdem entspannt bleibt. Ja, und Sven Lucht hat immer einen lustigen Kommentar parat. Auch, wenn ein gewünschtes Produkt einmal ausverkauft ist, wird das mit Humor genommen. So wollte eine Kundin gerne Schnittlauch haben und Sven Lucht verschwindet im Kühlraum, kommt aber dann nur mit einem Bund Frühlingszwiebeln zurück. "Was ist, wenn wir die Zwiebeln unten abschneiden und ich behaupte, das ist mutierter Schnittlauch?", bietet er der Kundin mit einem breiten Grinsen an, das sofort ansteckend wirkte. So wird nicht nur viel gearbeitet, sondern auch viel gelacht im Bioladen und das macht nicht nur den Mitarbeitern, sondern auch den Kunden gute Laune.

Quelle: RP
 
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