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Langenfeld
Hacker schlagen immer häufiger zu

Langenfeld. Kleine und große Unternehmen sind von elektronischer Datenverarbeitung und virtuellen Netzwerken abhängig. Die Systeme sind angreifbar und bieten Hackern ungeahnte Möglichkeiten. Von Dorian Audersch

Es dauert nur ein paar Sekunden, bis Tobias Elsner vollen Zugriff hat. In Windeseile fliegen seine Finger über die Tastatur. Ein paar kryptisch wirkende Eingaben später ist er schließlich drin - in einem Smartphone, dessen persönliche Identifikationsnummer (Pin) er nicht kennt. Nach belieben kann er sich die E-Mails, Kontakte und andere Daten anschauen. Für halbwegs versierte Hacker sind derartige Tricks kein Problem. Der Hersteller des Mobiltelefons spiele dabei keine Rolle, sagt Elsner: "Die sind alle unsicher."

Er ist Mitarbeiter der Firma "@-yet" in Leichlingen, die sich seit einigen Jahren auf die Sicherheit von IT-Systemen spezialisiert hat. Auf Einladung der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung Langenfeld (MIT) referierte der Geschäftsführer Wolfgang Straßer über die Gefahren des weltweiten Datenverkehrs - mit einer unangenehmen Kernaussage: "Es tut mir ja auch leid, aber die Welt ist schlecht."

Gemeint sind damit die kriminellen Umtriebe von Hackern und professionellen Datendieben. "Cybercrime" ist das Stichwort - also kriminelle Handlungen im virtuellen Raum mit durchaus realen Konsequenzen. Telekom, Bundestag und die "iCloud" von Apple sind bereits gehackt worden. "Aber das sind nur prominente Beispiele", sagt Straßer. "Im Extremfall geht das bis zur totalen Fremdübernahme der Hard- und Software eines Unternehmens." Daten seien ein Schatz für Hacker.

Die Zahlen, die Straßer nennt, sind erschreckend. Im Schnitt werde ein ans Internet angeschlossener Rechner alle 20 bis 30 Sekunden attackiert - rund 2500 Mal am Tag. Die Umsätze von Cybercrime übertreffen mittlerweile die des internationalen Drogenhandels, warnt der Experte. "Das läuft automatisiert und organisiert ab", sagt er. "Die Motive reichen von Wirtschaftsspionage über Erpressung bis hin zum Diebstahl von Daten und Geld."

Über sichere Clouds und Netzwerke könne er persönlich nur noch lachen, meint Straßer. "Es gibt immer Schwachstellen und im Grunde kann man nur versuchen, es den Angreifern so schwer wie möglich zu machen." Dazu gehöre auch, nicht naiv und unbedarft mit den eigenen Daten umzugehen. "Das Bewusstsein dafür fehlt vielen noch", meint der Leichlinger. Selbst oft als sicher gepriesene Online-Banking sei im Grunde leicht zu knacken - zumindest die üblichen Pin/Tan und Pin/iTan verfahren. "Das einzige sichere Verfahren ist HBCI mit Lesegerät, Karte und stets neu generierter Verschlüsselung", sagt Straßer.

Was empfiehlt der Experte? "Passwörter sollten mindestens 18 Stellen oder mehr haben", sagt er. Weniger relevant sei dabei die Komplexität, sondern viel mehr die Länge. Zur not könne man auch einen Satz wie "Mein Hut, der hat drei Ecken" nehmen. "Je länger ein Passwort ist, desto länger und komplizierter wird die Decodierung mit den Programmen der Hacker." Das steige ab 14 Zeichen exponentiell an. Darüber hinaus sollte die Software immer auf dem neusten Stand sein, da Anbieter wie Apple oder Microsoft regelmäßig etwaige Sicherheitslüchen schließen.

USB-Sticks sind demnach ebenfalls mit Vorsicht zu behandeln. Viele seien infiziert mit schädlicher Software ("Malware"). Auch auf Internetseiten lauern Gefahren, wie Straßer betont. "In den Werbebannern versteckt sich mitunter schädliche Software. Grundsätzlich gibt, dass man nichts anklicken sollte, was man nicht kennt und dass man nicht zu viel von sich im Netz preisgeben sollte."Es gebe keine 100-prozentige Sicherheit.

Das sei ein ebenso erhellender wie erschreckender Vortrag, meint Hans-Dieter Clauser, Ortsvorsitzender der MIT. "Das hat gezeigt, wie wichtig der sorgsame Umgang mit Daten, Informationen und Netzwerken ist - beruflich wie privat."

Quelle: RP
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