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Jan Keyling
"Habe Funk-Kontakte bis in die Südsee"

Jan Keyling: "Habe Funk-Kontakte bis in die Südsee"
Funkamateur Jan Keyling hat Spaß an der Kommunikation um der Kommunikation Willen. Der 34-jährige Physiker ist außerdem sehr technikinteressiert. FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. Am Montag, 18. April, ist der weltweite Tag der Funkamateure. Das Motto lautet: Amateurfunk und Gesellschaft. Jan Keyling (34) aus Langenfeld-Reusrath ist begeistert dabei und funkt im Ortsverband R 25 Leichlingen - Langenfeld des DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club). Der Ortsverband wurde am 1. Juli 1979 gegründet. Die Mitglieder treffen sich regelmäßig in einem 20 Jahre alten Wohnwagen, der am Autobahnkreuz Monheim steht.

Herr Keyling, wie sind Sie Funkamateur geworden?

Keyling Ich habe schon als Kind mit Spielzeugfunkgeräten herumgespielt und mich, seit ich denken kann, für Technik interessiert. Das fand ich ganz toll. Inzwischen arbeite ich als Physiker. Nachdem ich mit dem Studium fertig war, habe ich mir die Grundlagen für das Bestehen der Amateurfunkprüfung im Selbststudium erarbeitet. Weil ich einige Vorkenntnisse hatte, fiel es mir recht leicht. Die Prüfung für Funkamateure habe ich dann bei der Bundesnetzagentur in Köln gemacht.

Wie lautet Ihr Code?

Keyling (schmunzelt) Das nennt sich Rufzeichen. Bei mir ist das DK 8XX. Das spaltet sich in drei Teile auf. DK ist das sogenannte "Präfix", das für Deutschland steht. Die Zahl 8 ist sozusagen ein Trennzeichen. Das XX ist das "Suffix", welches in der Regel aus zwei bis drei Buchstaben besteht. Das Rufzeichen ist weltweit einmalig und eindeutig. Es wird immer nur an eine einzelne Person vergeben.

Ihr vereinseigener Wohnwagen steht ziemlich versteckt am Autobahnkreuz Monheim . . .

Keyling Das ist auch gut so. Wir stehen seit 30 Jahren auf dem Grundstück an der Straße Voigtslach an der Stadtgrenze Monheim/Hitdorf. Dort gibt es keine urbanen Störungen wie durch Netzteile, Internet-Router oder LED-Lampen. Und die benachbarten Baggerseen reflektieren unsere Frequenzen hervorragend. Wir haben also sehr gute Bedingungen für unseren "DX-Funk". Das heißt, wir funken überwiegend über große Entfernungen, haben Kontakte bis in die Südsee oder die Antarktis.

Was ist der Amateurfunkdienst?

Keyling Das ist ein gesetzlich geregelter Funkdienst, der anderen Funkdiensten (beispielsweise Flugfunkdienst, Seefunkdienst) gleichgestellt ist, insofern, dass er eine Lizensierung erfordert und weltweit reglementiert ist.

Gibt es eine Ausbildung zum Funkamateur?

Keyling Im Prinzip ja. Eigentlich ist es aber jedem Bürger freigestellt, an der Prüfung teilzunehmen. Er muss dafür keine Ausbildung nachweisen. Die bietet sich aber an. Wir als Ortsverband laden für Ende August wieder zu einem Lehrgang ein. Anmelden kann man sich dafür unter www.r25.de. Die Schulung befähigt dazu, beide Stufen des Amateurfunkzeugnisses zu erwerben.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Keyling Eine Ausbildung kann je nach Eigeninitiative ein halbes bis ein Jahr dauern.

Wie ist der Amateurfunk organisiert?

Keyling Der Amateurfunk in Deutschland ist erst einmal reglementiert durch das Amateurfunkgesetz der Bundesrepublik, das Anfang 1949 - noch vor dem Grundgesetz - verabschiedet worden ist. Jeder Funkamateur muss bei der Bundesnetzagentur eine Prüfung ablegen, durch die er seinen Sachverstand nachweist. Ein Großteil der Funkamateure ist im Deutschen Amateur-Radio-Club, in dem wir ein Ortsverband sind, organisiert.

In der Öffentlichkeit wird der Amateurfunker ehr wenig wahrgenommen. Woran liegt das?

Keyling Es liegt sicherlich daran, dass früher schon sehr junge Leute beim Amateurfunk mitgemacht haben, so dass der Amateurfunk in den 1970er und 1980er Jahren einen Boom erlebte. Mittlerweile sind die Konkurrenzangebote durch andere Vereine, aber auch die neuen Medien deutlich größer geworden. Dabei nutzen die Funkamateure diese Techniken ebenfalls intensiv - der Amateurfunk ist ein sehr technikaffines Hobby. Funkamateure betreiben ihr eigenes, unabhängiges drahtloses Internet, das so genannte HAMNet. "Ham" ist eine Slang-Bezeichnung für den Funkamateur, wie englisch: Schinken. Jeder nutzt zwar Smartphones und das Internet, aber nur wenige interessieren sich für die zugrundeliegenden Technologien. Wir treten zwar mit unserem Hobby selten öffentlich in Erscheinung, sehen es aber als unsere Aufgabe an, die Funktechnik Interessierten aller Altersstufen näherzubringen.

Wie muss man sich einen durchschnittlichen Funkamateur vorstellen? Gehört er eher der älteren Generation an?

Keyling Am Alter lässt er sich jedenfalls nicht erkennen (lacht). Er hat auf jeden Fall Spaß an der Kommunikation um der Kommunikation Willen. Und er ist sehr technikinteressiert und im wahrsten Sinne des Wortes weltoffen. Er macht gerne Dinge zusammen mit seinen Kollegen, u. a. nimmt er an weltweiten Wettbewerben teil. Dabei müssen beispielsweise in 24 oder 48 Stunden möglichst viele Verbindungen aufgebaut werden.

Wie sieht es in Ihrem Ortsverband mit dem Nachwuchs aus?

Keyling Wir haben mehr als 70 Mitglieder. Das Durchschnittsalter beträgt 45 Jahre. Da unser Fokus auf Amateurfunk-Wettbewerben liegt, ist unser Nachwuchs meist bereits erwachsen, was die Schichtplanung bei Wettbewerben erleichtert. Trotzdem ist bei uns jeder willkommen, es gibt für Funkamateure kein Mindestalter.

PETRA CZYPEREK STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
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